Küfergasse 1: Das Haus aus der Gründerzeit wird komplett saniert

Jahrzehntelang bewohnten Studenten das Haus in der Küfergasse 1. Jetzt steht es leer: Es wird komplett saniert. Das Besondere ist ein Gewölbekeller im dritten Untergeschoss, einst genutzt als Luftschutzbunker.

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    Das Haus Küfergasse 1 in der Nähe der Platzgasse wird saniert. Foto: 
  • Die Wohnungen sollen – mit allem modernen Komfort – so originalgetreu wie möglich erhalten werden. 2/3
    Die Wohnungen sollen – mit allem modernen Komfort – so originalgetreu wie möglich erhalten werden. Foto: 
  • Zum Abbruchfest nutzte die Grundstücksverwaltung Scholz & Völk den Keller im dritten Untergeschoss als Bar. Die Wohnungen sollen – mit allem modernen Komfort – so originalgetreu wie möglich erhalten werden. 3/3
    Zum Abbruchfest nutzte die Grundstücksverwaltung Scholz & Völk den Keller im dritten Untergeschoss als Bar. Die Wohnungen sollen – mit allem modernen Komfort – so originalgetreu wie möglich erhalten werden. Foto: 
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Es geht runter, immer weiter runter. Es ist schummrig, die Glühbirnen erhellen das alte Gemäuer nur schwach. Einmal ums Eck, dann nochmal, und wieder weiter runter. Dann ist das dritte Untergeschoss erreicht. Dicke Mauern, keine Fenster. „Es war der reine Horror, wenn ich hier runtermusste“, sagt die Eigentümerin des Hauses in der Küfergasse 1. Vor fast 40 Jahren hat die Familie das Gebäude in der Innenstadt gekauft.

Die Eigentümerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, erinnert sich noch gut an ihre ersten Besuche im Haus. Vor allem an den tiefsten Keller. „Es gab damals noch kein Licht hier unten. Und es lag überall Unrat herum noch aus dem Krieg.“ Im Zweiten Weltkrieg war der Gewölbekeller als Luftschutzbunker genutzt worden. Später stand er leer. Nur ab und zu wird es wohl hoch her gegangen sein dort unten. Dann nämlich, wenn Studenten Partys gefeiert haben – schalldicht sozusagen und ohne die Nachbarn zu stören.

Über Jahrzehnte war das Haus mit all seinen neun Wohnungen an Studenten vermietet. „Sie haben sich sehr wohl gefühlt hier“, sagt die Vermieterin. Anfangs waren die Wohnungen noch nach Geschlechtern getrennt belegt, aber die Zeiten änderten sich. . . Die Söhne der Eigentümer hatten damals nach dem Kauf des Hauses ausgemistet, die Wohnungen renoviert und auch möbliert. In jeder Wohnung stand ein Ölofen. Das Öl zum Heizen holten die Studenten aus den Tanks in ihren Kellerabteilen.

Diese Zeiten sind jetzt natürlich vorbei. Das Gebäude wird künftig mit Fernwärme beheizt. Die letzten Bewohner sind längst ausgezogen, alle Wohnungen stehen leer, die ersten Sanierungsarbeiten haben im Mai begonnen. Deren Ziel beschreibt der Sohn der Eigentümerin so: „Den Charme bewahren, den Standard anpassen.“

Das bedeutet zum Beispiel: den Stuck an den hohen Wänden erhalten und, wo es nötig ist, ergänzen, das Parkett abschleifen, die schönen alten Türen mit ihren hölzernen Verzierungen und Beschlägen restaurieren, moderne Türgriffe durch originalgetreue ersetzen. Auch die in manchen Bädern und Küchen verlegten Terrazzoböden bleiben erhalten. Die Wohnungen werden aber mit zeitgemäßer Technik ausgestattet sein, sämtliche Leitungen werden erneuert. Am Grundriss der Wohnungen wird aber nichts geändert.

Der Umbau unter der Regie von Architekt Siegfried Maurer sieht zudem den Ausbau des Dachgeschosses zu einer Wohnung vor. Es erhält eine Dämmung, ein neues Dach und neue Fenster. Nach Abschluss der Sanierung werden die Wohnungen wieder vermietet.

Die ältesten Gebäudeteile wie der tiefe Gewölbekeller stammen aus dem Jahr 1892, berichtet Projektleiterin Nicole Mannsberger von der Gebäudeverwaltung Scholz & Völk. Das heutige Wohnhaus aus Backstein sei vermutlich 1914 gebaut worden. In einer der Wohnungen lebte ein späteres Nazi-Opfer: Für die im KZ ermordete Bertha Rabausch wird im Herbst im Pflaster vor dem Haus ein Stolperstein verlegt (siehe Info-Kasten).

Bevor Handwerker und Bauarbeiter vollends die Herrschaft über das Gebäude übernehmen, richtete Scholz & Völk vor kurzem ein „Abbruchfest“ aus. Dabei wurde der Luftschutzkeller im dritten Untergeschoss zum wohl letzten Mal zu einem Partykeller mit eigens aufgebauter und dekorierter Bar, beleuchtet mit einer alten Stehlampe aus dem Fundus. Künftig bleibt der Gewölbekeller leer: Aus Brandschutzgründen verbietet sich eine Nutzung, denn es gibt außer der Treppe keinen Fluchtweg.

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