Letzte Rauchzeichen: Uni-Pressesprecher Willi Baur geht in den Ruhestand

Nach 41 Jahren im Dienst der Uni Ulm geht Willi Baur in den Ruhestand. Am Mittwoch gibt der Mann mit Pfeife und Schnauzbart seinen Abschied.

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Alles zu wissen, nichts zu sagen. Das ist keine Kunst. Aber das Nichts in wohlfeile Worte zu kleiden - das ist Kunst. Bei Pressesprechern gehört dies mittlerweile zum Anforderungsprofil. Heute mehr denn je, da oft die Verpackung wichtiger ist als der Inhalt. Wenn sich jetzt Willi Baur in den Ruhestand verabschiedet, dann geht da einer vom alten Schlag. Einer, der immer etwas zu sagen hatte und der dieses Etwas in die passenden Worte goss. Kein einfacher Job freilich, sondern: hohe Kunst. Denn an einer Universität lauern die Fettnäpfchen überall. Doktorale Allüren hier, professorale Eitelkeiten dort. Nicht zu vergessen: präsidiale Befindlichkeiten. Da konnte sich ein Fettnäpfchen schnell zu vermintem Gelände auswachsen - beispielsweise wenn Baur "his masters voice" geben musste, ohne sich vorher mit dem Präsidenten abstimmen zu können. Hellseherische Fähigkeiten sind da vonnöten, unabdingbar ist allerdings eines: "Man muss den Laden kennen", sagt der Noch-Pressesprecher der Uni Ulm, der am Mittwoch seinen Abschied gibt. Motto: 41 Jahre sind genug.

Soll heißen: Baur kennt den Laden auf dem Oberen Eselsberg aus dem Effeff. Und jeder kennt Baur. Den Mann mit Pfeife und Schnauzbart, der zwar auf den ersten Blick etwas kauzig und behäbig wirkt, der aber mit seiner schwäbisch-humorigen Art und seinem fundierten Wissen im Gespräch schnell punktet. Dass er für einen guten Witz sogar seine Großmutter verkaufen würde, ist freilich ein übles Gerücht - da gibt es nichts mehr zu verkaufen. Legendär ist auch seine Bierruhe. Ob sie tatsächlich auf langjährigen Weizenbierkonsum zurückzuführen ist, wie Spötter gerne behaupten, sei an dieser Stelle dahingestellt. Festzuhalten ist: Der Mann ist völlig geerdet - und holt so manche, die in seiner Nähe zur Hyperaktivität neigen, wieder auf den harten Boden der Tatsachen zurück.

Kein Wunder, dass er mit seinem breiten Kreuz Anfang der 80er Jahren den Asta-Geschäftsführer geben musste. Ein heißer Job, nicht nur, weil der Beamte Baur anfangs von den Studenten angefeindet wurde, sondern weil er einen Saustall ausmisten musste. "In Schränken und Schubladen lagen uralte, unbezahlte Rechnungen. Ich stand oft mit dem Rücken zur Wand", erinnert sich Baur. Kommunikativ, wie er ist, gelang es ihm dann doch, das Vertrauen der Studenten zu gewinnen. Auch weil der gebürtige Holzheimer mit dem bisschen Geld, das er zur Verfügung hatte, Konzerte und Kabarett-Abende veranstaltete. Bettina Wegener sang von kleinen Händen, Sigi Zimmerschied und Matthias Richling kalauerten auf der Bühne herum - und Willi Baur? Er gab die "Allzweckwaffe der Uni Ulm", wie Prof. Hermann Heimpel einmal anerkennend sagte. Ein Intermezzo im Akademischen Auslandsamt folgte, danach kehrte er wieder zur Uni-Bauabteilung zurück. Hier war seine berufliche Heimat, hier brachte er es zum Abteilungsleiter und stellvertretenden Dezernatsleiter.

Seine Leidenschaften? Vier sinds an der Zahl - die Ehefrau nicht eingerechnet. Ohne seine Pfeife geht: nichts. Er trägt sie stets im Handtäschchen überall mit sich herum, er duscht wahrscheinlich auch mit ihr. Er ist passionierter Camper, sehr zum Leidwesen seiner Frau. Er spielt für sein Leben gern Tischtennis, wenngleich er seit zwei Jahren nicht mehr an der Platte stand (Diagnose: Hüftschaden).

Und da ist sein Faible für den Journalismus, er interviewte den Radstar Didi Thurau, den Fußballer Dieter Hoeneß und den Dirigenten Herbert von Karajan. 26 Jahre lang war er Pressewart des Deutschen Tischtennisbundes - eine Tätigkeit, die es Baur ermöglichte, von heute auf morgen als Uni-Pressesprecher einzusteigen. Von seinem Vorgänger hatte er 2005 nicht viel geerbt: ein DinA4-Blatt mit vier Kaffeeflecken und zwölf Fax-Nummern regionaler Medien. In den fast neun Jahren hat sich die Uni-Pressestelle zu einem gut gehenden Laden gemausert, Höhepunkte: die hochdotierten Leibniz-Preise für die Professoren Frank Kirchhoff und Karl-Lenhard Rudolph sowie die Humboldt-Professur für Martin Plenio, von dessen Quanten-Thema er bis heute nicht den Hauch einer Ahnung hat. "Das gebe ich offen zu."

Satirische Beiträge, heißt es in der Einladung zu seiner Verabschiedung, seien willkommen. Dafür kann Baur selber sorgen, der jahrelang als freier Mitarbeiter für eine Lokalzeitung schrieb. Ein Sportredakteur hatte einmal aus Spaß über einen Artikel Baurs eine Autorenzeile gesetzt, die am nächsten Morgen der absolute Brüller war und die es bis in den Jahresrückblick der ARD schaffte: "Von unserem Grasdackel Willi Baur".

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Kommentare

10.12.2013 09:31 Uhr

41 Jahre!?

Wer oder was war dann eigentlich sein Vorgänger in der Pressestelle, der Herr Pietschmann?

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