KOMMENTAR · NOKIA: Eiskalt

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Der Verdruss Ivo Gönners über das Ulmer Ende von Nokia ist verständlich. Jenseits von Stilfragen - der Ulmer OB wurde über den Beschluss der Konzernführung durch die örtliche Geschäftsführung erst gestern morgen und damit praktisch zeitgleich mit den ersten Radionachrichten darüber informiert - ist festzuhalten, dass Nokia eines der Unternehmen war, dem die Stadt im Science Park durch satte Infrastruktur den roten Teppich ausgerollt hat. Immer, wenn notwendig, wie zuletzt mit Container-Bürobehelfen, wurde dem Konzernableger unbürokratisch unter die Arme gegriffen.

Dass solches in einem Konzernmanagement nicht zählt, kann niemanden wirklich überraschen. So wenig, wie der Umstand, dass die Entscheidung eiskalt getroffen wurde und in atemberaubendem Tempo durchgezogen werden soll. Einst einer der Handy-Weltmarktführer, hat Nokia die Weiterentwicklung zum Smartphone verpasst - und gibt jetzt in Ulm eine dem Laien geschäftsträchtig erscheinende Perspektive auf: die Weiterentwicklung internet-tauglicher Billighandys für die armen Länder dieser Welt.

Doch aus und vorbei. Selbst wenn das hoch qualifizierte Personal rasch wieder Anstellungen finden sollte - was sich auch erst einmal zeigen muss -, so ist der Verlust für die Wissenschaftsstadt eklatant. Es ist der erste ganz große Rückschlag für das Erfolgsmodell. Wie Ulm ihn verdauen wird, ist nicht ansatzweise abschätzbar.

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