Kunst in Behördenfluren

Die Flure im ersten Stock des Landratsamts in Ulm ähneln einer Galerie. 104 Bilder sind dort ausgestellt. "Faktor Farbe" heißt die Ausstellung, die Landrat Heinz Seiffert vor zahlreichen Besuchern eröffnet hat.

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Vernissage als Familienereignis: Zur Eröffnung von "Faktor Farbe" kamen gestern viele Verwandte und Freunde der Künstler ins Landratsamt. Foto: Volkmar Könneke

Selbst wenn alle 62 Kreisräte anwesend sind, um die zehn Vertreter der Kreisverwaltung sowie einige Mitglieder des Personalrats: Der große Sitzungssaal im Landratsamt ist nie so voll wie gestern Vormittag bei der Eröffnung der Kunstausstellung "Faktor Farbe". Offenbar waren viele Familienmitglieder und Bekannte der acht Künstlerinnen und des Künstlers mitgekommen, deren Werke bis zum 16. Juli in der ersten Etage des Behördengebäude an der Schillerstraße ausgestellt sind.

Landrat Heinz Seiffert zeigte sich überrascht angesichts der "Vielseitigkeit der Stile und Motive". Insgesamt 104 Bilder aus dem Schaffen von Else Geipel, Sonja Goller, Margit Locher, Ingeborg Mack, Caritt Reichl, Gertrud Sander, Alojzija Stupar und Hans Holl sind in der Ausstellung zu sehen. In der Gruppe treffen sie sich seit mehr als zehn Jahren einmal wöchentlich bei der Kunstdozentin Ilse Hehn in Ulm, um zu malen und über Malerei zu sprechen. Immer wieder unternehmen sie gemeinsame Kulturfahrten. Entstanden ist die Gruppe aus einem früheren Studium-generale-Angebot der Universität Ulm.

Schönheit, sagte Ilse Hehn in ihrer Einführungsrede, lasse sich nicht erklären. Das habe auch Albrecht Dürer kurz vor seinem Tod erkennen müssen: "Aber was die Schönheit ist, das weiß ich nicht." Der Malerei wohne ein rätselhafter Zauber inne, im Bild werde die schöpferische Kraft des Malers deutlich, sagte die Kunstlehrerin. Dessen Werk müsse nicht unbedingt ein Abbild der Wirklichkeit sein, gleichwohl offenbare es, wie die Realität auf den Künstler wirke.

Landschaftsbilder, Stillleben, Blumenporträts, Abstraktes - Aquarelle, Pastell- und Acrylfarben . . . Die Motive der neun Künstler sind so unterschiedlich wie ihre Techniken. Außerdem, merkte Landrat Seiffert an, werde durch die Ausstellung deutlich: "Malen hält jung." Hans Holl, einziger Mann in der Gruppe, ist mehr als 90 Jahre alt.

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