Die Rammstein-Tribute-Band Stahlzeit in der Ratiopharm-Arena

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Die Rammstein-Tribute-Band Stahlzeit in der Ratiopharm-Arena.  Foto: 

Schließen Sie die Augen und denken an Rammstein. An diese rohe, in Musik und Feuerwerk gegossene Gewalt. An die grollende Stimme Till Lindemanns. Und natürlich an diese unverwechselbaren Lindemann-Bewegungen, wie er in der Hocke mit der Faust auf seinen Oberschenkel einschlägt, dabei den Kopf von links nach rechts und von rechts nach links schleudert, als sei er nicht Rocksänger, sondern ein wildes Tier in Gefangenschaft.

Am Freitagabend steht Heli Reißenweber in der Ratiopharm-Arena auf der Bühne und versucht es nochmal mit dieser Bewegung. Hocke, Kopf schleudern, Faust auf Oberschenkel. Reißenweber, Frontmann der Rammstein-Tribute-Band Stahlzeit, bekommt den Bewegungsablauf schon ganz gut hin. Nur das Animalische, das kommt irgendwie nicht durch. Reißenweber ist halt doch nur die Kopie, und da stößt er an seine Grenzen.

Es ist nicht so, dass Kopien per se schlechter sind als das Original. Man erinnere sich an die Zeit, als jedes Aldi-Produkt, als die Nuss-Nougat-Creme, die Paprika-Chips im Fernsehen akribisch mit den Marken-Produkten verglichen wurden. Da hat die Aldi-Kopie nicht selten mindestens genau so gut abgeschnitten.

So gesehen ist es also per se auch nichts Verwerfliches, zu einem Konzert einer Rammstein-Kopie zu gehen. Die feinen Herren vom Original kommen eh nicht in die Provinz und hinterlassen so eine Lücke, in die gleich eine ganze Reihe von Tribute-Bands gesprungen sind: Feuerengel, Völkerball, Stammheim und Stahlzeit machen eigentlich nichts anderes, als die Konzerte der Berliner nachzuspielen.

Im abgetrennten Teil der Arena sind laut Veranstalter 1000 Zuschauer, überwiegend Träger schwarzer T-Shirts, viele Altrocker, einige Jungrocker, ein Hauch von Punk und eine Spur Gothic – ein Publikum also, das es durchaus ernst meint mit dem Rock.

Auch Stahlzeit meint es ernst. Klar, etwas lauter hätte es sein dürfen. Die eine oder andere Pyro-Nummer war vielleicht etwas überflüssig. Doch alles in allem haben die sechs Nordfranken ein grundsolides, bisweilen sogar richtig gutes zweistündiges Konzert abgeliefert. Klang wie Rammstein in leise. Und das ist als Kompliment gemeint.

Dabei könnte man es jetzt belassen. Wenn, ja wenn in der Ankündigung des Konzerts nicht dieser Satz stehen würde: „Über 80 Shows absolviert die Band jährlich, deren Sänger Heli Reißenweber in Sachen Aussehen, Stimme und Performance verblüffende Ähnlichkeit mit Till Lindemann besitzt.“ Puh.

Ja, stimmt, Reißenweber sieht tatsächlich ein bisschen aus wie ein kleinerer, etwas moppeliger Lindemann. Aber. Es gibt da diese Stelle. Sehr explizit, man mag es gar nicht aufschreiben. Der Keyboarder mit heruntergelassener Hose, der Sänger mit einem Gummi-sie-wissen-schon, an dem ein Tank mit viel weißer Flüssigkeit hängt. Pornografisch. Und als sich Reißenweber vom Keyboarder abwendet und, weil Lindemann das auf der Live-DVD halt auch so macht, ein paar Minuten lang ins Publikum ejakuliert, da sieht er kurz mal nicht ganz so glücklich aus. Da sieht er so aus, als ob ihm diese Lindemann-Nummer manchmal eine Spur zu viel ist. Die Kopie ist halt kein Tier.

Vor der ersten Zugabe dann die direkte Ansprache ans Publikum: „Neu-Ulm, wir sagen Dankeschön, es war uns ein Fest!“ Auch so ein Satz, den Lindemann niemals sagen würde.

Stahlzeit hat sich vor zehn Jahren als  Coverband in Kulmbach formiert. Als der Gastronom Heli Reißenweber vermehrt auf seine Rammstein-Performances angesprochen wurde, gründete er die Tribute-Band in ihrer heutigen Form. Inzwischen touren Stahlzeit durch die Deutschland und angrenzende Länder. Nach eigenen Angaben spielt die Band 80 Konzerte im Jahr.

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