Kosmos und Knoten

Klassentreffen aus traurigem Anlass: Anlässlich des Todes von Petr Hrbek stellt die Stuttgarter Malerklasse Erich Mansen in der Galerie Schloss Mochental aus - und bietet allerlei Standortbestimmungen.

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Erich Mansen vor einem seiner neuen Bilder aus diesem Jahr, die derzeit im Schloss Mochental zu sehen sind. Foto: Christina Kirsch

Wenn Schüler zu früh sterben, ist das für einen Lehrer erschreckend. Auch Kommilitonen zucken zusammen. Deshalb beschlossen neun Schüler der Klasse Erich Mansen im März diesen Jahres spontan, zum Gedenken an ihren plötzlich verstorbenen Kommilitonen Petr Hrbek eine Ausstellung zu organisieren.

Mochental lag nahe, weil Erich Mansen seinem Galeristen Ewald Schrade seit Jahrzehnten verbunden ist. Dem im Alter von 56 Jahren gestorbenen Tschechen Petr Hrbek gebührt der Ehrenplatz in der Nikolauskapelle. Auf seinen Bildern sieht man eine Ansammlung von sich überlagernden Noppen und Auswüchsen, die dem Betrachter entgegen zu wachsen scheinen.

Mit transparenten Farbschichten erreicht er die Illusion von kosmischer Tiefe im nicht enden wollenden Knotengewirr. Die Klasse Mansen bildete sich 1971 und der erste Schüler war Eberhard Eckerle. In der Ausstellung ist der Zeichner und Bildhauer mit dreidimensionalen Trituben, standfesten Ring- und Röhrengebilden aus bemaltem Stahl zu sehen.

Jeder der ausstellenden Künstler vertritt eine eigenständige Position, ein gemeinschaftliches Klassenbild ist nicht erkennbar. Das spricht für die Qualität der Ausbildung. So malt die Stuttgarterin Isa Dahl runde, kompakte Knäuel, die wie Farbpakete an der Wand hängen. Neuerdings löst sie die Fäden auf und streckt sie zu verdrehten Girlanden. Christine Gläser wuchtet kontrastreiche Flächenkompositionen in ihre Bilder.

Sehr diffizil und mystisch aufgeladen sind die Radierungen und Collagen von Gerd Hartmann, der Maschinenteile zeichnet, die keine Funktion haben. Er selber bezeichnet sich als Ruineninspektor und kartografiert detailliert Archipele.

Mit ganz neuen Bildern von 2012 präsentiert sich der über 80-jährige Erich Mansen in der Ausstellung. Auf den gestisch gemalten Großformaten kann man ein Gewirr aus Knoten und Verknüpfungen erkennen, das auf den Gartenbildern zur Ruhe kommt. Einzelne agile Stängel ragen aus Mansens mystisch dunklen Gärten fast zaghaft empor.

Petra Lemmerz entwickelt auf ihren Bildern kosmische Ansichten mit astronomischer Sprengkraft und haptisch wirkendem Sternenstaub. In Bewegungsunschärfe verwischte Alltagsgegenstände zeigt Beate Knapp. Harald F. Müllers übereinander gelagerte Konstruktionen ragen dagegen konstruiert und kühl in den Raum. Mit seinen monochromen Farbräumen, die sich unvermittelt über den Betrachter ergießen, zieht Platino den Kunstfreund magisch an.

Christa Schmid hat auf den gelben Teppich eines Ausstellungskabinetts eine puzzleartige Flusslandschaft gelegt. Die Qualität der Ausstellung zeigt sich im Diversen und Differenzierten, das ein großes Ganzes ergibt.

Info Erich Mansen und frühe Schüler - Petr Hrbek zu Ehren. Schloss Mochental, bis 22. Juli. Di-Sa 13-17,

So 11-17 Uhr.

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