Kreisweiter ABC-Alarm in der Nacht

Ein Sirenenalarm hat mitten in der Nacht zum Samstag im ganzen Landkreis Neu-Ulm für Angst und Schrecken gesorgt. Das Signal kündigt einen ABC-Unfall an. Zum Glück war es nur ein Fehlalarm.

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Am Samstagmittag, Schlag 12 Uhr, war alles geplant – wie an jedem dritten Samstag im Monat: Da heulten kreisweit die Sirenen auf. Probealarm. Was sich mehr als zehn Stunden zuvor abgespielt hatte, sorgte dann doch für Angst und war tags drauf Gesprächsthema Nummer eins in der Bevölkerung: Kurz vor 2 Uhr morgens heulten im Landkreis die Sirenen und sorgten dafür, dass Tausende aus ihrem Schlaf gerissen wurden.

Wer es nicht wusste, konnte sich schnell via Internet informieren: Dieser auf- und abschwellende Heulton soll vor einem atomaren, biologischen oder chemischen Unfall warnen. Er fordert die Bevölkerung auf, Fenster und Türen zu schließen, den Aufenthalt im Freien unbedingt zu vermeiden. Und: Man sollte das Radio einschalten und auf Durchsagen achten. Diesbezüglich war allerdings auf keinem Sender etwas zu hören. So riefen besorgte Bürger dann auch bei der Feuerwehr oder bei der Polizei an. Dort gab es schnell Entwarnung: „Es ist nichts passiert, das Ganze ist ein technischer Defekt“, hieß es zum Beispiel kurz nach 2 Uhr in der Neu-Ulmer Polizeiinspektion. Tatsächlich hat aber ein Mitarbeiter der Integrierten Leitstelle in Krumbach einen falschen Kopf gedrückt.

Ein Entwarnungssignal, wie es Ältere kennen, die die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs erlebt hatten, gibt es nicht mehr. Im Zweiten Weltkrieg war die Bevölkerung vor herannahenden Flugzeugen gewarnt worden. Nach den Luftangriffen folgte eine Entwarnung. So ein Entwarnungssignal ist in Bayern nicht mehr vorgesehen – und es ist deshalb im Computer der neuen Integrierten Leitstelle in Krumbach auch nicht vorhanden. Das, so erklärte Kreisbrandrat Bernhard Schmidt gestern, müsse überdacht werden.

Das Sirenenwarnsystem ist in der Bundesrepublik Landessache. Bundeseinheitliche Signale gibt es seit dem Ende des Kalten Kriegs und dem Rückbau des Zivilschutznetzes nicht mehr. Vielmehr obliegt die Festlegung von Signalen den Katastrophenschutzbehörden der Bundesländer. In Bayern, so steht es auf der Homepage des Innenministeriums zu lesen, sind Sirenen im 25-Kilometer-Umkreis um die Kernkraftwerke und Betriebe mit Gefahrenpotenzial auf jeden Fall Pflicht.

Fakt ist: Nach dem Fehlalarm gab es weder Rundfunkdurchsagen noch eine Entwarnung. Das Polizeipräsidium in Kempten verschickte in der Nacht zum Samstag um 2.23 Uhr eine Sofortmeldung an die Medien: „Aufgrund eines technischen Defektes lösten im Landkreis mehrere Sirenen aus. Technische Ursache wird überprüft. Es besteht kein Anlass zu Beunruhigung.“ Auch das Polizeipräsidium war von einem technischen Defekt ausgegangen. Und noch eine Ungenauigkeit: Laut Sofortmeldung heulten die Sirenen um 2.10 Uhr auf. Tatsächlich waren die aber schon vor 2 Uhr losgegangen.

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