Leben mit dreifacher Last

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Die Aktion 100 000 und Ulmer helft unterstützt hilfsbedürftige Menschen.  Foto: 

Zurzeit kommt es vor, dass Ute S. (Name geändert) Lichtblitze sieht und fürchterliche Kopfschmerzen hat. Sie wird demnächst einen Neurologen aufsuchen. „Wenn wir einen Krankheitstopf geschlossen haben, geht ein anderer Deckel hoch“, sagt Familienhelferin Karin Sahre.

Seit fünf Jahren betreut sie Ute S., die unter anderem an Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion und rheumatischen Beschwerden leidet. Karin Sahre wundert sich nicht wirklich darüber, denn die alleinerziehende Mutter eines elfjährigen geistig behinderten Sohnes konnte sich seit dessen Geburt keine Auszeit gönnen. Einmal war sie zusammen mit Aaron (Name geändert) in Kur, „und kam genauso kaputt zurück, wie sie hingegangen ist“, berichtet die Familienhelferin. Sie ist auch Ansprechpartnerin bei allen Alltagssorgen und wie eine Freundin für die 51-Jährige, die außerhalb ihrer Arbeitsstelle kaum Kontakte hat. Denn vor und nach der Arbeit ist sie für Aaron da, der für sein Alter recht groß, aber geistig weit zurückgeblieben ist.

Im Aufschnaufhaus, in dem   behinderte Kinder zur Entlastung der Eltern ein paar Tage oder Wochen verbringen dürfen und das ihr sehr zugesagt habe, konnte Aaron nicht aufgenommen werden, weil er nicht ohne Mama schlafen will, berichtet Ute S.  Also übte sie mit ihm, dass er allein einzuschlafen lernt. Als sie es fast geschafft hatten, bekam der Junge nachts epileptische Anfälle. Die seien auch durch Medikamente nicht zu vermeiden, weil der Junge die Tabletten nicht unzerkaut schlucken kann und so der Wirkstoff nicht wie gewünscht langsam freigesetzt wird.

Also schlafen Mutter und Sohn wieder gemeinsam in Aarons Zimmer im großen Bett, das allmählich aus dem Leim zu gehen droht. Ein neues wäre dringend nötig, aber das ist im Budget nicht drin, sagt Ute S. Wenn das Kind sich nachts zu sehr ausbreitet, legt sie sich auf die Matratze neben dem Bett.

Aber sie habe auch Glück, sagt die 51-Jährige, die trotz ihrer Krankheiten und der immensen Belastung immer wieder ihr fröhliches Naturell durchscheinen lässt. Seit 18 Jahren arbeite sie in der selben Firma, wo sie für ihre Situation stets Verständnis gefunden habe. Als ihre Mutter schwer erkrankte, konnte sie erstmals die Arbeitszeit reduzieren und noch weiter herabsetzen, weil Aaron sie immer mehr braucht. Besonders kritisch sind aber nach wie vor die Schulferien. Je zwei Wochen konnte sie in den letzten drei Sommern abdecken, weil ein Sozialarbeiter angeregt hatte, Aaron ins Ruhetal anzumelden. Da fühlte sich der Junge mit dem sonnigen Gemüt pudelwohl.

Doch für etliche der übers Jahr verteilten Ferienwochen reicht ihr Urlaub nicht. Dafür würde sie sich eine Unterstützung wünschen. Sie hat Anspruch auf Verhinderungspflege, aber eine geeignete Hilfe zu finden sei schwierig. Sie benötige eine Betreuerin, die auch zwischendurch mehr oder weniger spontan einspringen könne, zum Beispiel wenn Arztbesuche oder Einkäufe anstehen – oder für ein bisschen Freizeit. Sich die zu gönnen und zu gestalten, muss sie allerdings erst wieder lernen. Weil sie sich jahrelang gezwungen sah, sich mit ihrem Kind zurückzuziehen, scheut sie Gruppen und Menschenansammlungen. „Da bekomme ich gleich Panik“, sagt Ute S., die sich eine „Ersatzoma oder eine Ersatztante“ für Aaron wünschen würde.

Unmittelbar spenden: Wer Ute S. und ihren Sohn Aaron unterstützen möchte, notiert auf der Überweisung unter Verwendungszweck Ute S.

Aktion 100 000 und Ulmer helft Spendenkonto:

Ulmer Volksbank

IBAN DE79 6309 0100 0002 3640 18

BIC ULMVDE66

Sparkasse Ulm:

IBAN DE47 6305 0000 0000 1000 03

BIC SOLADES1ULM

Telefon: 0731 156-201

E-Mail: aktion100000@swp.de

Online: www.aktion100000.de

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