Baustelle: Linie 2 sorgt für Sperrung

In den Pfingst- und Sommerferien geht an zwei zentralen Kreuzungen wegen der Baustelle der Linie 2 nur noch wenig. Nicht einmal Straßenbahnen fahren dann mehr.

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Die Kreuzung Olgastraße/Neutorstraße wird im Sommer von den Straßenbahnbauarbeiten besonders betroffen sein.  Foto: 

Am Bahnhof gehen die Bauarbeiten ab Montag in die heiße Phase, mit allen Verkehrsbehinderungen und Staus. Die drohen ab Pfingsten auch an zwei anderen zentralen Stellen in der Ulmer Innenstadt – und zwar durch den Straßenbahnbau. An der Kreuzung Wagnerstaße/Beyerstraße vor dem Finanzamt sowie an der Kreuzung Olgastraße/Neutorstraße vor dem Theater werden die Gleisdreiecke eingebaut. Weil dazu Sperrungen nötig sind, versuchen die Stadtwerke als Bauherr, die Stadt und die beteiligten Baufirmen, diese Arbeiten hauptsächlich in die Pfingst- und Sommerferien zu legen.

Die Gleisdreiecke sind die künftigen Kreuzungen der beiden Straßenbahnlinien. Die Schienen verlaufen in drei Richtungen und bilden so ein Dreieck. „Der Einbau der Gleisdreiecke wird der einschneidendste Teil der Bauarbeiten in diesem Jahr“, sagt dazu Ralf Gummersbach, der Projektleiter für die Linie 2 bei den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU).

An beiden Gleisdreiecken wird parallel gearbeitet. In den Pfingstferien sind die vorbereitenden Arbeiten dran: wie das Verlegen der Leitungen. In den Sommerferien folgen die Gleise und Weichen. Zu beiden Zeiten kann keine Straßenbahn mehr fahren. Auf der Linie 1 gibt es dann Ersatzverkehr mit Bussen.

Gravierender werden die Auswirkungen beider Baustellen auf den Autoverkehr ausfallen:

Wagnerstraße/Beyerstraße Stadt-
einwärts wird die Wagnerstraße bereits von Montag, 6. März, bis 25. Juli voll gesperrt. Anwohner kommen mit dem Auto zu ihren Häusern und können vor der Baustelle wenden. Das Linksabbiegen vom Ehinger Tor in die Beyerstraße ist nicht mehr möglich.

Ab 26. Juli bis voraussichtlich 10. September werden die Gleise und Weichen verlegt, der Gleisbereich wird komplett gesperrt, es fahren Busse statt Straßenbahnen. Autofahrer können die Wagnerstraße stadteinwärts wieder nutzen, allerdings nur einspurig.

Stadtauswärts, also Richtung Söflingen, soll die Wagnerstraße ebenfalls einspurig befahrbar bleiben – wenn es geht. „Wir versuchen das auf jeden Fall“, sagt Gummersbach. Allerdings wird sich die Baustelle nicht nur auf den Gleisbereich beschränken, denn vor dem Finanzamt ist ein Kanal beschädigt, der ausgetauscht werden muss.

Olgastraße/Neutorstraße In den Pfingstferien von 6. bis 16. Juni werden Gas-, Wasser-, Fernwärmeleitungen und Fahrleitungsfundamente verlegt. Der Verkehr in der Olgastraße schlängelt sich um die Baustelle herum, allerdings nur noch einspurig in jede Richtung.

Da auch in der Friedrich-Ebert-Straße am Bahnhof Großbaustelle ist, heißt das für den Verkehr: Von der Kreuzung Zinglerstraße bis nach der Kreuzung Neutorstraße geht es nur noch einspurig durch die Innenstadt, egal, in welche Richtung.

Eine enorme Belastung, das findet auch Ralf Gummersbach. „Ja, die Stadt Ulm tut sich gerade ganz schön was an. Aber wenn alles fertig ist, werden alle zufrieden sein. Es wird richtig gut.“

Richtig ehrgeizig sieht der Zeitplan für die Sommerferien aus. Nur sechs Wochen bleiben für den Einbau des Gleisdreiecks, der Gleise und Haltestellen. „Das ist sehr knapp.“ Fast kein Bauarbeiter wird da Urlaub nehmen können, denn jeder wird auf der Baustelle gebraucht.

Für den Verkehr in der Olgastraße bedeutet das: Sie bleibt in den Sommerferien einspurig in jede Richtung befahrbar. Die Spuren werden jedoch ganz auf die Innenstadtseite verlegt.

Gravierender sind die Auswirkungen auf die Neutorstraße. Sie wird vom 26. Juli bis 10. September ab der Zeitblomstraße zur Einbahnstraße Richtung Innenstadt. Wer von der Ludwig-Erhard-Brücke kommt, kann am Theater nur noch nach rechts Richtung Bahnhof abbiegen. Linksabbiegen in die Olgastraße ist dann nicht mehr möglich.

Stadtauswärts geht dann nichts in der Neutorstraße, weder aus Richtung Bahnhof noch aus Richtung Justizgebäude noch von der Wengengasse her. Wer also sein Auto im Parkhaus Deutschhaus abstellt, darf nur noch nach rechts herausfahren und muss während der Sommerferien, um Richtung B 10/B 28 zu kommen, eine Umleitung bis zur Frauenstraße in Kauf nehmen.

