Leitartikel Karlsplatz: Gleiches Recht für alle

Rund um die Ulmer Innenstadt werden unliebsame Personen immer weitergeschoben, weil sie keiner vor der eigenen Tür haben will. Es sind Trinker und Obdachlose, Kiffer und Fixer, Punker und Gescheiterte. Jetzt ist der Karlsplatz an der Reihe - obwohl er eigentlich nichts Besonderes ist. Ein Leitartikel von Hans-Uli Mayer.

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  • Der Karlsplatz von oben. Der Pavillon unter dem die Trinker sitzen und der Kinderspielplatz sind lediglich einen Steinwurf voneinander entfernt. 1/2
    Der Karlsplatz von oben. Der Pavillon unter dem die Trinker sitzen und der Kinderspielplatz sind lediglich einen Steinwurf voneinander entfernt. Foto: 
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    Ein Leitartikel von Hans-Uli Mayer
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Rund um die Ulmer Innenstadt führt der Altstadtring, auf dem - meist junge - Autofahrer mit aufgemotzten Fahrzeugen gerne ihre Runden drehen und Vollgas geben. Aber es gibt noch eine andere Art von Ringverkehr, der ähnlich absurde Züge trägt und aktuell am Karlsplatz für Aufregung sorgt. Durch Anwohner aufgeschreckt, ergreifen CDU und Freie Wähler zum Ende der Sommerpause forsch die Initiative. Und die SPD folgt auf dem Fuß. Dabei bedienen sie sich bisweilen recht schriller Töne.

Rund um die Innenstadt gibt es eine Art Verdrängungsring, ein Karussell, auf dem unliebsame Personen und Gruppen immer weitergeschoben werden, weil sie keiner vor der eigenen Tür haben will. Es sind Trinker und Obdachlose, Kiffer und Fixer, Punker und Gescheiterte. Ganz allgemein gesprochen handelt es sich um Menschen, die anders leben als der große Rest. Und genau da beginnt das Problem, nämlich beim Umgang mit dem Anderen, mit vielleicht Anstößigem und mit für manche Menschen bedrohlich Anmutendem.

Der Karlsplatz, um den sich jetzt die Kommunalpolitiker hektisch zu kümmern scheinen, ist dabei erstmal nichts Besonderes. Er ist aus polizeilicher Sicht weder ein Kriminalitätsschwerpunkt noch der erste Ort, an dem es Schwierigkeiten gibt. Am Karlsplatz kulminiert aber der Verdrängungsmechanismus der vergangenen Jahre, der immer dann einsetzt, wenn sich die oben beschriebenen Personengruppen mal wieder irgendwo angesiedelt haben und mithilfe der Saubermänner und -frauen aus der Kommunalpolitik verdrängt werden sollen.

Das hat in Ulm eine lange Geschichte, ohne dass je irgendetwas grundlegend verbessert worden wäre. Erst war es eine Gruppe an dem vom Volksmund "Pferdetränke" genannten Brunnen an der Steinernen Brücke, die den Innenstadthändlern im Weg war, die um ihr Geschäfte fürchteten. Dann zogen sie zur Donauwiese, bis sie von dort vertrieben wurden und auf dem Hans-und-Sophie-Scholl-Platz vor dem Rathaus für Aufsehen sorgten. Weiter ging es über den Büchsenstadel, dann störten sie im Alten Friedhof - und jetzt auf dem Karlsplatz, wo die hinzukommen, die bislang in der Hinterhofatmosphäre der Sedelhöfe ihr Versteck vor der Gesellschaft hatten und durch den Abriss verloren haben.

Nun sind Klagen über Belästigungen verständlich und oftmals auch berechtigt. Genauso oft aber wird übertrieben und die Lage dramatischer dargestellt als sie ist. Auch das ist nachvollziehbar. Allein, wo sollen die Leute hin? Wo sollen sie sich treffen, wenn sie überall vertrieben werden? Sie passen in kein Schema und schon gar nicht ins vermeintlich normale Leben. Aber sie haben das gleiche Recht in der und auf die Stadt, wie alle anderen.

Die Situation hat sich auch deshalb so zugespitzt, weil am Karlsplatz alle zusammenkommen, für die es keine anderen Plätze mehr gibt in der Stadt. Die Verdrängung ist das Problem, das Sankt-Florian-Prinzip.

Aber zu einer Stadt gehören nun auch einmal Hinterhöfe, Schmuddelecken oder zumindest Plätze, die nicht ständig unter öffentlicher Beobachtung liegen. Schärfere Polizeikontrollen verlagern das Problem nur wieder - örtlich und zeitlich, bis sich dann dort erneut Protest regt.

Verdrängung und Verlagerung ist nur ein Gewinn auf Zeit.

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Zur Reportage: Kinder, Trinker, Fixer: Wem gehört der Karlsplatz?

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Kommentare

04.09.2014 18:01 Uhr

Wasele !?? Missverständnis !!???

«Gleiches Recht für alle» !
»Eine starke Gesellschaft kümmert sich auch um die Schwächeren.«

UN do hat selle starke Gesellschaft ! selle Starken ! von seller freien westerwellenden spätrömischen Dekadenz der anstrengungslosen Guido-Reichtumsmaximierungs-FDP –Partei der Plutokratie ! - so demo- kraaaatisch frank ! - uf selle Fast Drei Prozent jehieft !!!??`?,

so dass selle Leistungsträger jenes Überflusses

– trotz des Überflusses der parteiischen Spenden in jene Freien Kassen !!! -

über den Berg der Regierungsverantwortung jekommen sind !, um sellen neuen Hartziberg mit Allehohl un viel Spritzi-Spritzi !! endelich zu erklimmen !!!!????

