Leberkäse-Weltrekord, Tag der Rose und Antikmarkt in Ulm

Außer dem Leberkäse-Weltrekord gab es vielerlei Schönes in Ulm am Wochenende: Zum Beispiel den Rosen- und Antikmarkt. Nur das Wetter traf nicht ganz den Geschmack.

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    Abwechslungsreich wie das Wetter am Wochenende waren auch die Veranstaltungen in Ulm: Leberkäse-Weltrekord, Rosen- und Antikmarkt, Infoveranstaltung des Vebu und Münsterlauf. Foto: 
  • Ausholen und zuschlagen: Auch das ist eine Übung, die Oberbürgermeister Gunter Czisch beherrschen muss. 2/2
    Ausholen und zuschlagen: Auch das ist eine Übung, die Oberbürgermeister Gunter Czisch beherrschen muss. Foto: 
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„We are the Champions“ intonierte „Live on Stage“ am Sonntag kurz nach 11.30 Uhr auf der Bühne zwischen Saumarkt und Fischerplätzle am Ulmer Donauufer. Der längste, am Stück gebackene Leberkäse der Welt war fertig gebacken,  vom Organisator des nunmehr 40. Zunftschmauses, Raimund Hörmann, und dem Ulmer OB Gunter Czisch angeschnitten und die ersten Portionen waren verteilt. Nun hält Ulm den Leberkäse-Weltrekord, denn dieser ist so lang wie das Münster hoch ist: 161,53 Meter.

Mit großem Aufwand hatten  Hörmann und seine Mitstreiter von der Metzgerinnung dieses Spektakel organisiert: 1,3 Tonnen Brät von 13 Schweinen wurden am Samstag in Hörmanns Metzgerei in Söflingen hergestellt und am frühen Sonntag in die lange Form gefüllt. 66 mit Gasflaschen befeuerte Wurstbräter sorgen dafür, dass sich das Wasserbad erhitzen und das Brät garen konnte.

Die vielen Menschen am Donauufer waren begeistert, zückten Handys und Fotoapparate um das Halligalli auf der Partymeile  festzuhalten. „Eine nette Idee, die gut zu Ulm passt, das eine verrückte Stadt ist“, sagte Nina Sennhenn (27) aus Neu-Ulm. „Gigantisch, was die hier machen“, befand Andrea Rauch. Und geschmeckt hat das Ganze auch noch: „Saugut!“, sagte der vor seiner Portion im Zelt sitzende Hans Höchsmann aus Pfaffenhofen.

Hätte man nur etwa zwei Zentimeter dicke Stücke geschnitten, wären es um die 13.000 Portionen im Semmel (2,50 Euro) oder auf dem Teller mit Kartoffelsalat (5,90 Euro) gewesen. Aber der Leberkäse wurde auch als Münsterbaustein verkauft – 10 bis 50 Zentimeter lang für 12 bis 40 Euro. Der Erlös soll dem Münster zu Gute kommen, und am frühen Abend war der ganze Leberkäse verkauft.

Nachdenken bevor man den Mund aufmacht und etwas reinschiebt – das fordert der Vegetarierbund, der den  Bürgern am Sonntag eine Alternative zum Leberkäse bieten wollte. Dass der Weltrekord den Metzgern gelingen würde, war keine Frage für Markus Barth, Organisator der Veranstaltung auf dem Hans-und Sophie-Scholl-Platz: „Technisch ist heute alles möglich. Es bleibt die Frage: Warum müssen dafür Tiere sterben?“  Dass Vegetarier und Veganer kulinarisch mithalten können, war an den zufriedenen Gesichtern der Besucher zu sehen: Rosmarinkartoffeln und gebratene Pilze etwa, mundeten vorzüglich. Nebenbei klärten die vielen ehrenamtlichen Helfer die Passanten über die umweltschädlichen Folgen der Massentierhaltung auf, ohne zu missionieren. „Fleischfrei leben ist ein Gewinn“, sagte eine junge Frau.

