Landgericht Ulm verurteilt Netto-Diebesbande zu Haftstrafen

Einbrüche in 29 Netto-Filialen, Beute im Wert von 150.000 Euro: Ein Jahr lang zog eine Räuberbande durch Deutschland. Jetzt setzte es Haftstrafen.

|

So einen Prozess habe er noch nicht erlebt, sagte Richter Thomas Keckeisen nach der Urteilsverkündung am Landgericht Ulm. Aber nicht, weil während der Verhandlung etwas Skandalöses passiert wäre, sondern weil sich die Angeklagten von Anfang an richtig verhalten haben. "Ihre Bereitschaft zur Aufklärung der Diebstähle und ihre Einsicht, einen Fehler begangen zu haben, haben sich deutlich strafmildernd ausgewirkt. Die Geständnisse wurden tatsachengemäß und ohne Kalkül von den Angeklagten vorgebracht."

Nichtsdestotrotz lässt sich die kriminelle Energie der 21- bis 27-Jährigen nicht verleugnen. Die Strafen bewegen sich daher zwischen zweieinhalb und bis zu vier Jahren Haft. Eine der beiden an den Raubzügen beteiligten Frauen muss ihre Strafe von zwei Jahren nicht im Gefängnis absitzen und ist auf Bewährung frei. Die 21-Jährige ist allerdings zu 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit verpflichtet, davon mindestens zehn in einem Monat.

Da nicht immer alle sechs Mitglieder an den insgesamt 29 Raubzügen beteiligt waren und sie unterschiedliche Aufgaben bei den Diebstählen übernahmen, fielen die Strafen auch unterschiedlich aus. Die beiden Frauen spielten generell eine eher untergeordnete Rolle in der Einbruchsserie. Sie hatten Fluchtwagen organisiert.

Was ist geschehen? In einer Shisha-Bar im Raum Köln sind zwei Männer und eine Frau 2012 auf die Idee gekommen, in Netto-Filialen einzubrechen. Abgesehen hatten sie es auf Markenzigaretten, die sie etwas unter Wert auf dem Schwarzmarkt verkaufen wollten. Der Plan ging auf, die ersten Einbrüche gelangen. Im Laufe der Zeit gesellten sich zwei weitere Männer und eine Frau zu der Bande. Alle waren untereinander befreundet.

Die Diebstähle verliefen immer nach dem gleichen Schema: Die Bande mietete sich eine Ferienwohnung und einen Wagen, prüfte die Nähe der Discount-Filiale zu Polizeistationen und brach in der Nacht ein. Ein bis zwei standen Schmiere, die anderen hebelten eine Tür des Ladens auf oder schlugen ein Fenster ein. "Hier zeichnet sich eine sehr organisierte, durchdachte und bundesweit agierende Diebstahlserie ab", sagte Richter Keckeisen.

Nicht ganz glauben kann er deshalb, dass sich die Bande der möglichen Konsequenzen ihrer Diebstähle nicht bewusst war. "Ich habe mir das Ausmaß nicht vorgestellt", hatte einer der Angeklagten im Prozess gesagt. Ihr Raubzug führte die Bande vom 4. September 2012 bis zum 26. Oktober 2013 nach Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern. Auch in Filialen in Langenau, Beimerstetten, Tuningen und Deißlingen brachen sie ein. Geschnappt wurde die Bande in einer Ferienwohnung in München.

Alle Angeklagten nahmen ihr Urteil ruhig und relativ gefasst zur Kenntnis. "Sie sind alle auf einem guten Weg, deshalb wird bei allen der Haftbefehl bis zum Vollzug der Strafe ausgesetzt", sagte Keckeisen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Geisterfahrer sorgt für Vollsperrung der A 8 nach tödlichem Unfall

Am frühen Freitagmorgen ist es durch einen Geisterfahrer zu einem tödlichen Unfall auf der A 8 bei Leipheim gekommen. Die Autobahn in Richtung München musste für mehrere Stunden voll gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden. weiter lesen