KOMMENTAR: Locken statt gängeln

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Der jüngste Zensus brachte es an den Tag und sorgte im vergangenen Sommer im Ulmer Rathaus für lange Gesichter. Weil die Einwohnerzahl um fast 7000 geringer ist als gedacht und nur bei 117 000 liegt, erhält die Stadt deutlich weniger Geld aus den Töpfen des kommunalen Finanzausgleichs. Denn jeder mit Erstwohnsitz gemeldete Einwohner bringt der Stadt Bares: rund 900 Euro im Jahr.

Vor diesem Hintergrund mag es verständlich sein, dass die Verwaltung neuerdings verschärft darauf erpicht ist, möglichst viele Neu-Ulmer (nicht zu verwechseln mit den Bürgern der bayerischen Nachbarstadt) einzubürgern – zwangsläufig sind in einer Uni-Stadt Studenten die Hauptzielgruppe. Doch eisern darauf zu bestehen, jeder zugezogene Student müsse auch hauptamtlicher Ulmer sein, geht zu weit und riecht nach Raffgier; immerhin sind beinahe ein halbes Jahr Semesterferien.

Die Stadtverwaltung wäre deshalb gut beraten, auf der einen Seite ihre Lockmittel aufzustocken und auf der anderen Seite eine – moderate – Zweitwohnsitzsteuer zu erheben, so wie es übrigens schon viele Uni-Städte in Deutschland tun. Sie ist ein geeigneteres Druckmittel, um Studenten zur Anmeldung zu bewegen. Bürokratische Gängelung oder gar Schnüffelmethoden und Drohgebärden – Stichwort Zwangsummeldung – sind dagegen der falsche Weg. Und überdies keine Werbung für die Stadt.

 

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