KOMMENTAR · IVECO: Mehr als ein Verzweiflungsakt

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Was ist noch zu retten von Iveco in Ulm, also vom Lastwagenhersteller Magirus, dem einst größten Arbeitgeber weit und breit? Betriebsräte und Vertrauensleute haben sich zum Ziel gesetzt, 30 000 Unterschriften zu sammeln und Repräsentanten der Politik und des öffentlichen Lebens hinter sich zu versammeln. Sie wollen damit gleichermaßen Eindruck machen und Druck ausüben auf die Konzernspitze. Dahinter steckt mehr als ein reiner Verzweiflungsakt.

Realistisch betrachtet geht es zwar nicht mehr darum, die in Turin festgezurrte Entscheidung umzustoßen. Die Lastenwagen-Produktion wird, das ist so sicher wie ein päpstliches Amen, nach Madrid verlagert. Für die Belegschaftsvertretung geht es primär darum, Zeit zu gewinnen, die drohende Produktionseinstellung im September und damit das Faktum einer leerstehenden Fabrik schon in gut 100 Tagen zu verhindern.

Diese Zeit brauchen die Arbeitnehmer. Turin ist gut beraten, sie zuzugestehen - im Sinne des Betriebsfriedens, der bislang gewährleistet ist trotz aller Dramatik, die nicht nur den Verlust von fast 700 Produktionsarbeitsplätzen bedeutet, sondern auch einer großen regionalen Industrietradition.

Allein schon das bedachtsame Wirken der Betriebsräte sollte es Iveco-Chef Altavilla Wert sein, der Belegschaft die Chance einzuräumen, ein eigenes Konzept zu entwickeln, das möglichst viel der hohen Kompetenzen und Qualitäten erhält. Für Ulm, die Region, den Konzern.

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Kommentare

11.06.2012 10:54 Uhr

Versäumte Leistungserbringung?

Maßstab dafür, ob industrielle Arbeit eine Zukunft hat, war noch nirgendwo das überaus geringe Interesse Dritter an einer ausnahmslos für alle prosperierenden Lebensweise. Greift Herr Altavilla dessen ungeachtet dennoch namens des Iveco-Konzerns auf besagten Unfug zu, erbrächte er eigenhändig den unwiderruflichen Beleg, in der Beantwortung wesentlicher Fragen als Führungskraft rundweg inkompetent zu sein (Oberbeck, in: Lompe/ders. (Hg.): Innovation - regional und global. Festschrift für Günter Geisler, Hildesheim u. a., 2003, S. 105) und bezöge zudem vom Unternehmen zu Unrecht ein Entgelt für von vornherein gemiedene, aber von ihm zwingend verlangte Arbeitsleistungen. Weil ein solches Szenario indes nur fiktiv Bestand haben kann, sieht die tatsächliche Wirklichkeit des Entscheids über eine stillgelegte Lkw-Fertigung im Ulmer Donautal anders aus, als die dortige Belegschaft die Öffentlichkeit Glauben machen möchte.

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