Leitartikel · SSV 46 FUSSBALL: Offensive Kontrolle

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Von Hans-Uli Mayer  Foto: 

Es wird schon wieder geträumt in der Friedrichsau. Es war zwar nur ein Mann, der am Ende der Mitgliederversammlung des SSV Ulm 1846 Fußball nach namhaften Verstärkungen fragte und seine Hoffnung äußerte, sich bald mal wieder über einen Aufstieg freuen zu dürfen. Aber diese eine Stimme steht exemplarisch für die hohe, leider oftmals allzu realitätsferne Anspruchshaltung im Ulmer Fußball. Einmal ganz oben gewesen, scheint alles darunter einfach unten, und somit unter der Ulmer Fußball-Ehre.

So betrachtet ist die Saison 1999/2000, als der SSV in der ersten Liga spielte, heute noch eine schwere Hypothek, weil die Fangemeinde von München, Dortmund oder Leverkusen träumt und nicht von Balingen, Hollenbach oder Pfullendorf. Wollen sich die Ulmer ihren SSV-Fußball aber auf Dauer sichern, müssen sie sich erstmal alle Träumereien aus dem Kopf schlagen und das schlichte Überleben des Vereins sichern.

Der Vorstand scheint sich darüber im Unterschied zu so manch einem Fan im Klaren zu sein. Man spürt förmlich, wie eindeutig bei vielen das heiße Fußballherz über den kühlen Verstand dominiert und nur mit allergrößter Mühe unter Kontrolle gehalten werden kann. Wehe, wenn diese Balance versagt. Denn eines dürfte allen klar sein: Der einzelne Träumer auf der Mitgliederversammlung dürfte nur ausgesprochen haben, was viele denken und hoffen.

Da nimmt es sich wohltuend vernünftig aus, dass der Vorstand der Jugendarbeit absolute Priorität einräumt. Wenngleich auch das Trio nicht frei von sportlichem Ehrgeiz ist, wird erstmal in Steine investiert und nicht in Beine. Erst braucht es vernünftige Bedingungen wie einen Neubau des völlig desolaten Umkleidetrakts für die Jugend. Das wenige vorhandene Geld ist dort allemal besser eingesetzt als in ein unkalkulierbares Unterfangen Aufstieg.

Der jetzige Vorstand hat klar erkannt, dass das Vertrauen durch drei Insolvenzen grundlegend zerstört ist. Bisherige Sponsoren haben sich abgewendet, neue stehen nicht gerade Schlange. Zu ungewiss ist vielen noch immer, wofür sie ihr Geld hergeben. Die Entwicklung kann nur von Dauer sein, wenn sie langsam und behutsam vor sich geht und steile Flankenläufe erst mal nur in der Sportschau stattfinden. Eine neuerliche Zahlungsunfähigkeit würde unweigerlich die endgültige Auflösung des Vereins bedeuten.

Insofern ist auch die Einrichtung eines Vereinsausschusses als Kontrollgremium das richtige Signal, auch wenn es an den Mitgliedern vorbei weitreichende Kompetenzen hat. Viele der gewählten Personen sind in der Vergangenheit zwar nicht gerade durch tiefgreifenden Fußball-Sachverstand aufgefallen. Viel wichtiger ist aber auch, dass sie mit Geld umgehen können, seriös zu planen wissen und ebenso, wie ein Projekt auf gesunde Beine gestellt wird.

Alle über einen auf Jahre angelegten Konsolidierungsplan hinaus gehenden Wünsche sollten gleich wieder vergessen werden. Feste Strukturen, eine gute Basis, moderne Jugendarbeit, Vertrauen - das sind die Ziele der nächsten Zeit. Sollte der Verein in diese Regionen aufsteigen, wäre er erfolgreich genug. Insofern kann es nicht um kontrollierte Offensive gehen, sondern allenfalls um offensive Kontrolle.

1. Bundesliga lastet wie eine schwere Hypothek auf Verein

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