Knödelkrise: Streit um Qualität der Mitarbeiterversorgung am Klinikum

Über Geschmack lässt sich streiten. Genau das tut der Personalrat der Uni-Klinik mit dem Klinikumsvorstand. Was den Arbeitnehmervertretern nicht schmeckt, ist die "Qualität der Mitarbeiterversorgung in den Casinos".

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Die Qualität der Mitarbeiterversorgung lässt zu wünschen übrig.  Foto: 

In einem Schreiben mit dem Titel "Qualität der Mitarbeiterversorgung in den Casinos" an den Leitenden Ärztlichen Direktor Udo Kaisers listen die Personalräte auf drei Seiten geradezu genüsslich Beschwerden von Bediensteten auf. Nicht nur, dass es seit der zum 1. Oktober vollzogenen Übertragung der Küche auf die Kliniktochter DUU nicht mehr munde. Hinzu komme, dass nun Schmalhans Küchenmeister sei, sprich, die Leute nicht mehr satt würden. Auszüge aus dem Brief: "Eine Mitarbeiterin teilt mit, sie habe um eine vierte Scheibe Semmelknödel gebeten. Es habe aber nur drei kleine Scheiben vom Knödel gegeben. Die Damen von der Essensausgabe haben nachdrücklich mitgeteilt, dass nur drei Scheiben vom Knödel gereicht werden dürfen."

Ein Mitarbeiter der Apotheke beklagt sich übers Stammessen vom 15. Oktober. "Der angekündigte Hackbraten entsprach in keinster Weise der Erwartung, die der Begriff Braten weckt - dünne Scheibe ohne Kruste und Bratengeschmack." Ein heranwachsender Azubi wiederum bekam dem Brief zufolge zum Mittagstisch gerade einmal 600 Kalorien verabreicht - und fiel fast vom Fleisch. Auch das nichtmedizinische Personal darbt. Nach jedem Essen sei ihr übel, beklagt eine Verwaltungsangestellte. "Jetzt bringe ich mein Essen von Zuhause mit und alles ist in Ordnung. Aber ist das der Sinn einer Mitarbeiterkantine?" Selbst einem Klinikseelsorger stößt das Speiseangebot sauer auf. "Essenszufuhr bedeutet nicht nur Füllen des Magens", schreibt der Geistliche.

Dr. Joachim Stumpp, Kaufmännischer Direktor des Klinikums, hält die Beschwerden für übertrieben und vermutet politisches Kalkül dahinter. "Es passt einigen Leuten offenbar nicht, dass die Küche auf die DUU übertragen wurde." Fakt sei, dass die Mitarbeiterverköstigung am Klinikum "hochgradig defizitär" sei. Die Ausgaben fürs Essen seien dennoch konstant. "Wir haben bei den Personalkosten, nicht aber bei den Sachkosten eingespart. Und wir haben großes Interesse daran, dass unsere Mitarbeiter mit dem Essen zufrieden sind." In einem Schreiben an Personalratschef Bruno Stemmer verspricht Stumpp, die Anregung zu Zusatzportionen zu prüfen. "Wir werden zeitnah mit der Küchenleitung sprechen und darauf hinwirken, aus den vorhandenen Möglichkeiten das Beste zu machen."

Mal schauen, ob die Mitarbeiter das schlucken. Wie schreibt eine Angestellte aus der Zahnklinik? "Die Tomatensuppe entspricht in Konsistenz und Geschmack einem Tetrapak-Tomatenmark. Mit Suppe hat das nichts zu tun."

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Kommentare

01.12.2015 17:34 Uhr

... Und die Mensa in der Uni ist auch micht mehr besser.

Das war mal, dass die besser war!!!

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01.12.2015 16:11 Uhr

Ideologisch verblendete Mitarbeiter

Gemäß seinen eigenen Angaben versteht das Soziologische Forschungsinstitut e. V. (SOFI) an der Georg-August-Universität in Göttingen insbesondere das Projekt "Auto 5000" bei der Volkswagen AG in Zeiten eines vermehrt diskutierten Outsourcing von arbeitsintensiven Produktionsaufgaben zwar als einen gangbaren Weg für eine innovative Unternehmenspolitik, der erklärtermaßen auf jedwede Auslagerung von Funktionen verzichtet. Dementsprechend überschwänglich fällt das Lob aus, das nicht nur der dortige Arbeitsdirektor Neumann, sondern auch der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Osterloh, sowie der einstige Vorsitzende der Industriegewerkschaft Metall, Huber, aussprechen. Das bedeutet aber keinesfalls, dass es sich dabei um einen "one best way" handelt. Als Alternative bietet sich nach wie vor eine "Aussiedlung" an, wie der historische Begriff dafür lautet. Insofern tun nicht wenige Mitarbeiter der Ulmer Universitätskliniken angesichts dessen bloß so, als ob die dortige Leitung sich falsch entschieden hat. Die seit dem 1. Oktober vollzogene Übertragung der Küche auf die Kliniktochter DDU sieht sich demnach völlig beliebigen Vorwürfen ausgesetzt, die nicht weit davon entfernt sind, den Betriebsfrieden ernstlich zu stören und die eine umgehende Entfernung vom Arbeitsplatz rechtfertigen. Wenn man so will, könnte kritisiert werden, wie sehr sich vor allem der Personalrat zugunsten blanker Chimären vonseiten Dritter einsetzt, die keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhalten. Das Schreiben an den Ärztlichen Direktor zeugt somit lediglich von einem wild um sich greifenden Dogmatismus, der den Grundsätzen einer Universität über alle Maße hinweg spottet.

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01.12.2015 14:27 Uhr

Knödelkrise:

Wenn die Köche+innen keine Knödel drehen können, sollen sie halt Spätzle schaben für die Schwaben.

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