Lange her und doch vertraut

An der Donau wurde er geboren, an der Donau hat er 20 Jahre gelebt - allerdings in Wien. Nun ist der gebürtige Ulmer in Deutschland zurück: Als Direktor des Museums Brandhorst in München.

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  • Achim Hochdörfer betreut als Museumschef unter anderem Cy Twomblys Lepanto-Zyklus. Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen 1/2
    Achim Hochdörfer betreut als Museumschef unter anderem Cy Twomblys Lepanto-Zyklus. Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen
  • Hochdörfers neuer Arbeitsplatz im Münchner Museumsquartier, das Museum Brandhorst. Foto: dpa 2/2
    Hochdörfers neuer Arbeitsplatz im Münchner Museumsquartier, das Museum Brandhorst. Foto: dpa
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Ein bisschen schwäbeln könne er noch, behauptet Achim Hochdörfer. "Und Spätzle mit Soße esse ich immer noch sehr gerne", meint er verschmitzt lächelnd. Den Hauch von Schmäh, den singenden Ton in der Stimme, seine leichte Ironie hat der Mann sich aber eindeutig woanders abgeguckt - zwanzig Jahre lang hat er in Wien gelebt.

2013 ist der Kunsthistoriker nach Deutschland zurückgekehrt, um einen Traumjob anzutreten. Nach Jahren als Kurator am Wiener Museum Moderner Kunst ist Hochdörfer seit November der neue Direktor des Münchner Museums Brandhorst, als Nachfolger von Armin Zweite. Und von hier aus ist es gar nicht mehr weit zu den familiären Wurzeln, denn geboren wurde der Kunsthistoriker 1968 in Ulm.

Sein Vater sei damals bei der IHK gewesen, gewohnt habe die Familie am Neu-Ulmer Augsburger-Tor- Platz, erinnert sich Hochdörfer. "Natürlich bin ich als Kind immer das Ulmer Münster hinaufgestiegen." An den Blick auf die "verspielte Altstadt" erinnert er sich sichtlich gern. Ansonsten deutete in der Ulmer Kindheit noch nicht viel auf seine spätere Museumskarriere hin. Seine Mutter habe die künstlerische Erziehung zwar gefördert, aber in normalem Maße, sagt der Museumsmann. Die spätere Gymnasialzeit in Augsburg, ein künstlerisch interessierter Freundeskreis brachten Hochdörfer dann "organisch" zur Kunstgeschichte.

"Mein Vater war schon dagegen, wenn auch nicht aggressiv" - im Nachhinein verständlich, meint der Mittvierziger, der inzwischen selbst verheiratet ist und zwei kleine Kinder hat. Die studienbegleitenden Existenzängste kennt wohl jeder, der eines dieser verteufelt offenen "Orchideenfächer" studiert hat. Einen "Urwald von Faszination und Sinnlosigkeit" durchgehe man da, wie Hochdörfer es so schön ausdrückt. In seinem Falle hat die Faszination glücklicherweise obsiegt. Und es ist wohl gerade die Offenheit für manche Zufälle, die Hochdörfer dahin gebracht hat, wo er heute - noch ein wenig erstaunt lächelnd - steht.

Von Augsburg und der geliebten Münchner Glyptothek verabschiedete Hochdörfer sich bald, um in Wien weiterzustudieren. Über ein Stipendium kam er nach Rom, wo er prompt den Assistenten von Cy Twombly kennenlernte, der ihn für die Mitarbeit im Atelier anheuerte. Früh schon war der Kontakt zum Twombly-Sammler Udo Brandhorst da. 2009 reüssierte Hochdörfer dann mit einer großen Twombly-Schau in Wien. Jetzt, als Museumsdirektor, ist Hochdörfer unter anderem für Werke wie den Lepanto-Zyklus im eigens dafür gebauten halbrunden Saal verantwortlich.

Natürlich wird der neue Chef erst einmal umhängen, die nächste eigene, große Ausstellung hat er für das Jahr 2015 angekündigt. Um Malerei im Informationszeitalter seit 1960 soll es dann gehen, denn Pop Art und kritische Postmoderne gehören ja zu seinen Schwerpunkten. "Die Malerei hat es geschafft, die Mechanismen, die ihren Tod herbeiführen sollten, ins Bild zu holen", sagt er. Das Bild sei "Austragungsort für Konflikte" geworden - ein Austragungsort für Diskurse soll auch sein Museum werden.

Im Foyer des Hauses will Achim Hochdörfer Veranstaltungen möglich machen, der nicht-institutionellen Szene der Großstadt eine Plattform geben, denn im Unterschied zu den Ulmer Museumsleuten ist er rundum zufrieden mit der Eingangssituation seines 2009 eröffneten, bunten Hauses: "großzügig, aber nicht monumental". So wie Hochdörfer das sagt, klingt es wie ein Leitspruch für seine Arbeit.

Nun müsse er sich "durch München arbeiten". Dass es auch in seiner alten Heimat etwas zu sehen gibt, hat er aber im Hinterkopf: "In Ulm gibt es doch diese Kunsthalle mit den tollen Stellas und Rauschenbergs", sagt er vorsichtig. Achim Hochdörfer muss ja erst einmal innerlich in Deutschland ankommen: "Es fühlt sich alles ein bisschen neu an. Wie eine Art Vorvergangenheit, fast schon eine Kindheits- und Jugenderinnerung. Lange her und trotzdem vertraut."

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