Leder oder Strick, Kaschmir- oder Seidenfutter: Händchen für Handschuhe

Handschuhe sind ein modisches Accessoire und schützen vor Kälte. Die Auswahl ist riesig, die Unterschiede sind es auch. Andreas Rank erklärt, wie man für jede Hand den passenden Handschuh findet.

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Leder oder Strick? Wenn es so einfach wäre! Es gibt Handschuhe aus Lamm-, Hirsch- oder besonderem Schweinsleder, Lammfell, gestrickter Wolle, gewalkter Wolle, mit Futter aus Seide, Wolle oder Kaschmir, ohne Futter - je nachdem, wie warm es sein soll. Auch sonst gibt es einiges zu bedenken.

Die Form: Fäustlinge sind wärmer als Fingerhandschuhe, aber auch unhandlicher. Am wärmsten sind Lammfell-Fäustlinge, sagt Andreas Rank, Inhaber der Fachgeschäfte Rank in der Walfischgasse und Rank socks & more am Münsterplatz. "Die Faustregel ist: je dicker, desto wärmer." Doch auch Fingerhandschuhe können schön warm halten. Dafür sorgt das Innenleben.

Das Futter: Kaschmir ist etwas wärmer als Wolle und bietet ein besonderes Tragegefühl: weicher und anschmiegsamer. Reine Seide sei etwas ganz Feines, sagt Rank. "Sie hat eine gewisse natürliche Klimafunktion, einen guten Griff und passt auch für Übergangswetter." Manche streifen sich ungefütterte Lederhandschuhe über. Sie sitzen wie eine zweite Haut. Anfangs ist deshalb das Reinschlüpfen nicht leicht, bis sich das Leder ausgedehnt hat. Sie bieten den besten Griff und schützen dennoch die Haut - nicht zu unterschätzen bei Grippewetter.

Das Leder: Am meisten verwendet wird Lammnappa. Und zwar vom Haar-, nicht vom Wollschaf. "Das Haarschaf liefert feines Leder, das sich der Hand und den Bewegungen sehr gut anpasst", erklärt Rank. Das feine Leder eignet sich auch für elegante Handschuhe. Wer es robuster und sportlicher mag, greift zu Hirschleder. Die edelste Ledervariante ist Peccary. Es stammt vom südamerikanischen Halsband-Peccary, wilden Schweinen. "Es ist am weichsten und robustesten."

Die Qualität: Bei Handschuhen sind Qualitätsunterschiede groß. In jeder Beziehung: Material, Schnitt, Passform, Futter, Verarbeitung. Billige Handschuhe werden mit einer Schablone aus dem Leder gestanzt, eine Vorderseite, eine Rückseite, sagt Rank. Hochwertige Handschuhe setzen sich dagegen aus bis zu 22 Teilen je Paar zusammen. Um einen guten Handschuh herzustellen, sei handwerkliches Können und Erfahrung nötig. Es steckt sehr viel Handarbeit darin. Einen hochwertigen Handschuh erkennt man auch am Innenleben, an Nähten und Verarbeitung. "Der Blick nach innen lohnt sich." Ein Beispiel: Wie ist das Futter fixiert? Mit einer feinen, akkuraten Naht oder mit großzügigen einzelnen Stichen? Auch das Futter selbst gibt Aufschluss über die Qualität. Kaschmir ist nicht gleich Kaschmir. "Günstiges ist oft locker verstrickt und dünn. Es wärmt nicht gut, es hält nicht gut."

Die Pflege: Wie lange ein Handschuh in Form bleibt und schön aussieht, hängt auch von der Pflege ab. Rank empfiehlt, die Handschuhe nach jedem Tragen in Form zu ziehen: mit der Oberseite nach unten legen, Finger auf die Finger, Daumen auf den Daumen, und mit der anderen Hand leicht ziehen. Wenn sie mal nass geworden sind, sollten sie niemals auf der Heizung getrocknet werden. "Das macht das Leder hart und brüchig. Die Hitze entzieht Feuchtigkeit." In Form gezogen und liegend sollten Handschuhe auch den Sommer verbringen, "und nicht in einer Jackentasche". Ein bisschen Krumpeln, wenn man kurz ins Café oder ins Kaufhaus geht, halten hochwertige Handschuhe aber schon aus.

Imprägniersprays oder spezielle Pflege seien nicht nötig. "Ein guter Handschuh ist vorimprägniert, oft schon bei der Gerbung des Leders." Rank empfiehlt, am besten nichts an den Handschuhen zu machen. "Wenn bei einem so feinen Leder Pflegeprodukte aufgetragen werden, verstopft das die Poren."

Die Passform: Ein Handschuh darf weder zu eng noch zu weit sein, und an den Fingern nicht zu kurz. Denn durchs Tragen weitet sich das Leder, die Finger werden etwas kürzer. Seine Handschuhgröße zu wissen, heißt aber nicht, dass jedes Modell automatisch passt. Der eine Hersteller schneidert eher breit, der andere für schmale, zierliche Hände, der nächste für längere Finger. Es hilft nur eins: probieren. Die Firma Rank hat früher selbst Handschuhe hergestellt. Zu Beginn, in den 50er Jahren, importierte das Unternehmen Handschuhe aus Frankreich. Anfang der 60er Jahre kam dann die Handschuhmanufaktur dazu, erzählt Rank. Als 1976 die beiden Läden eröffnet wurden, wurde die Manufaktur eingestellt. Andreas Rank leitet die Firma in der zweiten Generation.

Zu Beginn der Saison hat er rund 3000 Paar Leder- und 4000 Paar Strickhandschuhe im Sortiment. Die Auswahl ist groß, auch wegen der vielen unterschiedlichen Größen, Farben, Schnitte. Die meisten Menschen besitzen mehr als ein Paar Handschuhe: farblich passende zu diversen Schals, kürzere für Daunenjacken mit engen Bündchen, längere für Mäntel mit etwas weiteren Ärmeln, dickere fürs Spazierengehen, elegantere. . .

Bei so viel Wechsel greifen viele auch zu Strickhandschuhen. Sie sind günstiger als welche aus Leder, und sie bieten auch viel Auswahl. Und wer sich gar nicht entscheiden kann: Es gibt auch Handschuhe aus Materialkombinationen.

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