KOMMENTARSCHWÖRREDE Gönners Botschaften

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Welche Wegweisung will einer geben, wenn die Pflöcke für kommende Wege schon eingerammt sind? Vor dieses Problem sah sich der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner gestellt, als er seine Schwörrede 2012 schrieb. Denn eine weitsichtige, von ihm dirigierte Stadtpolitik hat die Weichen bis 2020 längst gestellt: Ausbau Straßenbahn, Ausbau Einkaufsplatz durch die Sedelhöfe, Neugestaltung Hauptbahnhof durch das Konzept Citybahnhof (auch wenn es sich verzögert), Ausbau Wissenschaftsstadt, Ausbau Schulstandort, speziell der Berufsschulen. Für Visionen ist da kaum noch Spielraum.

Das heißt nicht, dass der OB in seiner 21. Schwörrede nicht Wegweisung gegeben hätte. Zu Gönners im Dutzend gelieferten Botschaften, denen kaum zu widersprechen ist, gehörte, dass

richtig verstandene Freundschaft entlang der Donau sich nicht erschöpft in schönen Reden, sondern in der Verteidigung von Freiheitsrechten wie Presse-, Meinungs-, Rede- und Religionsfreiheit, die Gönner konkret gefährdet sieht (und benannte) in Ungarn und Rumänien,

Land und Bahn nach dem Volksentscheid das Bahngroßprojekt Stuttgart-Ulm durchsetzen sollten, ohne allen Vorbehalt,

den Reichen in unserer Gesellschaft eine besondere Rolle im solidaren gesellschaftlichen Gefüge und für den sozialen Ausgleich zukommt, weil „gut gefüllte Geldbeutel mehr beisteuern können als weniger gut gefüllte“,

in einer Welt voller Egoisten der verführerischen Auffassung entgegengetreten werden muss, dass nur der Egoismus besteht,

der Neigung zum Zaudern der Mut zu über Tag und Tellerrand hinausreichenden Entscheidungen entgegenzusetzen ist,

die Energiewende uns mehr kostet, als uns bislang glauben gemacht wurde, gerade deshalb die Stadtwerke zu stärken sind,

die über Fachkräftemangel klagende regionale Wirtschaft jetzt, da Fachpersonal wegen Stellenabbaus, Pleiten, Standortschließungen zu haben ist, auch einstellt.

Bei allem Optimismus, den Gönner allein schon als Erscheinung ausstrahlt: Der Ulmer OB ist nach den jüngsten Hiobsbotschaften in Sorge um Arbeitsplätze und ökonomische Prosperität. Bei allem Stadtfest, das dieser Schwörmontag bei Kaiserwetter war, sollte ein eindrückliches Bild im Trubel nicht untergehen: das Hunderter von Luftballons, die am Weinhof an den strahlend blauen Himmel aufstiegen. Es waren Luftballons der Iveco-Belegschaft, die verzweifelt um ihre Arbeitsplätze im Donautal kämpft. Auch das eine Botschaft des Schwörmontags 2012. 

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