Klinikmanager in Uniform

Das Bundeswehrkrankenhaus Ulm hat einen neuen Chefarzt. Armin Kalinowski hat dieses Amt übernommen. Er und sein Vorgänger Erhard Grunwald berichten über den Alltag in einer außergewöhnlichen Klinik.

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Erhard Grunwald (links) hat das Amt übergeben: Neuer Chefarzt am Bundeswehrkrankenhaus Ulm ist Armin Kalinowski (rechts). In der Mitte Generalstabsarzt Fröhlich.  Foto: 

Es waren turbulente Jahre als Chef der Bundeswehrklinik auf dem Oberen Eselsberg, sagt Generalarzt Erhard Grunwald. Seit dem 17. September 2009 leitet er das große Krankenhaus der Maximalversorgung auf dem Oberen Eselsberg. Gestern übergab er diese Aufgabe an seinen Nachfolger, Oberstarzt Armin Kalinowski (52). Grunwald geht in den Ruhestand.

Die Ulmer Truppenklinik hält 500 Betten bereit, die Hälfte davon sind vertraglich für zivile Patienten reserviert. In Zeiten, in denen viele zivile Kliniken finanziell kaum über die Runden kommen, ist es für sie doppelt schwierig, sagt Grunwald. In den vergangenen Jahren litten sie am Fachkräftemangel, wie andere Häuser auch. Sie mussten über Zeitarbeitsfirmen in ganz Deutschland operationstechnische Assistenten einkaufen. Und weil es davon zu wenig gab, mussten sie zeitweise einige der insgesamt zehn Operationssäle schließen.

Diese Situation hat sich wieder entspannt. Und der personelle Engpass bei den Ärzten in Uniform sei ganz behoben, seit 2009 eine angemessene Vergütung für die Zusatzdienste eingeführt wurde. An diesen Regelungen hat sein Nachfolger Armin Kalinowski mitgewirkt. Er arbeitete in den vergangenen fünf Jahren im Verteidigungsministerium und zeichnete auch fürs Personalmanagement mit verantwortlich.

Dass immer wieder Ärzte nach 20 Jahren ihre Uniform ausziehen und sich mit einer privaten Praxis oder in einer zivilen Klinik niederlassen, habe wenig mit Unmut über den Dienst in der Bundeswehr zu tun, sagt Grunwald. Würden alle Berufsoffiziere, wären alle Posten für junge Ärzte blockiert und der Gesundheitsdienst der Truppe würde gemeinsam alt. Außerdem gilt die Arztausbildung in der Bundeswehr als hervorragend. „Alle, die uns in den letzten Jahren verlassen haben, sind im zivilen Leben erfolgreich.“

Wer derzeit das Krankenhaus durch den Haupteingang betritt, marschiert durch ein großes Bauzelt, sieht nebenan schwere Baumaschinen. Die intensive Bauphase haben sie jedoch weitgehend hinter sich. Deutlich mehr als 100 Millionen Euro kostet die Sanierung des Klinikums, das inzwischen 40 Jahre alt ist. Ein Krankenhausflügel nach dem anderen musste geschlossen und saniert werden. Das war für die Patienten und vor allem für das Personal nicht einfach. Acht neue Operationssäle wurden gebaut, zwei alte hergerichtet. Jetzt wird noch der Eingangsbereich gestaltet, zwei Hörsäle und eine Cafeteria sind dort vorgesehen. Bis 2016 werden die Arbeiten dauern, „aber der Patient bekommt davon nichts mehr mit“, versichert Grunwald.

Eine besondere Note dieser Klinik ist, dass Ärzte und Pfleger nicht nur die Patienten betreuen, sondern auch noch den militärischen Dienst leisten. Sie werden in Auslandseinsätze an Brennpunkte der Welt geschickt. Sie sind in Afghanistan im Einsatz, in Mali oder auf den Kriegsschiffen am Horn von Afrika. Das alles wäre kaum möglich, wäre da nicht die außergewöhnliche Kameradschaft, das Miteinander an der Klinik, sagt Grunwald. Das unterscheidet sie von zivilen Häusern. Die schwierigen Situationen in den Auslandseinsätzen schweißen zusammen, sorgen für ein Wir-Gefühl. Das prägt die Atmosphäre.

Es war eine interessante Zeit in Ulm, sagt der Generalarzt, der jetzt den Uniformkittel auszieht. Was er künftig machen wird? Er hat seiner Frau versprochen, die Verwaltung ihrer Arztpraxis in Koblenz zu übernehmen. Und er wird seine Medizinprofessur in München fortführen, seine 19 Doktoranden weiter betreuen, die noch nicht fertig sind.

„Es ist ein Privileg, eine solche Klinik zu übernehmen“, sagt sein Nachfolger Armin Kalinowski. Er kennt das Haus, arbeitete bereits als junger Arzt dort. Was er ändern will? Nichts, das Haus ist bestens aufgestellt, lobt Kalinowski seinen Vorgänger. Sie brauchen die zivilen Patienten, nicht nur für die Finanzierung der Klinik, sondern auch, um die Bundeswehrärzte, die sonst nur mit jungen und meist fitten Soldaten zu tun hätten, alle medizinischen Fälle behandeln zu lassen. Dass der Rettungshubschrauber von ihnen organisiert und meist mit Ärzten und Sanitätern ausgestattet wird, ist die beste Übung für Krisensituationen, sagt der neue Krankenhauschef.

Sie bekommen in Ulm den ersten Klinik-Kindergarten der Bundeswehr für die Mitarbeiter, 50 Plätze werden ausgebaut. Die Bundeswehr befindet sich weiter im Wandel, nicht nur, weil viel mehr Frauen Dienst leisten und es die Wehrpflicht nicht mehr gibt. Familie und Beruf müssen auch für Soldaten besser vereinbar sein. Auch wenn immer wieder Auslandseinsätze auf dem Dienstplan stehen. Oder auch gerade deshalb, sagt Kalinowski.

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