LEITARTIKEL · SCHULEN: Große Herausforderungen warten

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Die Schreibwaren-Händler rüsten sich für den größten Ansturm des Jahres. Bei Bäcker und Metzger wird es zur Mittagszeit wieder eng: Am Montag beginnt in Ulm die Schule, am Donnerstag sind die Neu-Ulmer dran.

Einige Schulen starten in eine ungewisse Zukunft. Das verunsichert Eltern, Schüler und Lehrer. In Einsingen gibt es keine Fünftklässler mehr, an der Eduard-Mörike-Schule werden Fünft- und Sechstklässler zusammen unterrichtet. Die Werkrealschule ist in der Stadt ein Auslaufmodell, da helfen keine kleinen Klassen und auch keine sehr engagierten Lehrer. Die Schulart wird von den Eltern nicht akzeptiert.

Die Konsequenz: In Einsingen und Böfingen werden wohl nur Grundschulen übrig bleiben, ebenso an der Sägefeldschule. Wertvolle Arbeit gibt es in diesem Bereich mehr als genug zu leisten, auch wenn das bei der überbordenden Diskussion um die weiterführenden Schulen oft vergessen wird. Insbesondere die Ganztagesbetreuung ist eine Herausforderung. 42 Prozent aller Ulmer Grundschüler besuchen schon jetzt den Ganztagesunterricht oder nehmen die flexible Nachmittagsbetreuung in Anspruch. Der Bedarf wird wachsen.

Dazu kommt die Baustelle Inklusion. Das angekündigte Schulgesetz lässt auf sich warten. Das ändert nichts daran, dass immer mehr Kinder Förderbedarf haben, sei es wegen einer Behinderung, chronischen Krankheit oder Verhaltensauffälligkeiten. Zugleich nimmt die Zahl der Zuwanderer mit zu geringen Deutschkenntnissen zu. Wie viele Förderklassen es geben wird, ist noch unklar.

Unter besonderer Beobachtung stehen natürlich die drei Gemeinschaftsschulen. Sie müssen beweisen, ob sie den hohen Ansprüche standhalten. Sie müssen überzeugen - die Eltern, nicht die Politiker. Aber man muss ihnen auch die Chance dazu geben. Es wird Zeit, dass die ideologischen Grabenkämpfe eingestellt werden. Zumindest so lange, bis man wirklich urteilen kann.

An beruflichen Schulen, Realschulen und Gymnasien geht alles seinen gewohnten Gang. Massive Sorgen bereiten manchen Schulleitern die gekürzten Anrechnungsstunden für Arbeiten abseits des Pflichtprogramms. Man wird sehen, wie sich das auswirkt.

In Bayern steht das dreigliedrige Schulsystem felsenfest. Wer auf Realschule oder Gymnasium will, braucht einen bestimmten Notenschnitt. Daran wird nicht gerüttelt. Betrüblich stimmt dort die Flucht über Donau und Iller, obwohl das selten laut ausgesprochen wird. Während es noch relativ schwer ist, als Fünftklässler die Landesgrenze zu überwinden, wird es in höheren Klassen leichter. Vor allem Ulms starke berufliche Gymnasien ziehen bayerische Schüler magisch an.

In der Stadt freut man sich nicht bedingungslos über die Grenzgänger. Im Gemeinderat wurde kürzlich schon mal vorsichtig nachgefragt, wie viele Bayern eigentlich auf Ulmer Kosten gebildet werden. Denn Bildung ist bekanntlich teuer, und in Zeiten knapper Kassen schaut jeder genauer hin.

In dieser Hinsicht ist das spannendste Projekt das mit dem sperrigsten Namen: die regionale Schulentwicklung. Sie soll eine Bildungslandschaft entstehen lassen, welche die Einzel-Interessen und Eitelkeiten aller Dorf-, Stadt-, Kreis- und sogar Landesfürsten hintenan stellt. Im Mittelpunkt einzig und allein: das Beste fürs Kind, egal woher es kommt. Gutes Gelingen!

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