klassisch!: Quatuor Hermès begeistert, berührt, beglückt im Stadthaus

Das Quatuor Hermès spielt in der Kammermusik-Reihe „klassisch!“ im Stadthaus Werke von Haydn, Webern, Schubert – und wie!

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Großartige Gäste der „klassisch!“-Reihe: das Quatuor Hermès im Stadthaus.  Foto: 

Es gibt so Abende, da stimmt von der ersten bis zur letzten Note alles. Aber sie sind selten, diese Konzerte – und daher war der Auftritt des Pariser Quatuor Hermès in der „klassisch!“-Reihe am Freitagabend im Stadthaus auch so eine Kostbarkeit.

Wunderbar ging es schon los, mit Joseph Haydns Streichquartett B-Dur op. 76,4. Es trägt den Beinamen „Der Sonnenaufgang“, doch wer braucht schon später hinzugedichtete Hör-Programmatik, wenn die Musik so anregend und aus sich heraus vital gespielt wird wie von Omer Bouchez, Elise Liu (Violine), Yung-Hsin Lou Chang (Viola) und Anthony Kondo (Cello)?

Warm, weich, geradezu federnd erklang der Kopfsatz. Wohlig konnte man sich dem ­Adagio hingeben, geradezu elastisch bewegt war das Menuet, mit tänzerischem Trio. 1797 komponiert, erschien das Werk in dieser Lesart: nein, nicht heutig, aber von zeitloser Qualität, und dabei vollendet geschmackvoll interpretiert. Das Finale spielten die Vier dann so geschmeidig, einschmeichelnd, dass man sich fragte, wie sie den Sprung zu Anton Webern meistern würden.

Der hat seine Fünf Sätze für Streichquartett op. 5 vor 108 Jahren geschrieben, aber es könnte auch gestern gewesen sein, so unfassbar gültig modern sind seine Tongespinste. Das Quatuor Her­mès wurde dem gerecht, ohne den Grundgestus seines Spiels zu verändern: im Agitierten nicht schroff, im Zupackenden nicht grob, im Zerdehnten nicht fahl, im Extremen nicht verstörend – und doch von beachtlicher Konsequenz. Höchste Disziplin, feinstes Spiel: Herrlich filigran klangen die langsamen Sätze, und im letzten Satz, wahrlich „in zarter Bewegung“, entschwanden die finalen Töne im Unendlichen.

Da sorgte sich keiner mehr, ob diese jungen Könner „Der Tod und das Mädchen“, Franz Schuberts d-Moll-Quartett D 810 aus dem Jahr 1824, diesem absoluten Meisterwerk voller Inbrunst und Schmerz, gerecht würden. Sie wurden ihm gerecht. Und wie.

Ihren Schubert haben sie mit Alfred Brendel erarbeitet: mitreißend, wie sie das Allegro ausgestalteten, dramatisch, aber nie melodramatisch. Voll tröstender Innigkeit gaben sie sich dem Andante con moto hin, in dem Schubert sein titelgebendes Lied verarbeitet hat: verzückend schön, mit einem Mittelteil wie ein Seeligkeit verheißender Fiebertraum. Ein harter Schnitt dann zum ­unbarmherzig schicksalhaften Scherzo,  und schließlich ein kraftvoll entschlosses Presto. Existenzielle Musik, in der es um alles geht – und genau so gespielt, atemberaubend spannend und zugleich beglückend.

Jubel, Getrampel, Euphorie im Stadthaus für einen Abend der Superlative. Der mit dem Vivace aus Anton Dvoraks 12. Streichquartett als Zugabe herrlich zu Ende ging.

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