UN jetzertle mache se am Karlsplat nur e Missverständnis-Päusle !??, beim Erklimmen jenes – sozial isch was unbezahlte Arbeit schafft !!!!?????

So !, so !!????

Isch sell !??? dös Missverständnis von Demokratie !!!!?????

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Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Immanuel Kant

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04.09.2014 15:01 Uhr

Missverständnis

Sehr geehrter Herr Mayer,

ich selbst bin fast Anwohner, und wurde von weiteren Anwohner gebeten, deren Anliegen an die einzelnen Fraktionen weiterzuleiten. Dem bin ich nachgekommen. Zwei Fraktionen haben hierbei sofort reagiert (CDU und FWG). Am 29.08.2014 gab es dann vor Ort einen Termin. Hierbei waren sowohl Stadträte, Karlplatzanwohner, Karlsplatzbesucher, Vertreter der Stadt, ein Substitutionsarzt und weitere interessierte Personen anwesend. Vor Ort wurde mit den Menschen, die konkret betroffen sind, ein Gespräch geführt. Hierbei gingen die Interessen der einzelnen weit auseinander. Manche fühlen sich bereits durch Müll oder dort versammelte, friedlich Alkohol trinkende Menschen belästigt. Andere haben einfach Angst um die Gesundheit ihrer Kinder, wenn benutzte Spritzen herumliegen. Wieder andere treffen sich dort gerne, um gemeinsam mit anderen dort Alkohol zu konsumieren.

Ich glaube nicht, dass es vornehmlich darum geht, Meschen "weiter zu schieben". Es geht darum, den Betroffenen zu helfen, sie nicht aus der Gesellschaft auszuschließen, und trotzdem Kindern zu schützen. Ein erster wichtiger Schritt bezüglich der betäubungsmittelabhängigen Menschen wäre ein Ort im Zentrum, an denen sie sich die Betäubungsmittel injizieren können, dabei frische Spritzen erhalten, und alte direkt entsorgt werden können. Begleitend hierzu ist eine Präsenz der Drogenhilfe erforderlich mit Unterstützung von Streetworkern. Für eine finanziell solide aufgestellte Stadt wie Ulm sollte dies kein Problem sein. Auch mehr Substitutionsplätze wären sinnvoll, und eine weitere Entkriminalisierung von schwerstabhängigen Betäubungsmittelkonsumenten.

Eine starke Gesellschaft kümmert sich auch um die Schwächeren.

Frank Berger, FDP

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04.09.2014 08:44 Uhr

Karlsplatz

Gebt den Leuten eine Aufgabe, z. Beispiel dass sie dafür sorgen dass der Karlsplatz saubergalten wird dann ist jedem geholfen.

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04.09.2014 08:39 Uhr

Karlsplatz

Kein Mensch hat was gegen Personen die sich ordentlich benehmen, aber wenn Fixerbesteck und Utensilien wild auf dem Platz verteilt herumliegen. Alles vollgekotzt und vollgepisst ist, Bierflaschen in Unmengen herumliegen darf ja wohl was sagen von Speiseresten ganz abgesehen.

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31.08.2014 19:10 Uhr

^-^Hast Du immer noch ein Problem

mit Deiner Tastatur? ^-^

Do isch mer jetzertle noch nichts aufjefallen !!!, dass die NSA aktiv ist !, ist ja bekanntlich nichts neues !! Dass mein Rechner allerdings so Zoombie offensichtlich Arbeiten durchführt !, die ich !! E-bo-la - nicht !!! - veranlasst habe !!!!, isch allerdings neu !!!!!

Dass gewisse Dienste jener gewissen(losen !!???) Verfassung über die Tastatur ab“hören“ /das Abhören steuern !!, isch nu allerdings au net neu !!!!

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Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Immanuel Kant

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31.08.2014 18:46 Uhr

An den Peter jener Blume !:

^-^Hast Du immer noch ein Problem mit Deiner Tastatur? Deine wirren Kommentare werden durch !!!!!!!!!!!!! und ???????????? nur noch verschlimmert.^-^

Es mag ja sein !, dass für jenen Peter Blum die Feste Stellung «Gleiches Recht für alle» als Menschenrecht ein janz wirrer Kommentar isch !!!, aber vielleicht isch seller Peter ja ein Freund der Blumen UN ! halt nicht von Menschen mit Rechten !!!

?????

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Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Immanuel Kant

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31.08.2014 17:56 Uhr

Antwort auf „«Gleiches Recht für alle» !”

Freiburger!

Hast Du immer noch ein Problem mit Deiner Tastatur? Deine wirren Kommentare werden durch !!!!!!!!!!!!! und ???????????? nur noch verschlimmert.

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31.08.2014 15:16 Uhr

Guckesthu ! - Zoombie - auch dort !!:

Noppen! oder sanfte Revolution!???

http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/Noppen-sollen-Skater-stoppen;art4329,282055,A

Inklusive der Kommentare !!! -– versteht sich !!!!

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Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Immanuel Kant

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31.08.2014 15:06 Uhr

«Gleiches Recht für alle» !

Ist das nicht ein Menschenrecht !!!

?????

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Immanuel Kant

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