Kretschmann spricht beim Rathausempfang

Nach der Schwörfeier empfängt die Stadt im Rathaus geladene Gäste. Ministerpräsident Kretschmann zeigte sich beeindruckt von der Schwörrede.

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Der Beginn einer wunderbaren rot-grünen Männerfreundschaft: Ivo Gönner und Ministerpräsident Winfried Kretschmann umarmen sich.  Foto: 

Ivo Gönner ist ja nicht gerade für Steifheit bekannt. Beim Empfang der Stadt im Rathaus aber wirkte der Oberbürgermeister nach seiner letzten Schwörrede so locker und gelöst wie nie. Er begrüßte die dicht an dicht im stickigen Foyer stehenden Gäste mit launigen Worten und sorgte für manchen Lacher. Angesichts der Hitze empfahl er den Herren, möglichst schnell das Sakko abzulegen, und den Damen, sich so weit zu entkleiden, "wie sie es für geeignet halten". Unter den Gästen waren Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kirche, Justiz und allen anderen Bereichen der Ulmer Stadtgesellschaft sowie als besonderer Gast der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Er hatte zum ersten Mal eine Schwörrede verfolgt - seine Frau Gerlinde war vor zwei Jahren ohne ihn zur Schwörfeier angereist. Er zeigte sich nicht nur beeindruckt von der "inhaltlichen Tiefe" der Rede, wie er sagte, sondern auch von ihrer schieren Länge. "Ich werde mich nicht scheuen, sie als Vorbild für meine nächste Regierungserklärung zu nehmen", scherzte Kretschmann. Die werde dann an die zwei Stunden dauern.

Zwei Aspekte der Schwörrede hob Kretschmann hervor. Ivo Gönners Eintreten für die Solidarität einer wohlhabenden Stadt mit Flüchtlingen bewegte den Ministerpräsidenten besonders. Er freute sich aber auch über die von der Stadt Ulm vorangetriebene Donaustrategie, gerade angesichts der europäischen Krisen. "Europa ist unsere Hoffnung, es ist das, was wir in einer globalisierten Welt brauchen."

Vor allem ging Kretschmann auf Gönners bevorstehenden Abschied aus dem Amt ein. "Es tut uns allen weh, dass es Ihre letzte Schwörrede war", sagte der Ministerpräsident und sprach angesichts des spontanen starken Beifalls wohl allen Anwesenden aus dem Herzen. Gönner sei "wie der Turm des Münsters" zur Mitte Ulms geworden und habe sich mit Leib und Seele für die Stadt eingesetzt. "Sie sind Herz, Kopf und Stimme der Stadt." Kretschmann äußerte Respekt und Dankbarkeit angesichts dessen, was Gönner für Ulm getan habe. "Man hat gespürt, wie Sie den Eid gelebt haben."

Der so Gerühmte war nach der Schwörrede volkstümlicher aufgelegt. Er unterhielt die Gäste mit Anekdoten vom letztjährigen Schwörmontag und von der erst kurz vor dem Stadtfeiertag zu Ende gegangenen Schachtelfahrt des Gemeinderats. 2014 sorgte "ein granatenmäßiger Wolkenbruch" für eine abrupte Abnahme der Feierfreude, und Gönner kam auf seinem Heimweg aus der Friedrichsau an mehreren Ständen ohne Gäste vorbei. Aus Mitleid kaufte er ein: "Ich hab' noch nie so viele Bratwürste gegessen." Auf der Schachtelfahrt setzte er dagegen auf Flüssiges: Grappa. Bisweilen gab es auch Landestypisches aus Bulgarien und Rumänien zu trinken. Offenbar nicht jedermanns Geschmack: "Die Hälfte der Delegation dachte, es sei Nagellack."

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