Konzert im Stadthaus: Uri Caine zwischen den Musik-Welten

Mozart, Wagner, Verdi - beim Solopiano-Konzert des New Yorkers Uri Caine im Stadthaus erlebte man große Klassiker musikalisch neu eingefärbt.

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Grenzgänger an den Tasten: Uri Caine im Stadthaus. Foto: Udo Eberl

Besser hätte der Auftakt der Konzertreihe "New York" im Stadthaus kaum laufen können. Es musste sogar nachbestuhlt werden. Der Name Uri Caine zog - auch am musikalisch etwas anders besetzten Rosenmontag. Zwischen Konzerten in Amsterdam, Kopenhagen und Venedig zeigte der Pianist in Ulm, dass er einer der wenigen Grenzgänger ist, die Klassik und Jazz spielerisch vereinen und klassischen Werken ein neues Gesicht geben können.

Der Meister der Anspielungen zog sein Publikum mit einem fließenden Mix aus Mozart-Hits und Jazzfuriosum förmlich ins Programm hinein. Mozartistik an den Tasten. Noch eindringlicher waren allerdings die eigenen Stücke. Jazzige Schwebungen mit impressionistischem Flügelschlag, ein Frühlingsspaziergang durch die Tuilerien, Anklänge einer Fiesta oder kurzes Verharren im freiem Moment. Dann gings zurück in die Klassik. Gustav Mahler im Medley-Format, der Trauermarsch mit der melancholischen Leichtigkeit des Klezmer versetzt.

Der Musiker stellte aber auch unter Beweis, dass er am Flügel grob gebrochene monolithische Brocken voll bassiger und energetischer Urgewalt herauswuchten kann. Für Teile des Publikums eine Grenzbereichserfahrung, die mit einem Rondo alla Caine und träumerischen Sequenzen abgefedert wurde. Und er brachte noch mehr unter einen Hut: Wagner und Verdi, wenn auch mit einem bisweilen zu akademischen Ansatz, Monk, die Beatles. Ja, den "Black Bird" erlebte man hier als kleines, aufgeregt herumflatterndes Vögelchen. Einer der wenigen wirklich leichten Momente des Konzerts, denn Uri Caine liebte es an diesem Abend kraftvoll. Die Zwischentöne und Emotionen blieben weitgehend auf der Strecke. Dramatik und Virtuosität standen an erster Stelle. Das kam an. Das Publikum erklatschte sich zwei Zugaben.

Info Im nächsten Konzert der Reihe "New York" gastieren am 18. März der Altsaxophonist Steve Lehman und sein Trio im Stadthaus.

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