Neues Gebäude für den Reha-Verein

In Kürze werden die ersten psychisch erkrankten Menschen in den Neubau des Reha-Vereins in der Hauffstraße einziehen. Die PEG hat als Bauherrin eine ansprechende Architektur geschaffen.

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Ansprechende Architektur: das sechsstöckige Gebäude für psychisch erkrankte Menschen des Reha-Vereins.  Foto: 

Eigentlich hätten diese Woche die ersten Bewohner einziehen sollen. Eigentlich. Daraus wird nichts, ein Wasserrohrbruch durchkreuzte vor rund drei Wochen die Pläne des Reha-Vereins, die sozial­psychiatrische Einrichtung im Dichterviertel Anfang Mai zu eröffnen. Mitte/Ende Mai aber sollten die Arbeiten abgeschlossen, das Haus bezugsfertig sein.

Hauffstraße 17 – so lautet die neue Adresse für 30 psychisch erkrankte Menschen. Für Menschen, die nicht alleine leben können, sondern einer Betreuung durch Fachkräfte bedürfen. „Unser Konzept ist, psychisch Erkrankten mitten in der Stadt Wohnmöglichkeiten anzubieten. Die Menschen sollen so normal wie möglich leben“, sagt Heiner Schrottenbaum. Wohnortnah eben, so der Geschäftsführer des Reha-Vereins, und mit dem Ziel, sie nach einem individuell auf die Person abgestimmten Aufenthalt in der Einrichtung dazu zu befähigen, wieder ein selbstbestimmtes, eigenständiges Leben führen zu können. Individuell abgestimmt heißt: Die Auszeit kann Monate dauern – aber auch Jahre. Wobei letzteres eher die Ausnahme ist, sagt Schrottenbaum.

Neuland betritt der Reha-Verein erstmals mit so genannten geschlossenen Plätzen. Sieben der 30 Zimmer in der Hauffstraße 17 werden für Menschen vorgehalten, die von Richtern für eine bestimmte Zeit in die Einrichtung eingewiesen werden. Beispielsweise weil sie aufgrund einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung als selbstgefährdend gelten. Der Aufenthalt kann je nach Einschätzung des Richters bis zu einem Jahr dauern. „Wenn die Personen stabil sind, kann die Unterbringung auch wieder aufgehoben werden. Das ist natürlich unser Ziel. Wir sehen, wenn sich die Situation verbessert. Der Kontakt ist ja eng“, sagt Schrottenbaum, der in Bezug auf dieses Klientel mit der Uni-Psychiatrie zusammenarbeitet. Nicht zuletzt hätten die Mediziner vom Safranberg auf die geschlossenen Plätze gedrängt, um die Ulmer Patienten auch in Ulm versorgen zu können und ihnen somit längere Aufenthalte im Allgäu oder im Schwarzwald zu ersparen. Zwei Anfragen für die 14 Quadratmeter großen Zimmer, die licht und luftig sind, gebe es bereits jetzt.

Sieben Wohngemeinschaften und drei Appartements sind in dem Haus entstanden, das die Fassaden der Nachbarhäuser mit ihrer Backstein-Optik aus der Zeit um 1900 aufnimmt. Die Baukosten für das Gebäude, das die Architektin Margret Perl von der Projektentwicklungsgesellschaft Ulm (PEG) entworfen und gemeinsam mit dem Reha-Verein auf die Bedürfnisse der künftigen Bewohner abgestimmt hat, belaufen sich auf rund 5,2 Millionen Euro.

Konzertierte Aktion

Das gesamte Projekt sei eine Art „konzertierte Aktion“, sagte Sozialbürgermeisterin Iris Mann bei der Besichtigung. Beteiligt war neben der Bauherrin PEG das Liegenschaftsamt, das das Grundstück zur Verfügung gestellt hat. Das Gebäude geht in die Hospitalstiftung der Stadt über, und der Reha-Verein ist Mieter.

Nötig geworden war der Bau, weil der Reha-Verein die bisherige sozialpsychiatrische Einrichtung in der Mörikestraße 5 aufgeben muss; wie berichtet, hat die Stadt jenen Teil des Dichterviertels zum Sanierungsgebiet erklärt, 800 Wohneinheiten sollen auf dem von alten Industrieanlagen und Gewerbebrachen geprägten Gebiet hinter dem Hauptbahnhof entstehen.

Da sein für die Schwachen

Stadt ist Stein – das Zitat, das einem Ulmer Alt-OB zugeschrieben wird, hat durchaus seine Berechtigung, wenn man nur die Architektur oder böse gesagt: nur die Baustellen in den Blick nimmt. Stadt ist aber mehr. Stadt – das sind die Menschen, nicht nur die gesunden, sondern gerade auch die kranken Menschen. Sie alle machen eine Stadt aus, sie alle tragen zum vielfältigen Leben in der Stadt bei.

Dass die Stadt Ulm den Bau der psychosozialen Einrichtung in der Hauffstraße von der Grundstücksauswahl (Liegenschaftsamt) über die Planung und den Bau (Projektentwicklungsgesellschaft) bis hin zur Vermietung (Hospitalstiftung) unterstützt hat, zeigt, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst ist. Ihrer Verantwortung für Menschen, die aus welchen Gründen auch immer einen Bruch im Leben erfahren haben. Und davor ist keiner gefeit. Beredtes Zeugnis legen die seit Jahren steigenden Zahlen für die Diagnose „psychische Erkrankung“ ab.

Diesen Menschen mitten in der Stadt eine Auffangstation zu bieten, ihnen wieder auf die Beine zu helfen und eine Lebensperspektive zu ermöglichen, dafür steht das Konzept des Reha-Vereins für soziale Psychiatrie Donau-Alb, der seit über drei Jahrzehnten sehr gute Arbeit leistet. Der lichte und luftige Neubau tut ein Übriges, zur seelischen Gesundung beizutragen.

