Xinedome Ulm: Kleinster Verdi-Streik im Bundesgebiet

Die festangestellten Mitarbeiter des Ulmer Xinedome fordern mehr Geld. Wichtig ist ihnen aber vor allem, dass ihr Arbeitgeber mit ihnen spricht.

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Bereits seit vergangenem Jahr streiken Mitarbeiter immer wieder vor dem Kino am Lederhof. Die Fronten zwischen Gewerkschaft und Geschäftsführer sind verhärtet.  Foto: 

Viele sind sie nicht, aber ausdauernd. Die Angestellten des Xinedome-Kinos haben bereits ihren zwölften Streiktag hinter sich. „Wir standen hier schon bei minus 14 und jetzt bei plus 31 Grad“, berichtet Michael Hoss. „Und wir lassen uns nicht unterkriegen“, kündigt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei Xinedome an. Er ist einer von acht Vollzeitbeschäftigten beim Kino in der Innenstadt. Insgesamt arbeiten laut Hoss zwischen 50 und 70 Frauen und Männer am Lederhof, die meisten davon seien geringfügig beschäftigt.

Grund der Arbeitsniederlegung ist die Forderung nach mehr Gehalt. „Generell wollen wir aber zunächst ein Gespräch mit dem Arbeitgeber“, erklärt Thomas Winzberg. Der Bundesvorstand der Gewerkschaft Verdi kam zur Aktion Anfang der Woche nach Ulm, um den Streikenden, wie er sagt, den Rücken zu stärken. „Das ist der kleinste Streik von Verdi in ganz Deutschland, aber er ist uns enorm wichtig.“ Es sei bemerkenswert, dass sich der Arbeitgeber Gesprächen komplett verweigere. „Das ist ein sehr ungewöhnlicher Streik“, fasst Winzberg zusammen.

Die Streikenden erhalten momentan den gesetzlich festgelegten Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde, mit einer Berufserfahrung von zwei Jahren gibt es 9,01 Euro von Geschäftsführer Robert Englberth, der für ein Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE nicht zu erreichen war. Verdi fordert die Übernahme des gekündigten Bundestarifvertrags sowie die Erhöhung der Tarif-Tabellen um sechs Prozent. Das entspräche dann einem Stundenlohn von 9,65 Euro beziehungsweise 10,32 Euro.

Zusätzlichen Frust schieben die Festangestellten, weil die beschäftigten Zeitarbeiter im Xinedome besser bezahlt werden als die Festangestellten, berichtet Hoss. „Die bekommen etwa 9,20 Euro“, erklärt er. „Hinzu kommt die Gebühr, die an die Leiharbeitsfirma geht“, fügt Winzberg an. „Die Leiharbeiter bekommen so viel wie die Mitarbeiter fordern.“

Die Arbeitsniederlegung sei vor allem für die vielen geringfügig Beschäftigten eine extreme Belastung. „Wir versuchen aber, ihnen den Lohn eins zu eins zu stellen.“ Trotzdem seien alle entschlossen, Kante zu zeigen, erklärte Winzberg. „Diese Ungerechtigkeit darf nicht bestehen bleiben.“

Am 12. Januar gab es zuletzt Gespräche zwischen Gewerkschaftsvertretern und einem Anwalt der Geschäftsführer. „Wir sind verhandlungsbereit“, unterstrich Holm-Andreas Sieradzki, Gewerkschaftssekretär und Verdi-Verhandlungsführer. Unterstützung gebe es von Seiten der Kunden. „Sie verstehen unsere Situation.“

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