Knorrig und robust

Der Holunder blüht wieder, schäumend vor cremegelben Blütendolden, die fein duften und zum Zubereiten von Sirup und feinen Süßspeisen anregen.

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Er kann auch schön: Zur Blütezeit  gibt sich der sperrige Holunderbusch durchaus anmutig.  Foto: 

Wenn er blüht, sieht ein Holunderbusch fantastisch aus, doch den restlichen Teil des Jahres wirkt er zugegeben nicht allzu ansprechend. Er hat ein sperriges Astgerüst, lässt ältere Äste herabhängen, von denen jüngere Zweige ungelenk nach oben streben, und das Laub riecht unangenehm. Doch nicht umsonst gehört ein Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) traditionell zu Bauernhöfen. Dort wächst er nicht im Bauerngarten, wo er Blumen- und Gemüsebeete verschatten würde, doch er steht markant neben dem Stall oder der Scheune, denn ein Holunder war früher unentbehrlich für die Haus- und Volksheilkunde.

Aus den Blüten wurde Tee gewonnen, der bei fiebrigen Erkältungskrankheiten lindernd wirkt. Die gekochten Früchte dienen zur Unterstützung des Stoffwechsels und erhöhen die Abwehrkräfte, weil sie einen hohen Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen haben. Roh allerdings sollte man sie nicht verzehren, dann können sie zu Durchfall und Übelkeit führen.

Der Strauch ist in freier Natur in Mittel- und Südeuropa, in Nordafrika und bis nach Westsibirien anzutreffen, oft wächst er am Waldrand oder an Lichtungen. Er kommt auf trockenen bis mageren Standorten zurecht. Der Baum oder Strauch erreicht gut und gern eine Höhe von fünf Metern und mehr, er verzweigt sich stark, und die älteren Äste neigen sich dann über. Innen sind die dicken Triebe mit schwammigem Mark ausgefüllt. Dadurch kann man sie leicht aushöhlen und Flöten daraus schnitzen. Die großen, sattgrünen Blätter sind gefiedert und am Rand gesägt, ihr penetranter Geruch vertreibt Ameisen oder Wühlmäuse.

Knorrig mutet die längsgefurchte, graubraune, korkartige Borke an. Großartig wirken die riesigen Blütendolden aus unzähligen weißlichen Blütchen, die große flache Scheiben von enormer Fernwirkung formen. In der Nähe duften sie vernehmlich. Im Spätsommer folgen dann die schwarz glänzenden Steinfrüchte, die man landläufig als Beeren kennt. Im rohen Zustand sind sie schwach giftig, man muss sie kochen, etwa um Saft oder Marmelade daraus zu bereiten. Für den Rohverzehr eignen sich dagegen die Früchte des Trauben-Holunders (Sambucus racemosa), sofern man die Samen mit den Giftstoffen entfernt. Diese roten Früchte besitzen allerdings nicht die heilkräftige Wirkung des Schwarzen Holunders. Den Trauben-Holunder erkennt man im Juni an den kegelförmigen, traubigen Blütenständen aus unzähligen grüngelben Blütchen.

 Das Gehölz passt hervorragend in etwas größere, naturnahe Gärten, wo die Astquirle die Basis für Nestbauten bilden und die Blüten Insekten in großer Zahl anlocken. Etwas mehr dekorativen Wert während der gesamten Vegetationszeit geht von dunkellaubigen Sorten aus, die für einen Kontrast zum umgebenden Grün sorgen. Auffällig steht die Sorte „Black Beauty“ von Frühjahr bis Herbst da mit dem dunkel-braunrotem, leicht glänzendem Laub. Die rosa-weißen Blüten duften stark nach Zitronen. Stark geschlitzte Blätter besitzt die Sorte „Black Lace“. Das ebenfalls leicht glänzende Laub treibt grünrot aus und erscheint später schwarzrot. Dazu kommen zur Blütezeit kräftige rosa Knospen, die weiß aufblühen. Im Herbst tritt dann der rote Unterton noch einmal stark in Erscheinung, während die Blätter der Ausgangsart gelbgrün verfärbt abfallen.

Im Garten braucht ein Holunder auf jeden Fall Platz, damit sich eine breite Krone entwickeln kann. Zwar verträgt er einen Rückschnitt ausgezeichnet, doch treibt das Gehölz dann pinselartig aus, die Wuchsform verdirbt. Besser lässt man einen Holunder frei wachsen. Wenn das Gehölz mit der Zeit vergreist, werden ganze Äste am Ansatz herausgenommen, damit junge Triebe nachwachsen können. Notfalls kann man einen Holunder bis auf den Boden zurückschneiden, er wird wieder austreiben. Schatten verträgt ein Holunder übrigens recht gut, nur blüht und fruchtet er an so einem Standort weniger intensiv.

Weil er sich so robust und unverwüstlich zeigt, findet sich der Holunder in vielen Legenden und gilt als Symbol für starke Lebenskraft. Bei den alten Germanen war der Holunder der Sitz der Göttin Holda oder Holla, die über das Leben von Pflanzen und Tieren wachte, sie beschützte Haus und Hof vor dunklen Mächten und Feuer. Im Märchen der Gebrüder Grimm taucht sie als Frau Holle auf, die Schneeflocken stäubt (die weißen Blütensternchen) oder mit den schwarzen Beeren Teerflecken verursacht, die man kaum beseitigen kann.

Mit Flecken muss man ab Ende August im Garten rechnen, denn Holunderbeeren werden gern von Vögeln gefressen, die dann überall für violette Kotpfützchen sorgen. Lange hatte man geglaubt, dass die Beeren für die Vögel nur so etwas wie eine kleine Leckerei darstellen. Inzwischen weiß man, dass die Beerenkost mit dem hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren für Zugvögel wie die Mönchsgrasmücke unentbehrlich ist, um sich die notwendigen Fettreserven für den Flug in den Süden anzufressen.

Fettreserven wollen wir uns zwar nicht anfuttern, aber in Pfannkuchenteig getaucht, in Fett ausgebacken und mit Puderzucker bestäubt schmecken die Blütenstände einfach  unvergleichlich.

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