Diese Baustellen schneiden heftig in den Verkehr ein. Sie seien aber unvermeidbar. „Wir brauchen einfach einmal diesen großen Eingriff, aber wir versuchen, ihn so komprimiert wie möglich hinzukriegen.“

Brücke Die Straßenbahnbrücke über die Bahngleise ist schon weit gediehen. Der letzte Verschub, bei dem das ursprünglich erste Brückenteil die Kienlesbergstraße erreichen wird, soll am 10. April vorgenommen werden. Danach wird der rote Schnabel, der sich über die Kienlesbergstraße schiebt, abgebaut. Die Brücke ist jetzt noch fast vier Meter höher als in ihrer Endlage, sagt Gummersbach. Im Mai und Juni wird sie abgesenkt, im Juli startet der Ausbau mit Gleisen, Kabeln, Fahrleitung, Beleuchtung. Anfang 2018 wird sie fertig sein, „wir liegen im Zeitplan“. Darüber ist der Projektleiter erleichtert, denn die Brücke war auch wegen des Bahnverkehrs und dem Bau der Neubaustrecke eine komplizierte Angelegenheit.

Kuhberg und Eselsberg Am Rest der Strecke wird kontinuierlich gebaut, am Eselsberg ohne größere Änderung in der Verkehrsführung. Am Kuhberg wird der Verkehr stadteinwärts ab April wieder über Westerlinger Straße und St. Barbara-Straße geleitet.

Bahnhof Die Straßenbahngleise werden im Frühjahr 2018 provisorisch umgelegt auf den Deckel der künftigen Tiefgarage.

Einen Termin, an dem die Linie 2 fertig sein und in Betrieb gehen soll,  gibt es auch schon: zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018.

Kommentar: Es führt kein Weg daran vorbei

Die Liste der Grausamkeiten wird länger. Zusätzlich zu den Großbaustellen am Hauptbahnhof drohen durch die Bauarbeiten für die Linie  2 weitere schwere Eingriffe in den Verkehr an ganz empfindlichen Stellen der Ulmer Innenstadt. Neutorstraße und Wagnerstraße nur in eine Richtung befahrbar, Olgastraße und Friedrich-
Ebert-Straße einspurig – wohin soll das führen?

Nun, auf jeden Fall schwieriger in die Stadt hinein und wieder heraus. Man muss sich keine Illusionen machen: Das wird nicht einfach werden in den Pfingst- und Sommerferien. In erster Linie natürlich für Autofahrer und Lieferverkehr, aber auch für Radler und Fußgänger. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die Gleisbauarbeiten in der Wagnerstraße und an der Kreuzung Olga-/Neutorstraße tatsächlich auf die Schulferien, wenn viele im Urlaub sind und ohnehin weniger Verkehr herrscht, beschränken lassen.

An den Sperrungen und Umleitungen führt buchstäblich kein Weg vorbei. Wie sehr sich die Verantwortlichen bei Stadt, Stadtwerken und Baufirmen bemühen, die unausweichlichen Behinderungen zeitlich und räumlich in Grenzen zu halten, sieht man schon daran, dass sie die größten Eingriffe in die Ferienzeit legen wollen. Diese Wochen werden eine besondere Herausforderung für alle. Das Schlimmste dürfte dann aber überstanden sein.

Straßenbahnen Auf der Linie 1 verkehrt derzeit das Siemens-Modell Combino. Die neuen Straßenbahnen, die Ulm anschafft, stammen ebenfalls von Siemens, sind aber Modell Avenio. Für den Fahrgast unterscheiden sie sich kaum. Künftig werden auf beiden Straßenbahnlinien sowohl Avenios wie Combinos fahren. Die SWU haben zwölf Avenios bestellt, der erste soll im September geliefert werden. Jeder Avenio kostet rund 2,6 Millionen Euro.

Unterschiede Die hohen Kosten für ein Straßenbahnfahrzeug liegen auch daran, dass sie in Kleinserien gefertigt werden, erklärt SWU-Projektleiter Ralf Gummersbach. „Sie sind individuell zugeschnitten auf den Verkehrsbetrieb.“ Vereinfacht gesagt: Kaum ein Fahrzeug gleicht dem anderen, die Ulmer Avenios  gibt es so bisher nur in Ulm. In anderen Städten sind die Straßenbahnen zum Beispiel ein paar Zentimeter breiter oder schmaler,haben eine andere Spurweite, eine andere Spannung, Türen auf beiden Seiten oder andere Fahrgestelle. Eine Straßenbahn hält mit einer Lebenserwartung von 30 bis 40 Jahren dafür aber auch ungefähr drei- bis viermal so lange wie ein Bus.

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Kommentare

27.02.2017 10:44 Uhr

Widersprüchliche Meldung

Die Arbeiten werden hauptsächlich inden Pfingst und Sommerferien stattfinden. Warum ist die Wagnerstr. stadteinwärts dann bereits ab 6 März gesperrt? Bis 25 Juli? Man kann eine derart wichtige Verbindung nicht monatelang komplett sperren. Da gäbe es sicherlich eine Möglichkeit, hier schneller zu arbeiten

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