Dritter Todesfall durch Legionellen
Ulm/Neu-Ulm. Drei Menschen sind mittlerweile in Ulm an den Folgen von Legionellen-Infektionen gestorben. Insgesamt sind jetzt 52 Fälle nachgewiesen. Noch immer suchen die Behörden nach der Infektionsquelle.
Eine mit Wasser betriebene Kühl- oder Trocknungsanlage eines Betriebes am Rande der Stadt könnte die Quelle für die mysteriöse Serie von Legionelleninfektionen in Ulm und Neu-Ulm sein. Auch gestern vertraten die Gesundheitsämter sowie die Landesgesundheitsbehörden diese Hypothese - obwohl auch die Untersuchungsergebnisse von Trinkwasserproben noch ausstehen.
Das kontaminierte Wasser, das in den so genannten Rückkühlwerken bei Temperaturen von 30 bis 40 Grad Celsius entsteht, könnte in den ersten Tagen des Jahres in die Luft aufgestiegen und vom Wind ins Stadtgebiet getragen worden sein, sagte Christiane Höller vom bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit während einer Pressekonferenz im Landratsamt in Ulm. In der Niederländischen Hauptstadt Amsterdam habe es im Jahr 2006 einen ähnlich gearteten Fall gegeben.
Wie Doris Reick vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg ausführte, können derartige Wolken mehrere Kilometer weit durch die Luft ziehen, bevor sie sich auflösen. Reick betonte zudem, dass Legionellen auch bei Minustemperaturen über einen längeren Zeitraum überleben können. "Die Bakterien brauchen zwar 25 bis 30 Grad, um sich zu vermehren, halten sich dann aber mehrere Tage in der Kälte."
Entgegen ersten Beteuerungen, die infizierten Patienten wohnten über die Stadtgebiete von Ulm und Neu-Ulm verteilt, machten die Behörde gestern auf Nachfrage doch noch eine Einschränkung. Bürger aus Ulmer Vororten haben sich bis auf eine Ausnahme offensichtlich nicht angesteckt. Die "Infektionsschneise" beginnt demnach in Söflingen und zieht dann von der Weststadt über die Kernstadt bis zur Neu-Ulmer Stadtmitte. Auch ein Mann aus dem Landkreis Esslingen ist an einer Legionelleninfektion erkrankt, berichtete der stellvertretende Alb-Donau-Landrat Hartmut Melzer. Er hatte sich Anfang vergangener Woche zum Umsteigen für kurze Zeit am Ulmer Hauptbahnhof aufgehalten.
Eine weitere Frage ist, ob die Infektionsquelle überhaupt ermittelt werden kann. Es sei möglich, dass die Dunstwolke eine einmalige Erscheinung gewesen und die verursachende Anlage längst schon wieder gereinigt sei, sagte Reick.
Nachdem ein Polizeihubschrauber am Sonntag das Stadtgebiet von Ulm und Neu-Ulm mehrere Stunden lang überflogen und Filmaufnahmen von Nasskühlanlagen auf Dächern gemacht hatte, haben die Gesundheitsbehörden gestern mit der Entnahme von Proben begonnen. Von den 40 bis 50 in Frage kommenden Betrieben sei bereits ein Drittel "bepropt", berichtete Bertram Eberhardt vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Ein weiteres Drittel komme nach jetzigem Erkenntnisstand nicht als Verursacher in Frage. Bis aussagekräftige Laborergebnisse vorliegen, dürften allerdings mindestens acht Tage vergehen. Legionellen wachsen langsam und sind deshalb nur in einem komplizierten Verfahren nachweisbar.
Auch wenn sich die Zahl der Todesfälle mittlerweile auf drei erhöht hat und es sich beim jüngsten Opfer erstmals um einen Mann im mittleren Alter und nicht um einen Hochbetagten handelt, ist nach Angaben von Uni-Klinik-Sprecher Jörg Portius eine "Beruhigung" bei den Patientenzahlen zu verzeichnen. 52 Infektionen verzeichneten die Gesundheitsbehörden in Ulm und Neu-Ulm gestern, am Tag zuvor waren es 43. "Die neuen Fälle sind alte Fälle, die erst jetzt publik geworden sind", sagte Portius. Mit einer exponentiellen Zunahme der Erkrankungen sei zwar nicht zu rechnen, dennoch sei die Uni-Klinik auf höhere Patientenzahlen eingestellt.
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Autor: CHRISTOPH MAYER | 12.01.2010
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Ulm und Neu-Ulm In den Laboren der Landeswasserversorgung in Langenau begannen Mitarbeiter mit der Untersuchung von Kühlwasser aus Ulmer Betrieben. Bis feststeht, ob Proben mit Legionellen verseucht sind, dürften wegen des komplizierten Nachweisverfahrens aber wenigstens acht Tage vergehen.
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