Künstler Prohaska erkundete Donau im selbstgebauten Boot

Einmal mit dem Boot die Donau hinab – Rainer Prohaska hat das zwei Mal gemacht. Als Kunstprojekt mit selbstgebautem Boot.

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    Rainer Prohaska verbindet eine lebenslange Liebe mit der Donau: Geboren ist der Künstler im österreichischen Krems. Foto: 
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    „Eine 3-D-Collage“ nennt Rainer Prohaska selbst sein erweiterbares Boots-Konzept. Foto: 
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Wer lang genug auf dem Holzsteg an der Donau hockt und dem Wasser beim Fließen zuschaut, der kennt das wahrscheinlich – dass auch die Gedanken zu treiben beginnen, stromabwärts mit dem Fluss. Dann stellt man sich vor, wie das wäre, sich in ein Boot zu setzen und die Donau auf ihrer Reise ins Schwarze Meer zu begleiten. Der gemeine Sonntagnachmittagsträumer fischt die Gedanken in der Regel irgendwann wieder aus dem Wasser und stapft unverrichteter Dinge nach Hause. Rainer Prohaska hingegen hat es getan: Zwei Mal schon hat er die Donau mit einem selbstgebauten Boot befahren, ein drittes Mal ist in Planung, wie er bei der Konferenz „Kreativ Quelle“ zu Design und zeitgenössischer Kunst erzählte.

Denn Prohaska ist natürlich kein Matrose, sondern ein Künstler, und die Idee zu den Bootsfahrten entstand noch im Kunststudium an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Sein Flirt mit dem Fluss allerdings ist so alt wie er selbst. 1966 wurde er in Krems an der Donau geboren, verbrachte seine Jugend mit und auf der Donau. So romantisch wie bei Tom Sawyer und Huckleberry Finn sei das nicht gewesen, meint er, „aber das, was wir damals gemacht haben, war viel gefährlicher als die Fahrt später.“ Erst mit Mitte 30 begann Prohaska, so richtig Kunst zu studieren, dafür programmierte er schon in den früher 80er Jahren am Computer, als „einer der ersten Webdesigner Österreichs“.

Die Eltern besaßen eine Fahrschule, er selbst arbeitete zeitweise als Ballonfahrer – „angewandte Mobilität“ , wie das Fach später an der Uni hieß, war so gesehen immer gelebte Realität für ihn. Trotzdem brauchte es das Semesterthema „Mobilität“  im Kunststudium sowie zwei Donaufahrten mit Kommilitonen und ergebnislosem Brainstorming, um drauf zu kommen, „dass das Schiff das Interessante ist!“. Nur ein selbstgebautes Boot würde es zulassen, unkompliziert und flexibel Kontakt zum Ufer aufzunehmen, zu den Menschen, den Kulturen entlang der Donau. Rainer Prohaska baute „The Z-Boats“ aus drei Zillen mit Hilfe von Ratschengurten zu einem Trimaran mit Motor zusammen. „Wie ein leerer Bilderrahmen“, denn fast alles andere kam erst auf der Fahrt hinzu, die 2007 westlich von Krems begann und 500 Kilometer vor der Mündung der Donau ins Schwarze Meer endete. Zwei Monate, in denen das Schiff sich auswuchs zu einer großen „3-D-Collage“, mit Zelt und Küche und einem gelben Rohr, das wie ein Fragezeichen nach oben ragte und genau eine Funktion erfüllte:  die Frage aufzuwerfen, was das soll. Gerade die „Seltsamkeit“ des abstrakten Fahrzeugs sei seine Qualität gewesen, denn es habe die Schiffer ins Gespräch mit den Menschen gebracht, erzählt Prohaska – nebenbei bemerkt: ein „Sprach-Untalent“ erster Güte.

Damals sei das Ufer der Donau belebt gewesen, überall sei gebaut worden, „Donaukulturen im Aufbruch“ habe man beobachten können. Ganz anders bei seiner zweiten Donaufahrt im Jahr 2014, also sieben Jahre später. Damals beschloss der Künstler, die Reise zu wiederholen, denn in der Tat hatte sich viel verändert, und dem Anschein nach nicht zum Guten: „Alles ist rückläufig gewesen“, beschreibt Prohaska, was er am Ufer der Donau beobachtete. In Ungarn etwa habe man kaum noch Menschen am Flusslauf gesehen, statt dessen Ruinen, Geisterorte. „Als wäre ein Kernreaktor explodiert und wir hätten es als einzige nicht mitbekommen.“ Und auch den Rechtsruck im Land habe man deutlich gespürt, unter den kahlrasierten Jugendlichen in der Disco, die sich ärgerten, dass Orbán zu weit links stehe .?.?.

Ob im Guten oder Schlechten: Man weiß eben nie, was man vorfindet – mit Erwartungen hat Rainer Prohaska es aber sowieso nicht. Für ihn gilt nur die „Serendipität“, also ganz andere Dinge zu finden als die, die man (vielleicht) gesucht hat. Den Chef der Donaudampfschifffahrt in Rumänien zum Beispiel, oder Treibstofftanks alter russischer Kampfbomber.

Weil das mit dem Finden immer wieder funktioniert, will er auch wieder auf große Fahrt gehen und diesmal den Abschnitt zwischen Ulm und Krems erkunden. Nur das Boot, das er dann kommendes Jahr bauen will, soll schneller, größer, sicherer werden. Sechs Personen sollen darauf übernachten können. Die „3-D-Collage“ wird diesmal kein „work in progress“ mehr sein, aber immerhin erweiterbar. Für künstlerische Reisen  soll man es chartern können – gute Nachrichten für Sonntagnachmittagsträumer.

Konferenz „Kreativ-Quelle“

Die Konferenz Rainer Prohaska stellte sein Donauprojekt auf der Konferenz „Kreativ-Quelle. Design und zeitgenössische Kunst im Donauraum“ in der Privaten Hochschule für Kommunikation vor. Daneben sprachen etwa Christiane Wachsmann vom HfG-Archiv über den „Kosmos auf dem Kuhberg“ oder die Professoren Vladimir Frelih und Bozhidar Boyadzhiev aus Sofia über den „Projektraum Donau“.

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