Von Rudi Kübler.

Leistungen Der Rehaverein für soziale Psychiatrie Donau-Alb existiert seit 1980, er ist Träger verschiedener sozialpsychiatrischer und sozialintegrativer Einrichtungen und Dienste in Ulm und Heidenheim und versteht sich als Partner auf dem Weg zu mehr Teilhabe, Kompetenz und persönlicher Lebenszufriedenheit. Der Rehaverein betreut und unterstützt Menschen, die an einer psychischen Störung und/oder körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen leiden; Ihnen wird ein differenziertes Angebot an sozialer, medizinischer und beruflicher Rehabilitation unterbreitet. Für Menschen, die aufgrund von Folter und Vertreibung traumatisiert sind, bietet der Rehaverein eine darauf ausgerichtete Betreuung und Behandlung an.

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Kommentare

03.05.2017 15:36 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Ablehnung psychisch kranker Menschen nimmt zu””

Darüber hinaus will aktuell die Verteidigung der mutmaßlichen Terroristin Zschäpe, die sich seit geraumer Zeit in München vor Gericht zu verantworten hat, im Wege einer psychiatrischen Begutachtung ihrer Mandantin eine verminderte Schuldfähigkeit attestieren. Ob solch ein Versuch von Erfolg gekrönt ist, ist allerdings zu bezweifeln, weil er die Symptome einer Erkrankung der Psyche kurzerhand mit einer Geistesschwäche in eins setzt, die es vorgeblich Frau Zschäpe unmöglich macht, sich von den Taten des so genannten "Nationalsozialistischen Untergrunds" zu distanzieren. In jedem Fall sieht sich der Einzelne, der wirklich an Störungen seines Seelenlebens vonseiten Dritter leidet, in die Nähe schwerer staatsgefährdender Umtriebe gerückt und außerdem dem Verdacht ausgesetzt, im Allgemeinen intellektuell nicht mithalten zu können. Dass letztlich moderne Gesellschaften infolge der besagten und äußerst gewaltsamen Verkehrung der Verhältnisse als von vornherein gesundheitsschädlich erscheinen, anstatt stets notwendig eine Aussicht auf Heilung zu versprechen, tut ein Übriges zur Sache und spricht nicht für die Lauterkeit der in Rede stehenden Rechtsanwälte.

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03.05.2017 12:15 Uhr

Antwort auf „Ablehnung psychisch kranker Menschen nimmt zu”

Insbesondere angesichts vermeintlich unbgreiflicher Offizialdelikte greifen die Spekulationen, dass der jeweilige Täter psychisch schwer krank sein muss, geradezu luxurierend in der Öffentlichkeit um sich. So wusste beispielsweise der London-Korrespondent des Deutschlandfunks noch am selben Abend der jüngst auf offener Straße ermordeten Unterhausabgeordneten Cox von einer Psychose zu berichten, an der angeblich der Verbrecher zum Zeitpunkt der Tat litt. Wie sich jedoch später vor Gericht herausstellte, ist der Mörder uneingeschränkt schuldfähig und keineswegs erkrankt, sondern lediglich ein politischer Extremist, der kurz vor dem Brexit-Referendum eine Kritikerin auf diese Weise zum Schweigen bringen wollte. Bis heute bleibt der Deutschlandfunk dabei eine Klarstellung seines äußerst irreführenden Kommentars im Anschluss an die 19 Uhr-Nachrichten schuldig bzw. zieht keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen für seinen Angestellten wie etwa dessen außerordentliche Kündigung durch den Arbeitgeber aus offenkundig wichtigem Grund. Die vorhandenen Vorbehalte, psychisch kranke Menschen sind selbst schuld an ihrem Schicksal, erfahren dadurch massenmedial eine ungeheure Verstärkung.

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03.05.2017 10:51 Uhr

Ablehnung psychisch kranker Menschen nimmt zu

Laut einer repräsentativen Studie der Universitätsmedizin Greifswald nimmt unter der hiesigen Bevölkerung die Ablehnung von Menschen mit psychischen Erkrankungen zu. Der Befund, der im renommierten "The British Journal of Psychiatry" veröffentlicht ist, beunruhigt psychiatrische Wissenschaftler bundesweit (Pressemitteilung v. 11. März 2014). Vor allem stieg das Bedürfnis nach sozialer Distanz. Während es 1990 zum Beispiel 20% ablehnten, mit einer an Schizophrenie erkrankten Person zusammenzuarbeiten, waren es 2011 schon 31%. Gerade der Kontrast zum Krankheitsbild Depression macht deutlich, dass speziell die Einstellungen zu Menschen mit Schizophrenie in den letzten zwanzig Jahren negativer geworden ist. Obwohl also bis heute die Ursachen der Krankheit nicht vollständig geklärt sind, nimmt die Ablehnung der davon Betroffenen nachweislich zu. Vor allem scheint Aufklärung alleine die tief sitzenden Vorbehalte gegenüber psychisch Kranken nicht zu beeinflussen. Mit der Errichtung eines Gebäudes in der Hauffstraße ist es somit längst nicht getan, wenn die Stadt Ulm sich verantwortlich zeigen will. Es könnte sein, dass die Kommune nicht umhin kommt, Teile ihrer eigenen Einwohnerschaft, die sich solch haltloser Vorverurteilungen hilfsbedürftiger Bürger bedienen, in die vom Souverän gebotenen Schranken zu weisen, wenn sie nicht daran mitwirken will, deren ohnehin schon prekäre Lage vollends eskalieren zu lassen.

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