Kunst verbindet, Essen auch

Menschen zusammenbringen, Ängste abbauen, das ist Ziel des türkischen Vereins Ebru. Das gelingt am besten über Kultur und Kunst, aber auch beim Essen. Im Ramadan hat Ebru zum Fastenbruch eingeladen.

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Bevor es ans Fastenbrechen geht, gibt es Musik auf der Saz zu hören, dargeboten von Lehrer Sinan Parlak und einer seiner Schülerinnen. Foto: Oliver Schulz

21.13 Uhr, Sonnenuntergang - das bedeutet endlich essen. Seit einer Dreiviertelstunde duftet es bereits verführerisch in den Vereinsräumen von Ebru in der Ensingerstraße 50. Den Gastgeber allerdings, die immerhin seit Sonnenaufgang nichts mehr gegessen haben, scheint das viel weniger auszumachen als den Gästen, die an diesem Abend zum "Iftar", dem täglichen Fastenbrechen während des Ramadan, eingeladen sind. Zumindest kann man nicht umhin, zu den Köstlichkeiten hinüberzuschauen, die auf dem Buffet warten.

Dabei geht es gar nicht in erster Linie ums Essen und auch nicht um Religion, sagt der erste Vorsitzende von Ebru, Ertan Altintas. "Das ist einfach eine gute Gelegenheit, sich kennenzulernen." Gekommen sind Lokalpolitiker, Mitarbeiter der Stadt, zwei Polizisten und andere Bekannte der Vereinsmitglieder, die Tische sind bunt gemischt, um Grüppchenbildung vorzubeugen. "Wir wollen Hemmungen auf beiden Seiten abbauen", ergänzt Feride Altintas.

Zusammenfinden, ins Gespräch kommen, das hat sich der Verein auf die Fahnen geschrieben. Vor vier Jahren hat ihn Ümit Tuncer mitbegründet, der heute die Ehrenposition des "Generalsekretärs" innehat. "Ich bin einfach Mädchen für alles", meint er. "Und wir konnten ihn ja schlecht ,Sekretärin nennen", ergänzt Altintas grinsend. Um etwaige Macho-Gedanken gleich wieder im Keim zu ersticken: Die zweite Vorsitzende des Vereins ist eine Frau, Gülay Cekmeci.

"Wir wollten einen Verein, der für die kulturelle Bildung der Ulmer da ist", erklärt Tuncer. Und ergänzt: "Bei uns darf man religiös sein, oder auch nicht." Tatsächlich ist bei Ebru "Kultur" nicht nur Beiwort, sondern macht den Verein aus. Schon die Buchstaben des Namens stehen nicht nur für die Worte "Erziehung", "Bildung", "Religion" und "Unterstützung von interkulturellem Dialog". Ebru bezeichnet außerdem die traditionelle türkische Marmorierkunst.

Ehrensache, dass der Verein selbige Malkunst auch als Kurs anbietet. Iknur Ciyanoglu, die in der Türkei Kunst studiert hat, unterrichtet nicht nur in Ebru, sondern auch in der typisch arabischen Ornamentmalerei. Dazu gibt es Unterricht in Saz, einer Langhalslaute, und Ney, einer orientalischen Flöte. Um die passenden Lehrer zu finden, hat der Verein einige Hebel in Bewegung gesetzt, gerade für die Ney war das nicht einfach. "Burhan Baykat kommt extra aus Schwäbisch-Gmünd hergefahren", sagt Altintas. "Nur für Geld würde das keiner machen, er ist mit dem Herzen dabei."

Mit ihrer Kunst gehen die Ebru-Mitglieder dabei regelmäßig nach außen, etwa in verschiedene Seniorenheime. Auch am Abend des Fastenbrechens ist eine Kostprobe von Musik und Malerei zu hören und zu sehen. Was dann doch von den Essensdüften abgelenkt hat. Zumindest bis 21.13 Uhr. Nach Sonnenuntergang wird das Fasten traditionell mit getrockneten Datteln und Suppe gebrochen, dann geht es ans Buffett. Angesichts von Salaten, Linsen- und Hackfleischbällchen, Kichererbsen oder Börek muss man allerdings aufpassen, den Teller nicht zu voll zu häufen. Wäre ja peinlich, wenn man ohne Fasten mehr isst, als die Gastgeber, die sich nur kleine Portionen aufladen . . .

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