Künstler Tommi Brem sammelt Ideen zum Münsterjubiläum

Wie feiert man ein Münsterturmjubiläum? Der Künstler Tommi Brem will die Stimmung der Ulmer ergründen. In seiner Annahmestelle im Stadthaus kann jeder Ulmer seine Ideen abgeben.

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Tommi Brem in seiner Ideen-Annahmestelle.  Foto: 

Samstagvormittag auf dem Münsterplatz vor dem Stadthaus: Im Markttreiben kann man die Ideen-Annahmestelle von außen nicht erkennen. "Ulmer Euer Münster" heißt das Projekt Tommi Brems von der Kunstfahrschule. Der 37-Jährige will erkunden, was den Ulmern zu ihrem Münster einfällt, wie sehr es zu ihrem Leben gehört und was sie sich von den Jubiläumsfeierlichkeiten zu 125 Jahren Münsterturm im kommenden Jahr wünschen. Noch bis 3. Mai ist der Schalter im Erdgeschoss des Stadthauses zwischen Tourist-Information und Juweliergeschäft geöffnet.

Neben Infobroschüren und Schmuckvitrinen steht die Theke, über die die Einfälle gereicht werden. Bisher haben 40 Interessierte den Fragebogen mitgenommen, auf dem man seine Ideen vermerken kann. Die erste Frage lautet: "Was wäre Ulm ohne Münster?" "So etwas wie Paderborn", hat einer geantwortet. Überraschend: Das Durchschnittsalter der Teilnehmer liegt bei 50 Jahren.

Ein 76-Jähriger schlug ein Konzert mit Schulorchestern vor. Ein anderer einen landesweiten Kunstwettbewerb an Schulen. Wenn die Ideen derart handfest sind, ermutigt die Ideen-Annahmestelle, sie bei der Stadt einzureichen. Die plant mehrere große Aktionen. Für lokale und regionale Projekte gibt es überdies Zuschüsse von 100 000 Euro.

Claudia W. reichte ihre Idee, die sie bei "Ulmer Euer Münster" abgegeben hatte, auch wirklich bei der Stadt ein. Sie plant eine Inszenierung zur Vergänglichkeit des Münsters. Seit dieser Woche steht deshalb ein originaler Münsterbaustein in der Ideen-Annahmestelle. Er wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgebaut und war weiterhin dem Wetter ausgesetzt. Genauso wie der Stein würde das nichtrestaurierte Münster jetzt aussehen.

Christian Greifendorf von der Kunstfahrschule will den Wochenmarkt einbeziehen: Marktstände könnten Obst und Gemüse stiften, aus denen Passanten dann Münster-Skulpturen schnitzen. Damit die Lebensmittel danach nicht weggeschmissen werden, könne man ein Essen kochen, etwa für die Tafel.

"Es ist, wie wenn man ohne Einkaufszettel auf den Markt geht", beschreibt Tommi Brem sein Projekt. Der Ausgang ist ungewiss. Doch Brem und seine drei Mitstreiter, die den Schalter betreuen, wollen Werbung machen, eventuell eine Präsentation über die Ideen - nicht nur für die Stadt, sondern auch für Unternehmen. Denn die Ideen-Annahmestelle ist kein offizielles Jubiläumsprojekt. Ziel ist nicht, alle Ideen umzusetzen - aber Tommi Brem will sie wenigstens festhalten: Er spielt mit dem Gedanken, am Ende ein kleines Buch zu veröffentlichen. "Utopisch", aber schön, wenn sich daraus ein Nachschlagewerk für die Stadtbibliothek entwickelte.

Info Die Öffnungszeiten der Ideen-Annahmestelle im Stadthaus: Mo, Do 9-12 Uhr; Die, Fr 9-18 Uhr; Mi 10-14 Uhr; Sa 9-16 Uhr.

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