Kommentar zu Scala: Wissen sie noch, was sie tun?

Tausende Scala-Kunden der Sparkasse Ulm zermartern sich den Kopf, wie sie mit ihrem Ersparten am Besten verfahren. Die Bank hat dem Auftrag, dem Kunden zu dienen. Doch im Moment drängt sich der Eindruck auf, sie verfolge vor allem eigene Interessen. Ein Kommentar von Regina Frank.

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Tausende Scala-Kunden zermartern sich den Kopf, wie sie mit ihrem Ersparten am Besten verfahren. Die einen sind in diesen Tagen gezwungen zu entscheiden, ob sie sich von ihrem Vertrag trennen oder nicht. Die anderen, die auf Alternativangebote ihrer Bank umgestiegen sind, bereuen dies womöglich schon.

Die Sparkasse reizt die selbstgesetzte Umstellfrist bis zuletzt aus und lässt ihre Kunden im Unklaren. Auf zentrale Fragen bleibt sie bis dato Antworten schuldig. Kalkuliert sie mit einer kleinen Zahl an Kunden, die sich durchringen, den Scala-Ärger gerichtlich und im Einzelfall klären zu lassen? Dabei sollten sich Vorstand und Verwaltungsrat ihres öffentlich-rechtlichen Auftrags bewusst sein, wonach sie dem Gemeinwohl verpflichtet sind, um nicht zu sagen: Ihr Auftrag ist, dem Kunden zu dienen. lm Moment drängt sich der Eindruck auf, sie verfolgen vor allem eigene Interessen: Die hochverzinsten Verträge sind ein Klotz am Bein, den sie loswerden wollen, weil er eigenen Angaben nach die Kreditvergabe erschwert. Ob sich die Bank in einer echten Notlage befindet, ist indes fraglich, zumal diese nicht hinreichend untermauert ist. Wie schwer die jährliche Zinslast durch die Problem-Sparbücher wiegt, weiß die Öffentlichkeit nicht.

Die Sparkasse ist auf dem besten Weg, den schon erlittenen Imageschaden noch zu vergrößern. Sie verpasst gerade einen entscheidenden Zeitpunkt, an dem sie hätte Vertrauen zurückgewinnen können. 

Scala-Verträge: Sparkasse Ulm lässt Kunden im Unklaren

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Kommentare

12.12.2013 19:09 Uhr

Ergänzung zu „Guter Kommentar”

Hier die Quelle für die 10 Millionen Zinsaufwand, ein SWP-Artikel vom 1.10.2013

http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/Scala-Vertraege-Sparkasse-setzt-auf-Zeit;art4329,2230429

Auszug:
"Info: Die Scala-Sparverträge mit 25 Jahren Laufzeit und Bonuszinsen bis 3,75 Prozent wurden 1993 aufgelegt und 2005 eingestellt. Die Restverträge laufen längstens bis 2030. Zuletzt hat die Sparkasse die bisher übliche Erhöhung von Sparraten nicht mehr akzeptiert. Das Betriebsergebnis liegt bei 1 Prozent der Bilanzsumme (5,6 Mrd. Euro), also etwa 50 Mio. Es kann sich bei weiter niedrigen Zinsen auf 25 Mio. halbieren. Die Scala-Belastungen dürften laut Oster schlimmstenfalls bei 10 Millionen liegen. Als Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse Ulm hat sich OB Ivo Gönner hinter die Scala-Strategie des Vorstands gestellt. "

Wenn die Gesamtbelastung bei höchstens 10 Millionen liegt, wohlgemerkt in einem Zeitraum von 17 Jahren (bis 2030) , dann sind das betriebswirtschaftlich im Vergleich zum jährlichen (!) Betriebsergebnis von 25 bis 50 Millionen echte Peanuts.
Und deswegen geht die Sparkasse auf Crashkurs, droht ihren Kunden und verspielt ihren (inzwischen ehemaligen) guten Ruf für immer?
Es ist wirklich nicht zu fassen...

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12.12.2013 17:18 Uhr

Zinsen

Ein höherer Zinsaufwand von 10 Millionen, das sagt aber auch das es ein sehr hoher Betrag ist der da bei der Sparkasse als Anlage liegt. Die frage stellt sich mir jetzt wie viel ich verliere wenn ich das Geld auf eine andere Bank trage und dort anlege. Sagen wir mal jeder zweite-dritte bucht sein Geld um, dann werden wir sehen ob die Herren aufwachen und die Sparkasse das macht was eigentlich sein sollte.

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12.12.2013 16:43 Uhr

Antwort auf „Guter Kommentar”

Kann ich dann beider Sparkasse aus dem selben Grund auch meinen zu teuren Hypothekenkredit auch kündigen?

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12.12.2013 15:59 Uhr

Guter Kommentar

Eine gute Zusammenfassung!
Man kann über den Sparkassen-Vorstand, aber vor allem über die politisch Verantwortlichen, zuvorderst OB Gönner und Landrat Seiffert, nur noch fassungslos den Kopf schütteln.
Offensichtlich wurde hier der Bezug zur Realität komplett verloren.....

PS: in früheren Artikel war zu lesen, dass es um einen höheren Zinsaufwand von vergleichsweise läppischen 10 Millionen geht. Das macht die ganze Angelegenheit nur noch schlimmer!

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Themenschwerpunkt

Die Scala-Verträge der Sparkasse Ulm

Der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und einem Rechtsanwalt ist das Tun der Ulmer Sparkasse ein Dorn im Auge. Weil sich rund 8000 Sparer von der Bank nicht aus lukrativen Scala-Verträgen locken lassen wollen, droht ihnen die Kündigung. Mittlerweile ist eine Einigung zwischen der Sparkasse und den Klagenden bestätigt.

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