Literatur-Förderpreisträger Sina Flammang und Marco Kerler lesen im Stadthaus

Bemerkenswerte Talentproben: 2011 wurden Sina Flammang und Marco Kerler von der Ulmer Förderpreis-Jury in der Sparte Literatur ausgezeichnet, nun lasen beide im Stadthaus Geschichten und Gedichte.

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Überzeugten im Stadthaus mit ihren Texten: Sina Flammang und Marco Kerler. Foto: Oliver Schulz

Sein Leben ist kein Versprechen mehr. Sondern "nur noch eine gerade, gleichförmige Straße, an deren Rändern Mauern in den Himmel wuchsen und die Sicht versperrten auf alles, was noch hätte sein können". Illusionslos legt sich der Mann an einen ägyptischen Hotelpool, das Wasser ist viel zu warm, die Frau auf der Nachbarliege wie ein fernes Wesen, und irgendwann geht auch dieser Urlaubstag in lähmender Routine zu Ende.

"Der Pool" heißt die Kurzgeschichte Sina Flammangs, in der sie es auch schafft, das müde Leben in einem Hotelfrühstücksraum als Sitten- und Mentalitätsbild zu gestalten. Sie liebt das Beobachten - und dann das kreative Gestalten: "Das ist das Faszinierende am Schreiben, eine parallele Welt zu schaffen zu der, die es schon gibt." Die Hotelszenerie hat sie erlebt: "Der Pool" entstand auf einer Schreibreise, die sie mit ihrer Münchner Professorin für Creative Writing, der Filmemacherin und Schriftstellerin Doris Dörrie, nach Ägypten führte.

Sina Flammang, Ulmer Förderpreisträgerin in der Sparte Literatur des Jahres 2011, las nun im Stadthaus-Kabinett. 1986 in Würzburg geboren, kam sie 1992 nach Ulm und machte 2006 Abitur am Kepler-Gymnasium. Mittlerweile hat sie ihr Literaturwissenschafts-Studium in München mit dem Magister abgeschlossen und studiert Drehbuchschreiben sowie Creative Writing an der dortigen Hochschule für Film und Fernsehen (HFF). Das handwerkliche Feilen an Texten schätzt sie dort besonders, Dörrie spricht vom "Schreibmuskel, den man trainieren muss". Am Drehbuchschreiben mag Flammang, dass es sich oft um Teamarbeit handelt.

Ihr HFF-Diplom wird sie in eineinhalb Jahren in der Tasche haben, sie streckt bereits die Fühler in die Filmbranche aus. Vor einem Jahr war sie im Finale des "Sehsüchte"- Pitches, einem studentischen Wettbewerb für Film- und Serienideen in Potsdam. Derzeit wird ein Kurzfilm-Drehbuch von ihr verfilmt, das auf einer Kurzgeschichte von Stephen King basiert, und sie arbeitet an einem schwarzhumorigen Kurzfilm für den BR, der 2014 gezeigt werden soll. Zudem entsteht mit der Abteilung Dörrie ein Bändchen mit Kurzgeschichten von Studenten, zu dem sie beiträgt.

Denn bei aller Freude am Drehbuchschreiben - Sina Flammangs Prosa überzeugt ebenso, das war im Stadthaus zu hören. Schon die Förderpreis-Jury hatte gelobt, ihre Geschichten zeichneten sich durch "präzise Situationsschilderungen und überraschende Pointen, durch das Spiel mit Perspektiven und Erwartungshaltungen" aus.

2011 hatte die Jury zudem eine "Anerkennung" ausgesprochen: an Marco Kerler, dessen Gedichte für zu gut befunden wurden, um ihn leer ausgehen zu lassen. Kerler, 1985 in Ulm geboren und Erzieher von Beruf, las nun ebenso im Stadthaus. Seine rhythmisch zugespitzten Gedichte lassen manchmal seine Erfahrung in Rap und HipHop erkennen. Ihn reizt, "mit Sprache zu spielen und dabei Worte zu schaffen, die vielleicht nicht beim ersten Mal im Ohr hängenbleiben, sondern erst langsam tiefergehen". Keine Silbe darf dabei zu viel sein. Der wichtigste Rat der Autorin Ilse Hehn, mit der er über das Schreiben spricht, lautet: "Streichen!"

Kerler las Gedichte wie "Aussichtsplattform", "Nachtschwärmereskapade", "Kurzbericht intensiv", "Schlaglöcher", die Metaphern und Assoziationen kühn verschränken, dabei oft musikalische Qualität haben. Kein Wunder, Kerler ist in Ulm ziemlich präsent mit dem Projekt MarcoBeatZ, das er mit den Musikern Reinhard Köhler, Woodsini und Stephan Kofler betreibt.

Sina Flammang und Marco Kerler im Stadthaus: eine starke doppelte Talentprobe.

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