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In Klagenfurt hat Martin Mäntele ein Gastspiel mit "Highlights der Sammlung Fried" eröffnet. Das Ulmer Museum präsentiert derweil Kunst des 20. Jahrhunderts in einer neuen Dauerausstellung.

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  • Gastspiel der Sammlung Fried in Klagenfurt: Beatrix Obernosterer, die Direktorin der Stadtgalerie, und Martin Mäntele vom Ulmer Museum. Fotos: Jürgen Kanold 1/3
    Gastspiel der Sammlung Fried in Klagenfurt: Beatrix Obernosterer, die Direktorin der Stadtgalerie, und Martin Mäntele vom Ulmer Museum. Fotos: Jürgen Kanold
  • Zu den Werken der neuen Dauerausstellung im Fried-Bau des Ulmer Museums gehört August Mackes Aquarell "Mit gelber Jacke". Foto: Bernd Kegler 2/3
    Zu den Werken der neuen Dauerausstellung im Fried-Bau des Ulmer Museums gehört August Mackes Aquarell "Mit gelber Jacke". Foto: Bernd Kegler
  • Eher unauffällig: Von der Theatergasse aus gehts hinein in die Stadtgalerie Klagenfurt. 3/3
    Eher unauffällig: Von der Theatergasse aus gehts hinein in die Stadtgalerie Klagenfurt.
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In Kärnten, wo immer noch die Freiheitlichen in der Erbfolge Jörg Haiders regieren, ist morgen Wahl. Politiker lächeln von den Litfaßsäulen der knapp 100 000 Einwohner zählenden Landeshauptstadt Klagenfurt, aber ein "Erlebnis der besonderen Art" verspricht die Stadtgalerie. "Abenteuer Kunst" heißt die Ausstellung, die am Donnerstagabend ein Ulmer auf Dienstreise eröffnete: Martin Mäntele. "Highlights der Sammlung Kurt Fried aus dem Ulmer Museum" werden gezeigt. Ein aufwendiges Gastspiel. Kunst aus Ulm, auswärts bestaunenswert.

Otto Pienes "Schwarze Sonne" auf rotem Grund leuchtet werbend auf Plakaten und Fahnen, die Eingangsfront der Stadtgalerie zeigt sich jedoch noch weniger signalkräftig als jene des Ulmer Museums. Neben einem Triathlon-Shop, einem Reisebüro und der Teatro-Bar gehts von der Theatergasse aus eher versteckt in den Innenhof eines Gebäudes, das im 18. Jahrhundert als Hospital entstanden war und in dem sich heute die Gustav-Mahler-Musikschule, ein Ballettstudio und auch die Abteilung Kultur des Klagenfurter Magistrats befinden.

Im zweiten Stock breitet sich auf knapp 1000 Quadratmetern die Stadtgalerie aus. Basquiat, Giacometti, Oppenheim, Warhol, Spoerri - alte Ausstellungsplakate belegen, dass hier die internationale Moderne geschätzt wird. Und auch der zeitgenössische "Dannz", wie man in Kärnten, im südlichsten Bundesland Österreichs, sagt: Zur Vernissage rutschte zunächst mal die Tänzerin Stefanie Sternig im schwarzen Trikot vor Ellsworth Kellys "Orange Blue" auf dem glanzpolierten Holzboden herum - eine die Besucher in die Kunstbetrachtung hineinziehende Performance.

Das Ulmer Museum pflegt seit 2005 Kontakte nach Klagenfurt am Wörthersee, als die damalige Direktorin Brigitte Reinhardt für die Paul-Klee-Ausstellung "Bild-Welten" das Blatt "Städtische Komposition mit gelben Fenstern" aus der Sammlung Fried ausgeliehen hatte. "Das war die Vorhut, jetzt kommt der Rest", sagte denn auch Kurator Martin Mäntele, Leiter des Ulmer HfG-Archivs und Spezialist für die Sammlung Fried, in seiner informativen wie eloquenten und pointierten Einführungsrede. Die Wiener Agentur Ponte (Organisation für kulturelles Management) hat das Ausstellungsprojekt eingefädelt und nach Klagenfurt vermittelt - eine zweite Station der reisenden Sammlung Fried im Frühjahr 2014 ist geplant.

