Laichinger Amokfahrer ist voll schuldfähig

Heimtückisch habe der Laichinger Amokfahrer gehandelt, so die Anklage. Sie forderte im Plädoyer zwölf Jahre Haft. Zuvor hatte ein Gutachter erklärt, dass der 38-jährige Stalker voll schuldfähig ist.

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Für Staatsanwältin Heike Lang ist der Tathergang am 23. März klar, die vergangenen vier Verhandlungstage im Laichinger Amokfahrt-Prozess am Ulmer Landgericht - in denen der 38-jährige Angeklagte beharrlich schwieg - gaben der Staatsanwältin keinen Grund, von der ursprünglichen Anklage abzurücken: versuchter Mord in vier Fällen. In ihrem Plädoyer stellte Lang die Tat aus Sicht der Anklage nochmals detailliert dar. Demnach war der 38 Jahre alte Angeklagte am 23. März gegen 12.15 Uhr im Laichinger Wohngebiet Bussen mit seinem Auto zunächst mit hoher Geschwindigkeit auf die Tante seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau zugefahren. Dann habe er gezielt die 29-Jährige überfahren und lebensgefährlich verletzt. Dabei wurden auch ein Onkel und ein Nachbar verletzt.

Deren möglichen Tod habe er zumindest in Kauf genommen, so die Anklage - "aus Gleichgültigkeit." Seine damalige Noch-Ehefrau, die die Scheidung vorantrieb, habe er gezielt und heimtückisch töten wollen, er habe sich in seiner Ehre verletzt gefühlt. Zwölf Jahre Haft fordert die Staatsanwaltschaft für den türkischstämmigen Angeklagten.

Der Tat sei ein "fast sechsmonatiges Martyrium" für die 29 Jahre alte Frau vorangegangen, in denen der 38-Jährige sie immer wieder bedroht, bedrängt und ihr aufgelauert habe. Er wollte die Trennung auf keinen Fall akzeptieren. Und er zeigte sich resistent gegenüber sämtlichen Vermittlungsversuchen seitens der Polizei, die die Noch-Ehefrau immer wieder alarmierte, dem Familiengericht und einem türkischen Kulturverein.

Am Tattag habe er den Entschluss gefasst, seine Drohungen in die Tat umzusetzen - und seine Noch-Ehefrau zu töten, so die Anklage. Zu diesem Zeitpunkt war ein Haftbefehl gegen den Stalker auf dem Weg; der Scheidungstermin für den 29. März terminiert. Am Morgen des 23. März drohte er aus dem Auto heraus: "Heute ist dein Todestag." Wenige Stunden später krachte er mit dem Auto in die Menschengruppe. "Ich habe ihr doch gesagt, dass ich sie umbringe. Das ist meine Ehre", soll der 38-Jährige laut Zeugen danach gesagt haben.

Vor dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft hatte der Gutachter Ernst Baljer, Ärztlicher Direktor für forensische Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus Günzburg, in der Verhandlung erklärt, dass er eine Affekttat sowie "krankhafte, seelische Gründe", die die Schuldfähigkeit des Angeklagten beeinträchtigen, ausschließen könne. Das sei "ein vorsichtiges, aber klares Fazit", sagte Baljer, der sich bei der Beurteilung des Angeklagten auf seine Eindrücke aus der Verhandlung, der Beweisaufnahme und auf die Zeugenaussagen verlassen musste. Baljer wollte den Angeklagten eigentlich vor dem Prozess im Ulmer Gefängnis in Augenschein nehmen; der 38-Jährige hatte jedoch erklärt, nicht mit dem Gutachter zu sprechen, keine Angaben zu machen.

Auch in der Gerichtsverhandlung schwieg der Angeklagte. Diese wurde gestern wegen zahlreicher Anträge der Verteidiger Martin Rehfeld und Ender Karakas immer wieder für längere Zeit unterbrochen. Unter anderem setzten sich die Rechtsanwälte hartnäckig dafür ein, dass sich das Gericht in Laichingen ein Bild vom Tatort machen solle. Dort werde sich auch ihr Mandant zu den Geschehnissen am 23. März äußern. Das Gericht lehnte diesen Antrag ab - wie auch die übrigen. Man habe sich aufgrund von Fotos, Skizzen und Zeugenaussagen schon einen Eindruck verschaffen können. Die Verteidigung plädiert am 15. Oktober, 8.30 Uhr.

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