Kultur sucht Bildung

Die Ulmer Gymnasien spüren den Lehrermangel in den künstlerischen Fächern. Wirklich darunter zu leiden haben sie aber nicht, versichern die Rektoren der sechs städtischen Gymnasien.

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Im Kunstunterricht kommen große Dinge raus - wie diese Vogelscheuche im vergangenen Jahr am Schubart-Gymnasium. Die Ulmer Gymnasien sind in den künstlerischen Fächern im Großen und Ganzen noch gut versorgt. Foto: Volkmar Könneke

Der Begriff kulturelle Bildung hat Hochkonjunktur. Alle wollen sie fördern, sei es in Form von Musikangeboten oder von Kreativwerkstätten. Die allgemeinste Form der kulturellen Bildung leistet die Schule, mit Projekten wie "Jedem Kind ein Instrument" oder die "Kulturagenten", die auf regionaler Ebene umgesetzt werden. In Ulm gibt es beispielsweise Streicherklassen an der Meinloh-Grundschule und am Kepler-Gymnasium, letzteres hat auch Bläserklassen.

Die Schule ist für die kulturelle Bildung das Fundament, das tatsächlich alle Kinder und Jugendliche erreichen kann. Nur scheint dieses Fundament wegen eines seit Jahren anhaltenden Mangels an Kunst- und Musiklehrern zu bröckeln. Wolfgang Stöhr, im Regierungspräsidium Tübingen zuständig für Bildende Kunst, spricht - bezogen auf Ulm - von "Engpässen, die sich im Rahmen halten". Im Dezember 2012 waren etwa zwei Prozent aller Unterrichtsstunden im Fach Kunst ausgefallen. "Diese zwei Prozent haben etwas mit Geld zu tun, mit individuellen Gründen wie Krankheit und Lehrerzuweisungen", sagt er.

Einer geschickten Lehrerzuweisung hat es das Anna-Essinger-Gymnasium zu verdanken, dass kein Kunstunterricht ausfallen muss: Anstatt wie üblich zwei Fächer zu unterrichten, wird das Stundenkontingent der Fachlehrer mit Kunst voll ausgeschöpft. "Es ist gerade so knapp mit Kunstlehrern, dass sie bei uns kein zweites Fach unterrichten können", sagt Schulleiter Marius Weinkauf. "Aber es fällt nichts aus."

Der G8-Lehrplan fürs Gymnasium sieht für den künstlerischen Bereich mit Musik und Bildender Kunst 18 Stunden bis Klasse zehn vor. Das entspricht umgerechnet für Kunst zwei Wochenstunden. Davon fehlen dem Albert-Einstein-Gymnasium in Wiblingen bereits zwei in der sechsten und siebten Klasse. Um genau zu sein, kann in der 6b im ersten Halbjahr nur eine Stunde Kunst angeboten werden, die 7b betrifft dieser Ausfall im zweiten Halbjahr. Die Lehrerversorgung habe das nicht zugelassen, heißt es offiziell. Da diese beiden Klassen aber bilinguale Klassen sind und ohnehin eine Stunde Englisch beziehungsweise Latein mehr haben, könne man nicht von einem Unterrichtsausfall reden. Der Stundenplan sei lediglich um eine Stunde gekürzt. "Es wird alles nach dem Bildungsplan erteilt", betont Rektor Bernhard Nagl.

Insgesamt sind die Ulmer Gymnasien sowohl mit Kunst- als auch mit Musiklehrern gut versorgt. Auch über die Förderung von Bildender Kunst kann sich die Stadt nicht beklagen, beheimatet sie doch mit dem Kepler-Gymnasium eine von sechs Schulen mit Kunstprofil im zuständigen Regierungspräsidium. Hier scheint der Ausspruch des Malers Ernst Ludwig Kirchners nicht zuzutreffen, Künstler werde man aus Verzweiflung. "Fast die Hälfte unserer Schüler sind im Kunstprofil", sagt Rektorin Brigitte Röder. Und bei den Lehrern müsse man auf keine Quereinsteiger zurückgreifen, weil dieser Weg in Baden-Württemberg schlichtweg in Kunst nicht möglich sei.

Wie viel kulturelle Bildung kommt bei den Schülern tatsächlich an? Stöhr kann dazu nichts sagen, weil Musik und Kunst in Pisa-Studien nicht abgeprüft werden und es also keine vergleichbaren Werte gibt. Was die Pisa-Studien allerdings gezeigt haben, ist, dass Schulen mit einem Kulturprofil in der Gesamtwertung überdurchschnittlich gut abschneiden. "Wenn es überhaupt ein Problem im kulturellen Bereich an Schulen gibt", sagt Stöhr, "dann findet es auf politischer Ebene statt."

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