Liebe zu den Klassikern

Die Goethe-Gesellschaft in Ulm will mit Vorträgen den Zuhörern Literatur nahe bringen.

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Vorsitzender Ernst Joachim Bauer mit einer bibliophilen Ausgabe von Goethes „Faust“.  Foto: 

Goethe ist der Dichterfürst, sein „Faust“ das größte literarische Werk der deutschen Literatur. Inwieweit diese Aussagen verhandelbar sind, das bedarf intensiver Diskussion bei so mancher Flasche Rotwein. Unumstritten ist hingegen, dass Johann Wolfgang von Goethe als Synonym steht für die Hochkultur deutscher und deutschsprachiger Geistesgeschichte.

So sieht es jedenfalls die Goethe-Gesellschaft mit Sitz in Weimar, und so sehen es all die Ableger in all den deutschen Städten, in denen es Goethe-Gesellschaften gibt. Auch in Ulm, obwohl die Universität ohne große geisteswissenschaftliche Fakultät auskommt. Vorsitzender der örtlichen Gesellschaft ihr Ernst Joachim Bauer, der Inhaber der Buchhandlung Aegis.

Die Ulmer Goethe-Gesellschaft ist kein literarischer Zirkel, in welchem sich gebildete Kreise zum Jour fixe treffen, um über Stella, Torquato Tasso oder das Hexen-Einmaleins im „Faust“ zu diskutieren. „Wir hatten derartige regelmäßige Treffen schon mal ins Auge gefasst“, erzählt Bauer. „Aber die Mitglieder wünschten es nicht.“ Gelesen wird wohl eher im stillen Kämmerlein.

Die Ulmer Goethe-Gesellschaft hat sich anderes zur Aufgabe gemacht: Sie will die schöne Literatur popularisieren. Ihr Werkzeug ist der Vortrag aus berufenem Munde. Durch seine Buchhandlung mit einem umfangreichen Antiquariat ist Bauer in Ulm quasi der Anlaufpunkt für Literaturbegeisterte und Freunde bibliophiler Ausgaben. Bauer und seine 50 Mitstreiter in der Goethe-Gesellschaft bringen fach- und sachkundige Literaturwissenschaftler oder -freunde für acht Vorträge im Jahr nach Ulm. Eine Stadt mit Universität, aber ohne eine entsprechende Fakultät. Eine Stadt, in der Geisteswissenschaftler auch wenig Arbeitsmöglichkeiten haben. Aber dennoch gebe es genügend Interessenten, die Vorträge der Gesellschaft seien gut besucht, sagt Bauer.

Die Vorträge sind auf einem recht hohen Niveau, ohne die Besucher allerdings zu überfordern. „Wir bewegen uns nicht auf hochwissenschaftlicher Geisteshöhe, aber wir gehen schon ziemlich in die Tiefe“, meint Bauer. Bisweilen kommt der Spaß nicht zu kurz, etwa als Markus Wallenborn über Verschwörungstheorien von und über den Herrn Geheimrat referierte. Der Titel damals: „Hatte Goethe ein Verhältnis mit Anna Amalia, bevor er Schiller vergiftete?“

Doch meist geht es ernst zur Sache, und die Sache muss sich nicht um Goethe drehen. Dieses Jahr gab es bereits Vorträge über Matthias Claudius oder den Verleger Cotta sowie über weitgehend unbekannte Seiten aus Goethes Leben, so den Ilmenauer Bergbau unter seiner Leitung. Auch Reisen gehören zum Programm, wie eine Viertagesfahrt auf Goethes und Schillers Spuren nach Ilmenau und Jena inklusive eines Theaterbesuchs in Meiningen, wo der in Ulm gut bekannte Ansgar Haag zum Vesper einlädt. Haag war der Vorgänger Andreas von Studnitz' als Intendant des Ulmer Theaters und hat eine Vorliebe für Klassiker. Diese Reise im Oktober ist im Übrigen auch für Nichtmitglieder offen, sagt Bauer.

Die Mitglieder der Ulmer Goethe-Gesellschaft treffen sich zwar nur ein Mal pro Jahr. Doch die acht Vorträge sorgen für den nötigen Zusammenhalt. Der Mitgliedsbeitrag von 30 Euro jährlich finanziert die Kosten für die externen Referenten, für Mitglieder sind die Vorträge kostenlos. Derzeit hat die Ulmer Goethe-Gesellschaft 50 Mitglieder, naturgemäß eher älteren Semesters, und Ernst Joachim Bauer hofft auf mehr und vor allem auf jüngere Mitglieder. Voraussetzung ist keineswegs ein abgeschlossenes Germanistikstudium, sondern allenfalls die Freude an der deutschsprachigen, klassischen Literatur.

Info Ansprechpartner für die Ulmer Goethe-Gesellschaft ist Ernst Joachim Bauer von der Buchhandlung Aegis an der Hafengasse/Ecke Breite Gasse, zu erreichen unter Telefon (0731) 640 51.

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