Kölner dokumentiert Regenunterstände aus 70er Jahren

Wetterpilze sind keine Pilze für die Wettervorhersage, sondern schlicht Regenunterstände mit Holzschindeldach meist auf einer Mittelsäule. Bei einer „Pilzsuche“ haben wir bislang vier Ulmer Standorte gefunden.

|

Als „einzigartige Vereinigung abendländischer Mystik und morgenländischer Pracht mit einer exotischen Prägung preußischen Schliffes“ bezeichnet Klaus Heinz Herder aus Köln, Deutschlands größter Wetterpilzsammler, die pilzförmigen Regenunterstände. Seit fünf Jahren dokumentiert er deren Standorte weltweit (siehe Infokasten). Denn die für die 1960er und 1970er Jahre typischen Wetterpilze sterben langsam aus, sofern sie nicht immer wieder saniert werden – wie in Ulm.

Hauptfriedhof Geht man im Ulmer Friedhof vom Krematorium den Hauptweg hinunter Richtung Aussegnungshalle und biegt nach etwa einem Drittel des Wegs nach rechts in die Muslimische Abteilung ab, sieht man den Wetterpilz auf einer kleinen Fläche zwischen den Gräberreihen stehen. Das große Dach mit den verwitterten Holzschindeln und bemoosten Stellen hat sich farblich angepasst an seine Umgebung mit den parkähnlichen Bäumen. Rings um die einzige tragende Säule ist eine Sitzbank montiert. „Dort ruhen sich Friedhofsbesucher im Sommer im Schatten aus, oder man kann still für sich trauern, oder unsere Mitarbeiter stellen sich unter, wenn sie beim Rasenmähen von einem Regenschauer überrascht werden“, zählt der städtische Friedhofsverwalter Ulrich Eisenbarth ganz alltägliche Nutzungsformen dieses Unterstands auf. „Zudem hilft unser Pilz als Orientierungspunkt, wenn jemand ein Grab sucht“, ergänzt Eisenbarth. Nächstes Jahr sei es mal wieder an der Zeit, die Holzschindeln zu erneuern, denn ursprünglich wurde dieser Wetterpilz bereits in den 70er Jahren gebaut.

Ehinger Anlagen Das noch recht neue Holzdach des Wetterpilzes in den Ehinger Anlagen im Ulmer Westen hat einen Durchmesser von gut vier Metern. Der Standort ist zentral: Er liegt inmitten des kleinen Parks genau zwischen Tischtennisplatte und überdimensionalem Schachspiel. Vorbei kommen Hundebesitzer, viele Radfahrer und Mütter, die mit ihren Kindern zum nahen Spielplatz gehen. Im vergangenen Juli hatte dieser Wetterpilz eine recht ungewöhnliche Rolle gespielt: Wie berichtet, diente er einer obdachlosen Mutter mit ihren zwei erwachsenen Söhnen gut vier Wochen lang im wahrsten Sinne des Wortes als Unterschlupf. Pech und eigenes Verschulden hatten sie in diese Lage geführt. Schließlich besorgte die Stadt der Familie eine Unterkunft.

Böfingen Der Wetterpilz im Stadtwald Böfinger Halde ist ein kleiner unscheinbarer, und die Mittelsäule ist ein dicker Baumstamm. Dieser Unterstand wurde 1975 erbaut, erinnert sich Bruno Neuburger, ehemals Stadtförster in diesem Wald. Inzwischen wurde vor das Sitzrondell Richtung Donau noch eine Parkbank gestellt. Die Aussicht ist gewöhnungsbedürftig: runter aufs Wasserkraftwerk „Böfinger Halde“ und rüber zur Kläranlage im Neu-Ulmer Steinhäule. Der Fernblick schweift zur grünen sanften Anhöhe „Kapellenberg“ in Pfuhl.

Kuhberg Einen wirklich schönen Ausblick aufs Söflinger Tal ermöglicht der Wetterpilz am Kuhberg, auf einer Wiese hinter der ehemaligen Wetterstation. Der alte Pilz wurde jedoch bereits im Jahr 2006 durch den heutigen Pavillon ersetzt, der nicht nur auf der Mittelsäule steht, sondern auch auf sechs weiteren Stützbalken, die das kantige Holzdach tragen. Leider ist das Sitzrondell bekritzelt und der Platz drumherum oft vermüllt. „Auch junge Menschen, die sich zukippen, wollen eine schöne Aussicht“, kommentiert Carmen-Aruna Alber die Nutzungsform dieses Pilzes. Denn sie kommt täglich mit ihren Hunden an dem Unterstand vorbei.

 

Wetterpilz-Sammler

Weißer Fleck Ulm ist noch ein weißer Fleck auf der Karte und Liste von Deutschlands größtem Wetterpilz-Sammler Klaus Heinz Herda aus Köln. Bislang sind ihm bundesweit rund 430 Standorte der klassischen pilzförmigen Regenunterstände bekannt. Ausland Bei Standorten in der ganzen Welt ist Herda auf Bildzuschriften angewiesen.

So bringt er es im Ausland bislang nur auf 30 Wetterpilz-Orte. Außerdem sei die Bezeichnung nicht immer einheitlich: Andere Länder sagen Schwammerl oder Parapluie dazu. Hobby Herdas ungewöhnliches Hobby begann vor fünf Jahren, als er bei Volksläufen in der Kölner Region immer wieder an Wetterpilzen vorbeikam. 2010 klapperte er schon alle Grünanlagen ab. Nun recherchiert er im Internet. Mehr unter www.wetterpilze.de

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ulmer Basketballern droht gegen Oldenburg das Saison-Aus

Ratiopharm Ulm hat zuhause mit 61:68 gegen die EWE Baskets Oldenburg verloren und liegt damit in der Halbfinalserie mit 1:2 zurück. weiter lesen