"Der Rest": Das sind 81 Werke der Sammlung Fried in drei langgezogenen, in der Mitte jeweils durch eine Stellwand gebrochenen, fensterlosen Räumen - nicht gerade modern, aber solide und vor allem, im Gegensatz zum Fried-Bau des Ulmer Museums, klimatisiert. Von der Klassischen Moderne (darunter Oskar Schlemmers "Männliche Figur nach rechts") über die Farbfeldmalerei eines Morris Louis, den abstrakten Expressionismus eines Antoni Tàpies ("Triangulo"), Zero, Pop Art bis zur "Expansion der Kunst" mit Objekten nicht nur von Sol LeWitt. Von den Highlights der Sammlung Fried fehlen eigentlich nur der Mark Rothko (der in Dresden gefragt ist) und heikel zu transportierende Arbeiten von Heinz Mack oder Jean Tinguely.

Das ist ein Querschnitt durch die internationale Kunstgeschichte der 1950er bis 1980er Jahre, dem das Publikum jetzt auch jenseits Ulmer Grenzen fasziniert begegnet. Die Klagenfurter Ausstellung folgt dem vertrauten Ulmer Parcour, das Katalogbuch ist jene umfassende Publikation, die 1999 anlässlich der Eröffnung des Erweiterungsbaus für die Sammlung Fried erschienen ist.

Den Besucher empfängt in der Stadtgalerie eine weiße Wand, auf der, wie sollte es anders sein, Gerhard Richters in aller Deutlichkeit unscharf gemaltes Doppelporträt von Kurt Fried und Hans Jürgen Müller hängt. Große Text-Bild-Tafeln informieren über die Biografie des Zeitungsverlegers, Kritikers und Sammlers Kurt Fried und sein studio f. Noch weitaus greifbarer stellte Martin Mäntele den für Kunst streitenden Menschen vor, als einen Mäzen im besten Sinne: "Er hatte immer Geld für eine Tankfüllung" - und Gespür für Künstler, die später zu den "Big Names" gehörten. Damit blieb Klagenfurts Vizebürgermeister Albert Gunzer bei der Vernissage, über die auch Österreichische Fernsehen (ORF) berichtet, nur noch zu sagen, dass es Persönlichkeiten wie Fried bedürfe, die sich "mit Herzblut" um die Kultur verdient machen. Er freue sich "riesig" über die "perfekt organisierte" Ausstellung. Und die Besucher freuten sich auch: "Des gfallt mer scho" - zum Beispiel Armans "Violine".

Die Ulmer müssen jetzt natürlich keine sechs Stunden Bahnfahrt nach Klagenfurt auf sich nehmen - sie sollten allerdings Zeit haben für eine sehenswert neu gestaltete Dauerausstellung im ersten und zweiten Obergeschoss des Fried-Baus. Das Ulmer Museum hat die Gelegenheit genutzt, dort mal andere Werke des 20. Jahrhunderts aus den Sammlungsbeständen zu zeigen, nicht zuletzt hoch empfindliche Grafikarbeiten von Munch, Klee, Picasso und anderen; und eine Wand ist allein für August Mackes Aquarell "Mit gelber Jacke" reserviert.

Angelika Bauer, die scheidende Volontärin des Museums, hat diese Dauerausstellung ausgezeichnet kuratiert: die Arbeiten nicht didaktisch geordnet, sondern in spannenden Themenräumen gebündelt. "Aktdarstellung", "Landschaft" oder "Künstlergruppen" sind anregende Schlagwörter, auch "Faszination Farbe" und "Stofflichkeit".

Und elegant weist Kunsthistorikerin Angelika Bauer den Weg zum Sammler Kurt Fried: Im Bereich "Künstler/Porträt" hängt zentral Albert Unselds Ölgemälde des jungen Mannes von 1928. Im zweiten Obergeschoss folgt dann auch das, was Fried in späteren Jahren sammelte: nicht zuletzt Joseph Beuys "Schlitten" und Jean Tinguelys "Federwisch". Selbst Panamarenkos Zweiflügelapparat "Meganeudon II" wurde wieder zum Laufen gebracht.

Dass sich das Ulmer Museum erstmals "von einem Kernbestand" der Sammlung getrennt habe, sagte Martin Mäntele in der Stadtgalerie Klagenfurt. Wohl wahr. Um so beeindruckender, was die Ulmer spielend an Moderne noch so alles im Angebot haben.

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