Weniger zufrieden waren die Händler des Antikmarktes am Samstag. „Ulm und Regen – das passt nicht“, meinte Marktbeschicker Reinhard Hertl, der  sich auf Glasstücke, Trachtenschmuck und Knöpfe spezialisiert hat.  Was er damit meinte, war ersichtlich: Es fehlte schlicht an Kundschaft an diesem Tag. Wo normalerweise Leute bis aus München kommen, um stilvolle Gläser, Möbel, Schmuck, Uhren und Gartenzubehör aus Omas Zeiten zu finden, herrschte kaum Betrieb. Der Regen schien den Ulmern die Kauflaune zu verderben und den Händlern folglich den Umsatz: „Hier regnet es immer“, sagte eine Heilbronner Händlerin gereizt. Sie sei das letzte Mal in Ulm gewesen. Die etwa einstündigen regenfreien Perioden nutzten wenigstens Touristen aus Österreich und China, um sich umzuschauen und ihren Spaß zu haben: „Aha, das ist also ein Wasserglas bei euch. Bei uns reicht das gerade so für einen Schnaps“, sagte eine ältere Österreicherin lachend zu einer Verkäuferin.

Beim Tag der Rose auf dem südlichen Münsterplatz hingegen herrschte geradezu beschwingte Stimmung. „So ein Wetter kümmert die Besucher des Rosenmarktes nicht“, sagte Martina Mader, Geschäftsführerin von Procute-Kosmetik, die sich auf englische Rosenkosmetik spezialisiert hat. Seit 17 Jahren nehme sie an dem Markt teil „und Regen hier hat dem Umsatz noch nie geschadet. Die Leute sind einfach gut drauf“. Vielleicht liegt das ja an dem unbeschreiblichen Duft, der den ganzen Markt durchzieht. Einerseits ein Produkt der vielfältigen Rosen und anderer Pflanzen. Andererseits sorgten Puder, Parfums, Cremes, Seifen, süße Kuchen und Bowlen aus und mit Rosen für die sinnlich schöne Atmosphäre. Ergänzend gab es Stände wie den von Andrea Klock und Cornelia Schall – beide zum ersten Mal dabei – die unter anderem selbst designte Kleider und Loops sowie Gefilztes und lange Ketten mit Blumenblüten aus verschiedenen Materialien verkauften: „Das ist so apart“, sagte eine Frau und legte sich eine Rosenbrosche und eine Rosenkette zu. „Der Stand ist super, um auf sich aufmerksam zu machen“, sagte Andrea Klock, die ein Geschäft in der Pfauengasse hat. Genauso sieht das auch Christina Schlumberger, die ihr Atelier Rexrana in Böfingen mit selbst geschneiderten Kleidern und gefertigten Hüten präsentierte.

Wer Rosen kaufen will – und das waren viele – wurde gut beraten. So kennt sich etwa Rudolf Gerster von der Baumschule Scheerer in Albeck bestens aus bei Rosenkrankheiten. Und er weiß auch, was beim Kauf von Rosen neben Farbe und Widerstandsfähigkeit wirklich zählt: „Der Duft.“

Zweimal zwei Schläge: Czisch lässt’s zischen

Platzregen Am Samstag pünktlich um 11 Uhr, als der Ulmer OB Gunter Czisch das erste Fass Bier beim 40. Zunftschmaus anstechen wollte, schüttete es aus Gießkannen. Die wenigen Menschen, überwiegend Stadträte und andere Offizielle, suchten Schutz im Zelt oder unter den Schirmen. „Passt doch“, sagte CDU-Stadtrat Bertram Holz, „Sauwetter zum Saumarkt.“

Zweimal zwei Schläge Auch wenn Ivo Gönner nicht mehr Ulmer OB ist, so ist er doch in vielen Köpfen, auch seines Nachfolgers omnipräsent: Er wisse nicht, ob er sich jetzt anstrengen solle oder nicht, sagte Czisch. Gönners Rat: Den Menschen würde besser gefallen, wenn ein OB viele Schläge bei Fassanstich brauche. Nun, Czisch wählte den Mittelweg. Nach zwei Schlägen wackelte der Hahn noch, nach zweimal zwei Schlägen, zischte es.  Allerdings war in den ersten Gläsern mehr Schaum aus Bier. Was nicht heißen soll, dass Czsich ein Schaumschläger ist.

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