Lirum, larum, Löffelstiel . . .

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Der Mann, in dessen Küche wilde Gerüchte und köstliche Gerichte entstehen: Michael, auch genannt Mike oder Maikiee.

Der alte Kochmichel sitzt zufrieden in seiner Küche. Däumchendrehend. Hin und wieder gönnt er sich einen Schluck würzigen Weizenbieres. Bratendüfte kitzeln seine Nasenlöcher. Rosmarin, Thymian und Knoblauch betören seinen Geist. "Lebt denn der alte Kochmichel noch, Kochmichel noch, Kochmichel noch . . ." vor sich hinsummend träumt er von Jugendzeiten, als alles ähnlich war, aber ganz anders.

Es läutet. Als bliese ein Wirbelwind in die Fenstervorhänge, als kauere sich die Ruhe ängstlich in eine der Zimmerecken . . . er ist wieder da, der Hurraxdax. Wie immer verspätet, wie immer frisch und energiegeladen. Wie immer friert es ihn. Er streift den roten Kaschmirpullover über, schnürt sich die Kochschürze um, kaut auf getrockneten Birnenschnitzen, redet dabei wie ein Wasserfall - alles gleichzeitig. Als gelte es, eine Schallmauer zu durchbrechen.

So ist er halt, der Hurraxdax. Vom Kühlschrank fühlt er sich wie von einer Magic-Box angezogen. Findet sich darin ein Zipfel Schwarzwurst oder ein Radieschen, so ist es um beide in kürzester Zeit geschehen. Ganz aus dem Häuschen gerät er bei rumänischen Essiggurken. Zielsicher wie ein Trüffelhund spürt er sie auf. Ginge der alte Kochmichel nicht dazwischen, wären sie im Handumdrehen alle entsorgt.

Doch, doch, er ist schon fleißig und kann alles, besonders Suppen und Saucen abschmecken. Das liegt ihm wirklich. Dennoch behält der Kochmichel den Hurraxdax immer im Auge. Sonst passieren die tollsten Sachen. Unbeaufsichtigt riss er einmal beim Abstauben dem Porzellanelefanten den Schwanz vom Leibe. Ein anderes Mal kämpfte er mit Kaffee-Bohnen. Anstatt sie in den Bohnenbehälter zu schütten, pfrümelte er Bohne für Bohne in den Pulverschacht und wunderte sich über das Ergebnis - eine lausige Brühe, wie man sie sonst nur beim Reinigen der Maschine erhält.

Manchmal streiten sich der Kochmichel und der Hurraxdax. Letzterer muss dann immer das letzte Wort haben. Und das stinkt dem Kochmichel ganz gewaltig. Aber ansonsten vertragen sich die beiden ziemlich gut . . .

Es ist spät geworden. So wirblig, wie der Hurraxdax gekommen ist, so entschwindet er. Die Ruhe traut sich wieder aus der Zimmerecke. Der alte Kochmichel trinkt noch ein Gläschen. Dann schlüpft er unter sein Federbett und summt vor sich hin: " . . . ja, er lebt noch, er lebt noch, er lebt noch . . ."

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