Konflikt am Ulmer Bahnhof bleibt

Die Stadtpolitik hält mehrheitlich am Rückbau der Autofahrspuren in der Friedrich-Ebert-Straße fest. Für die CDU ist es jedoch ein „vermurkstes Konzept“.

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Nach der Sonderdebatte des Gemeinderats zum Orange Campus der Basketballer hat sich der Bauausschuss noch spät mit dem brisanten Thema Citybahnhof befasst und dabei die umstrittene Reduktion von vier auf drei Fahrspuren zementiert. Der Bebauungsplan für „Bahnhofplatz/Friedrich-Ebert-Straße“ wurde gegen die Stimmen der CDU-Fraktion verabschiedet.  Fraktionschef Thomas Kienle nannte den Plan, der auf der C&A-Seite nur noch eine statt zwei Autospuren und dafür einen Radweg vorsieht, einen „Folge-Murks“ nach dem „vermurksten Konzept“ des Rathauses an dieser Stelle.

Wichtiger Zugang fällt weg

Aus Sicht Kienles wäre mit etwas gutem Willen der Stadtverwaltung der Erhalt der vierten Spur als wichtigem Zugang zur Ulmer City möglich gewesen. Man hätte dazu vielleicht die Bankette „enger fassen“ können. Außerdem hielt es Kienle für eine Option, den Radweg in beide Richtungen auf der Bahnhofsseite zu führen, was beispielsweise auch die Polizei vorgeschlagen hatte.

Baubürgermeister Tim von Winning verwies auf die Grundsatzdebatte vom Oktober 2016, in deren Folge die CDU und andere Gegner der Spurreduktion, wie berichtet, in einer Kampfabstimmung unterlegen waren. Er hielt auch die „streitigen“ Punkte mit IHK und Handwerkskammer, die aus Gründen der Erreichbarkeit vehement für den Beibehalt der Vierspurigkeit plädiert hatten, für vernachlässigbar. Man habe sich gleichwohl ausführlich mit den Positionen der Kammern befasst.

Die IHK hält insbesondere den vom Rathaus errechneten Rückgang des Verkehrsaufkommens am Bahnhof für nicht nachvollziehbar: vor allem wegen der attraktiven, schnellen ICE-Strecke und des Neubaus der Sedelhöfe. Die Rechnung gehe nur auf, sagte Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle gestern nochmal erläuternd, wenn Autofahrer massiv auf den ÖPNV umsteigen. Dann sei aber die von der Baubehörde geplante Verkleinerung des ZOB (wir berichteten), die demnächst aufs Tapet kommen soll, nicht verständlich. Nicht zuletzt wegen der Spurreduzierung und der damit verbundenen schlechteren Erreichbarkeit der City sei die Stimmung im Handel miserabel.

Radweg endet abrupt

Für die Freien Wähler wollte Karl Faßnacht im Ausschuss noch wissen, wie es mit dem stadtseitigen neuen Radweg nach der Kurve in die Olgastraße weitergeht. Es zeigte sich nämlich, dass der Radweg an der Kreuzung mit der Sedelhofgasse im Nirgendwo endet.

Die Radfahrer werden dann über die Keltergasse zur Wengengasse geführt. Das sei sicherer als über die nach Osten dann wieder zwei Autospuren auf der Olgastraße, sagte von Winning. Die A 7 ins Allgäu sei schließlich auch nicht an einem Stück durchkonzipiert worden. Faßnacht wies darauf hin, dass die Keltergasse auch die An- und Abfahrt für die Sedelhof-Tiefgarage darstellt und sich dort die vielbesuchte Handwerkskammer befindet. Daher soll der Radweg auch nicht extra ausgewiesen werden: Es gibt somit eine einzige Fahrbahn für alle Verkehrs­teilnehmer. Die FWG wollte jedoch wie die SPD und die Grünen die Grundsatzdebatte zur Anzahl der Fahrspuren in der Friedrich-Ebert-Straße nicht neu aufleben lassen und stimmte dem Plankonzept zu.

„Höheres Verkehrsaufkommen“

Allerdings berücksichtigt es viel zu wenig die Rolle Ulms als Oberzentrum, sagte Siegfried Keppler (CDU). Er bedauerte es, dass die Erreichbarkeit Ulms für 300 Meter Radweg aufs Spiel gesetzt werde und die Einwendungen von IHK und Handwerkskammer unter den Tisch gekehrt wurden: „Das trägt der Entwicklung der Stadt keine Rechnung.“ Schließlich kämen im Umfeld des Bahnhofs auch die Sedelhöfe als neues Einkaufszentrum hinzu: mit „wesentlich höherem Verkehrs­aufkommen“. Daher hätte es möglich sein müssen, die Interessen aller Verkehrsteilnehmer besser unter einen Hut zu bringen und die Autospuren zu behalten.

Plan Im neuen Bauplan Bahnhof wird die Trasse der Straßenbahn nach Westen verschoben, die Bahnsteige werden breiter und auf 105 Meter verlängert. Der Abbau von Autospuren soll demnach die Aufenthaltsqualität erhöhen.

Radweg Außerdem gibt es den neuen Radweg in Richtung Norden und Bäume. Eine „mikroskopische Verkehrsflusssimulation“ habe gezeigt, dass insgesamt die Leistungsfähigkeit der Friedrich-Ebert-Straße erhalten bleibt.

IHK Die IHK prognostiziert nicht zuletzt wegen der Sedelhöfe eine Zunahme von täglich 26.000 Fahrten vor dem Bahnhof um 7000 auf 33 .000. Die Stadt gehe nur von 25.000 Fahrten bis 2030 aus. Das sei nicht nachvollziehbar.

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Kommentare

28.09.2017 16:02 Uhr

@IHK, Handelskammer u.a.

wie wärs, wenn wir den Münsterplatz mit noch einer Einkaufsgalerie zubauen
und dafür nen Autobahnanschluß mit Tiefgarage bis zum Portal bauen, um "die Erreichbarkeit Ulms zu verbessern!?
Was würden sich Ihre Mitgliedsfirmen über die Aufträge freuen! BETONgöldgöldgöld ...

DANKE Herr v. Winning für Ihr Durchhaltevermögen diesen Ewiggestrigen gegenüber!

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28.09.2017 10:06 Uhr

Innenstadt für Autos sperren - Strassenbahn nutzen

Warum bauen wir für zig Millionen eine Strassenbahn und dann soll sie nicht genutzt werden. Endlich wird hier einmal ein konsequentes Verkehrkonzept umgesetzt. Autos raus aus Ulm und Bus und Bahn nutzen. Wem das nicht gefällt der soll wo anders kaufen und auch dort die Luft verschmutzen.

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28.09.2017 08:57 Uhr

Ein Unding

Noch so ein riesiger Einkaufstempel und die Zufahrt dazu wird eingeschränkt... Wer soll dort kaufen? Nur die Innenstadtbewohner?

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