Lili Dahab im Roxy: Betörend, anmutig, dramatisch

Anmutend und bezaubernd: Mit einem fröhlichen Mix aus Spanisch, Englisch und Deutsch begeisterte Lili Dahab das Publikum im Ulmer Roxy. Und natürlich mit ihrer Musik.

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Mit Anmut und Stimme eroberte Lili Dahab das Publikum im Ulmer Roxy im Handumdrehen.  Foto: 

Gleich mit den ersten zarten Takten der „Zamba de usted“ spürt man es: Dieser Abend wird die wunderschöne Verlängerung eines spätsommerlichen Tages. „Huellas“ (Spuren), lautet der Titel der aktuellen CD von Lili Dahab. Wortspiele mit Spuren lassen sich natürlich auf die Musik dieser außergewöhnlichen Künstlerin anwenden. Spürbar ihre musikalischen Wurzeln, Tango aus Buenos Aires, Bossa Nova aus Brasilien, ihre Zeit als Sängerin in Musicals wie „Cats“, ihr Aufenthalt in Barcelona und das Zusammentreffen in der brodelnden Berliner Musikszene mit dem versierten Jazzpianisten Bene Aperdannier.

Mit ihrer Anmut erobert Lili Dahab das Publikum im Ulmer Roxy im Handumdrehen, sieht auch noch hinreißend aus, bezaubert, wenn sie erzählt: ein fröhlicher Mix aus Spanisch, Englisch und Deutsch. Egal in welcher Sprache sie über ihre Musik erzählt, Leidenschaft, Hingabe und Begeisterung sind in jeder Silbe spürbar. Und so klingt auch ihre Musik. Beim traditionellen „Peces de Luz“ sind es die ursprünglichen Klänge ihrer argentinischen Heimat, Tangorhythmen von Astor Piazzolla im mitreißenden „Yo soy Maria“ oder ihre musikalischen Verbeugungen vor der Bossa Nova eines Antônio Carlos Jobim mit „Águas de Março". Und die eigenen Stücke des Autorenduos Dahab/Aperdannier klingen wie eine perfekte, zeitgenössische Fortführung dieser großen Musik. Dahabs Stimme ist variationsreich, von einschmeichelnd betörend bis dramatisch.

Vor dieser Dramatik brauche sich aber niemand zu fürchten, beruhigt sie ihr Publikum. Und erzählt über ihre ersten Erfahrungen bei Konzerten in Deutschland. Sie befürchtete zunächst, ihre Zuhörer zu langweilen, begriff aber schnell, dass sich die Zurückhaltung hierzulande niemals mit dem Temperament ihrer Landsleute vergleichen lässt.

Unüberhörbar tragen auch Dahabs Musiker zu diesem intensiven Abend bei, „meine Multi-Kulti-Band“, wie sie sie lachend nennt. Der Pianist und Gitarrist aus Deutschland, der Bassist aus Kolumbien und der Schlagzeuger und Percussionist aus Argentinien. Da sind die perlenden Jazzakkorde des Pianisten Bene Aperdannier, welche die Leichtigkeit und die Intensität südamerikanischer Klänge auf wunderbare Weise europäisch erden. Der Berliner Gitarrist Jo Gehlman brilliert besonders bei den brasilianischen Passagen des Konzerts und bei Topo Gioia kommt die typisch argentinische Trommel, die Bombo legüero, zum Einsatz.

Eine wichtige Rolle spielte an diesem Abend auch die Gioias Großmutter. Genauer gesagt ihre Empanadas, gefüllte Teigtaschen. Damit versorgte sie einst nicht nur Topo sondern auch die Kinder aus der Nachbarschaft. Unter anderem einen sehr kleinen, schwächlichen Jungen, der schon früh ziemlich gut Fußball spielen konnte. Zu ihm hat Topo kürzlich wieder Kontakt auf genommen, um das Empanada-Rezept seiner Großmutter weiterzugeben. Und dazu reiste er zusammen mit dem anderen großen Fußballfan in der Band, Bene Aperdannier, nach Barcelona. Denn der kleine Junge von damals ist inzwischen der große Lionel Messi. Auch Lili Dahab kann übrigens mit großen Namen aus ihrer Heimat aufwarten. Drei Straßen von ihrem Zuhause lebte ein gewisser Jorge Maria Bergoglio – inzwischen besser bekannt als Papst Franziskus.

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