Legionellen-Befall im Donaucenter - Kritik an veralteter Haustechnik

„Es bewegt sich nichts im Donaucenter.“ Das sagt Friedrich Mayer-Reiter, der die Eigentümergemeinschaft und die Hausverwaltung angezeigt hat.

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Friedrich Mayer-Reiter (59) ist ehemaliger Anwalt und Inhaber eines Büros für Coaching, Consulting und Seminare in Augsburg und Neu-Ulm. Er hat sich jetzt als derjenige zu erkennen gegeben, der Strafantrag gegen die Eigentümergemeinschaft und die Hausverwaltung im Donaucenter in Neu-Ulm gestellt hat. Wegen des extrem hohen Legionellen-Befalls gilt dort seit Ende November ein generelles Duschverbot für alle Bewohner.

Mayer-Reiter selbst ist Mieter im elften Stock. Er beschreibt sich als starken Raucher, der auch an einer ständigen Bronchitis leide. Aus dermatologischen Gründen dürfe er nicht baden, sondern nur duschen. Er hat – wie bereits gemeldet – Anzeige wegen des Verdachts der fahrlässig versuchten Körperverletzung und eines Verstoßes gegen die Trinkwasserverordnung erstattet.

In seinem Schriftsatz, den er der Staatsanwaltschaft in Memmingen zukommen ließ, beklagt Mayer-Reiter den unzulässigen Informationsfluss Ende November im Donaucenter. Über die Gefahren, die von Legionellen gerade gegenüber Alten und Kranken ausgingen, sei nicht hinreichend informiert worden. Das erste Schreiben sei ein „unglücklicher Versuch“ gewesen, „die schlimme Lage kleinzureden und vom eigenen Versagen abzulenken“. Mayer fährt vor allem gegen den Vorsitzenden des Eigentümerbeirats, der Apotheker im Haus ist, schwere Geschütze auf. Er nutze die missliche Lage aus, um Duschköpfe mit Legionellen-Filter zu verkaufen. Mayer-Reiter bezeichnet dies als „Geschäft mit der Angst“.

Die tatsächlichen Probleme würden nicht angegangen: Das Donaucenter sei ein Altbau. Die Trinkwasserversorgung entspreche schon lange nicht mehr dem Stand der Technik. Die Leitungen aus Zink seien morsch und veraltet. Kaltes Wasser gebe es längst nicht mehr. Aus der Leitung komme immer handwarmes Wasser heraus. Es fehle an den entsprechenden Dämmungen. Das kalte Wasser heize sich auf und sei eine massive Gefahr für eine Legionellen-Keimung. Die Hauseigentümergemeinschaft aber spare die Rücklagen lieber für eine Fassadensanierung auf. „Man möchte an der falschen Stelle sparen und die Miete natürlich ungekürzt kassieren.“

Kritisch sieht Mayer-Reiter den geplanten Dauereinsatz von Chemikalien gegen die Legionellen. Der werde an der baulichen Situation überhaupt nichts verändern. Der Eigentümergemeinschaft und der Hausverwaltung gehe es im Moment nur darum, das „selbst verschuldete Duschverbot“ möglichst schnell wegzubekommen. Mayer-Reiters Fazit: „Der massive Einsatz von Chemikalien ist keine Dauerlösung.“ Der Sprecher der Hauseigentümergemeinschaft ist derzeit nicht zu sprechen. Er ist im Urlaub.

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Das Neu-Ulmer Donaucenter

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