KOMMENTAR · WISSENSCHAFTSSTADT: Die Grünen sind nicht die Erfinder

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Auch wenn sie oft so tun: Die Grünen sind nicht die Erfinder der Wissenschaftsstadt. Im Gegenteil. Deshalb sind sie gut beraten, sich zurückzunehmen, wenn es um Vaterschaften oder auch nur Patenschaften an diesem über die Region hinausstrahlenden Leuchtturmprojekt geht.

Fakt ist, dass sich die Grünen in den 80er Jahren gegen die Wissenschaftsstadt positionierten. Die Nähe der Grundlagenforschung zur Industrie gefährde die Unabhängigkeit der Wissenschaft, sagten sie. Vor allem befürchteten die Grünen, auf dem Campus könnte im AEG- und späteren Daimler-Zentrum der Stern eines Rüstungsmolochs aufgehen. Eine Sicht, die man einnehmen konnte. Sie war schon damals Indiz dafür, wo die Grünen eine ihrer Wurzeln haben: in den Urtiefen der Bürgerlichkeit und ihrer Moral.

Die Wissenschaftsstadt war ja die Antwort von Stadt und Land auf die industrielle Krise, die Ulm schwer gebeutelt hatte. Zwar konnten verloren gegangene gewerbliche Arbeitsplätze nicht zurückgewonnen werden. Wissenschaftsstadt hieß und heißt aber nie bloß Professoren und Weißkittel; sie hat tausende Arbeitsplätze in Dienstleistung und Versorgung geschaffen, die kein Abitur oder Studium voraussetzen.

Für die Grünen waren die Nöte der kleinen Leute, die sich sorgten um Arbeit, Lohn und Brot, damals allenfalls zweitrangig. Im Fokus standen bürgerliche Wertvorstellungen. Sie verlangten, sich gegen die Entwicklungen auf dem Eselsberg zu stellen.

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Kommentare

28.02.2013 21:44 Uhr

Antwort auf „wieder mal die Strompreislüge!”

Ich stimme Ihnen zu, dass die Befreiungen von der Umlage für einige Unternehmen nicht unbedingt gerecht erscheinen. Ich habe 2007 noch 13,8 Cent/kWh bezahlt, heute sind es 23 Cent/kWh. Wäre die Umlage "gerechter" verteilt, dann würde ich immer noch mind. etwa 20 Cent/kWh bezahlen. Das ist immer noch viel zu viel, zumal der bisherige Preisanstieg nur ein Vorgeschmack auf das ist, was noch kommt. Außerdem: Wenn wir die Umlage besser verteilen würden, dann würde ich das entsprechende Geld eben beim Kauf von Fleisch, Wurst, Käse, Schokolade oder bei der Benutzung des ÖPNV draufzahlen. Es taucht gegenüber dem Verbraucher nur an einer anderen Stelle wieder auf. Das macht es aber doch nicht besser! Der Grund ist, dass wir Geld hirnlos in eine unrentable Technologie pumpen und dass wir nach wie vor Zufallsstromerzeuger subventionieren, obwohl die Netze nicht dafür da sind und wir eigentlich dasselbe Geld nochmals für Speicher und konventionelle Schattenkraftwerke ausgeben müssten.

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28.02.2013 20:41 Uhr

wieder mal die Strompreislüge!

"(...) Entsprechend höher falle die Stromrechnung für Privatkunden und kleinere Unternehmen aus, die die sogenannte EEG-Umlage der befreiten Unternehmen quasi übernehmen müssten...

Von der EEG-Umlage umfassend befreit sind laut "Spiegel" auch Kohlegruben der Energiekonzerne RAG und Vattenfall, Schlachthöfe von Wiesenhof und anderen Geflügelmästern sowie Tierfutterfabriken. Profiteure seien zudem regionale Wurst- und Käsehersteller, Schokoladenfabriken, Solar- und Bioenergiefirmen, die Stadtwerke München, der Erdölmulti Exxon und die Bremer Tageszeitungen AG. ...

Die Politik bemesse die Ausnahmen für die Industrie inzwischen derart großzügig, "dass nur die Dümmsten noch nicht von der EEG-Umlage befreit sind", sagte Andreas Löschel, der die Expertenkommission der Bundesrepublik zur Energiewende anführt, dem "Spiegel" (...)"

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/eeg-umlage-befreiung100.html

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28.02.2013 17:52 Uhr

Die Chimäre vom Rüstungsmoloch

Der von den Ulmer Grünen de jure ungebrochen angezeigte Rüstungsmoloch auf dem Eselberg entsteht einzig dann, wenn die dort arbeitenden Forscher sich um den längst empirisch unwiderruflich gewonnenen Befund einer nicht nur allem Sozialen, sondern gemäß der Heisenberg'schen Unschärferelation auch dem Physikalischen innewohnenden Unbestimmtheit keinen Deut scheren und infolge dessen die Grundlagen, auf denen vor allem die Wissenschaftsstadt beruht, maßlos dilettierend als noch nie existent ausgeben; wobei fraglich ist, ob unter solchen Umständen je gefechtstaugliche Waffen hergestellt werden können oder ob de facto nicht bloß auf ressourcenvergeudende Weise ein gleichsamer Turmbau zu Babel betrieben würde.

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28.02.2013 12:25 Uhr

Wahre Worte!

Vielen Dank für den sehr gelungenen Kommentar!

Das Wohl der kleinen Leute kann bei dieser Partei nicht die höchste Priorität haben - schaut man sich z.B. an, was durch das EEG mit unseren Stompreisen passiert und wie sie sich dagegen sträuben, dass dagegen etwas unternommen wird.

Gerade in der Forschung zeigt sich die Ideologiegetriebenheit grüner Politik. In Niedersachsen will die Landesregierung etwa Projekte an Schulen beenden, in denen Schüler die Möglichkeit hatten, durch eigene Experimente Grundlagen der Gentechnik zu erforschen und zu verstehen [1] - meines Erachtens auch und gerade dann notwendig, wenn man über Sinn und Unsinn grüner Gentechnik diskutiert. In MV wollen die Grünen dagegen vorgehen, dass im Rahmen des Projekts Wendelstein 7-X an der Kernfusion geforscht wird [2]. Es ist unglaublich, auf welche Art hier Ressourcen und Innovation im Hochtechnologiebereich kaputt gemacht werden sollen.

[1] http://tinyurl.com/buka2qo
[2] http://tinyurl.com/cjk7cyk

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