LEITARTIKEL · OB-WAHL: Duell der Ungleichen

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Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Oder: Da weiß man, was man hat. - Wundertüte. Oder: Paket ohne Überraschung. Die Unterschiede könnten kaum größer sein.

Morgen also entscheiden die Neu-Ulmer, wem sie die Verantwortung in ihrem Rathaus übertragen wollen. Dem parteilosen, durch eine große SPD-Grünen- FWG-FDP Koalition unterstützten Unternehmensberater Dr. Detlef Kröger. Oder doch wieder dem seit zehn Jahren im Blick auf die Stadtentwicklung durchaus erfolgreich, aber eben auch reichlich emotionslos regierenden Gerold Noerenberg (CSU). Er hatte sich im ersten Wahlgang mit 46 Prozent der eh nur von 38 Prozent aller Wahlberechtigten abgegeben Stimmen begnügen müssen. Von mehr als 42 000 Wahlberechtigten waren nur 7200 für ihn. Weniger als 20 Prozent. Ernüchternd.

Vor dem zweiten Wahlgang lieferte sich das Duo keine direkte Konfrontation mehr, überließ den Haudrauf ihren Umfeldern. Fazit: Diese waren stets bemüht, Feuer zu entfachen, doch mehr als müden Zunder brachten sie nicht zustande. Entscheidende Impulse gingen von keiner Seite mehr aus.

Wahlausschlaggebend wird morgen zweierlei. Zum einen, welches Lager im ersten Durchgang seine Potenziale geringer ausgeschöpft hat. Mancher Beobachter glaubt, dass die eigenen Reihen, in denen er zwar respektiert, aber alles andere als heiß geliebt ist, Noerenberg in Runde eins einen Denkzettel verpassen wollten; nun, da es um alles geht, werde die CSU alles tun, um das seit Jahrzehnten von ihr beherrschte Neu-Ulmer Rathaus zu retten.

Andere Akteure glauben, Kröger habe mit 41,4 Prozent vor zwei Wochen in diesem komplexen rotgrünliberalbürgerlichen Bündnis eine Jetzt-erst-recht-Stimmung erzeugt. Wer die besseren Propheten sind? Der hoffentlich morgen in größerer Zahl als am 16. März abstimmende Neu-Ulmer entscheidet auch darüber.

Beide Kandidaten sind keine politischen Stars. Brillant ist keiner von ihnen. Doch was braucht die Stadt mehr? Brillanz oder Solidität, um den Weg zum neuen Neu-Ulm fortzusetzen? Außer einem kommunalpolitischen Erfahrungsschatz besteht der größte Vorteil des Amtsinhabers Gerold Noerenberg im größten Nachteil des Kontrahenten Kröger. Obwohl darob rüde und alles andere als politisch korrekt von der Jungen Union attackiert, konnte der Herausforderer auch in den vorentscheidenden 14 Tagen nicht wirklich deutlich machen, wer er ist und was er will. Statt dem CSU-Nachwuchs in Gelassenheit zu begegnen und in Ruhe zu erklären, womit er bisher seine Familie ernährt und warum er nun OB einer nicht einmal kreisfreien Stadt werden möchte, ließ Kröger sich auf die - nicht weiter erwähnenswerte - Schlammschlacht ein. Und blieb ansonsten seiner Wahlkampf-Linie treu, die das Bild eines Mannes im Ungefähren zeichnet. Die Wundertüte eben.

Gerade der Umstand, dass er aus Krögers Vagheit kein entscheidendes Kapital schlagen konnte, muss Noerenberg zu denken geben. In der ersten Runde wog die Skepsis schwerer als die in der Stadt sichtbaren Neu-Ulmer Fortschritte, die Noerenberg auch für sich reklamieren kann.

Es ist der Vorbehalt gegen einen Mann, der oft die Contenance verliert auf dem schmalen Grat zwischen respektabler Kantigkeit und unwirscher Ruppigkeit. Beides kennt man von Noerenberg. So gesehen weiß der Neu-Ulmer, was er hat. Die Frage ist, ob er es noch will.

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