Klärwerk Steinhäule: Ofen für 60 Millionen Euro

Kaum läuft die 44 Millionen Euro teure Aktivkohlefilteranlage, plant der Zweckverband Klärwerk Steinhäule das nächste Bauvorhaben: Ein Ofen für die Klärschlammverbrennung - für 60 Millionen Euro.

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Anlagenteile der Klärschlammverbrennung sind schon alt.  Foto: 

Das Klärwerk Steinhäule auf Pfuhler Gemarkung wurde 1957 als mechanische Kläranlage von den Städten Ulm und Neu-Ulm gebaut und 1984 an den Zweckverband übergeben. Entsprechend alt, 36 und 28 Jahre, sind die seither noch nicht erneuerten Anlagenteile der beiden Öfen für die Klärschlammverbrennung. Ofen II fällt derzeit sogar aus wegen aufwändiger Reparaturarbeiten. "Deshalb soll ein neuer Ofen die beiden alten ersetzen, und der kostet rund 60 Millionen Euro", sagte Michael Potthast, der Technische Geschäftsführer des Zweckverbands bei der Versammlung. Dazu Verbandsvorsitzender Ivo Gönner: "Das werden wir mit Krediten stemmen."

Solch einen Ofen stellt man jedoch nicht schnell mal auf, sondern das ist ein kompliziertes Verfahren und mit EU-weiten Ausschreibungen verbundenes Bauvorhaben. Allein die Entwurfsplanung kostet eine Million Euro. Potthast gelang es jedoch, die bei der Versammlung Anwesenden von der Notwendigkeit eines neuen Ofens zu überzeugen. Sie stimmten der Entwurfsplanung zu - "für einen neuen Mords-Akt" (Gönner). 2020 könnte der Ofen in Betrieb gehen.

Das passt zum Fortschritt: Klärschlamm wird künftig nicht nur verwertet, sondern zu Dünger aufgewertet. Daher gelten seit Januar nicht mehr die Grenzwerte der Klärschlammverordnung, sondern die strengeren Vorgaben der Düngemittelverordnung. Bislang wurden im Klärschlamm Schwermetalle und Krankheitserreger sowie vom Menschen ausgeschiedene Rückstände von Arzneimitteln nachgewiesen.

Diese Rückstände etwa von Kontrast- und Schmerzmitteln sowie von Antibabypillen filtert das Klärwerk Steinhäule seit Anfang des Jahres mit Hilfe der 44 Millionen Euro teuren Aktivkohlefilteranlage bereits aus dem Abwasser heraus. Die ersten Messreihen sähen sehr gut aus, sagte Potthast. Um die Leistung zu verdeutlichen, hat er bundesweite Zahlen runtergebrochen auf die 220.000 Einwohner der elf Zweckverbandsgemeinden aus den Kreisen Alb-Donau und Ulm: An diese Einwohner hat die pharmazeutische Industrie nach seiner Rechnung vier Tonnen allein Wirkstoffe - also ohne Trägerstoff wie Laktose - verkauft. "Eine Tonne Wirkstoffe können wir nun dem Abwasser entnehmen."

Zurück zum Klärschlamm: Durch die Verbrennung werden vor allem organische Schadstoffe zerstört. Die Reststoffe werden zu 99 Prozent aufbereitet und als Phosphatdünger landwirtschaftlich genutzt. Nur 1 Prozent der Klärschlamm-Asche muss deponiert werden.

Bei der Verbrennung wird zudem aus der Biomasse "Klärschlamm" Energie gewonnen wie Wärme und Strom. Sie fließt wieder in den Klär- und Verbrennungsprozess, wodurch bei einem konstant laufenden - und erst recht bei einem neuen - Ofen wiederum Heizöl gespart wird. Zur Auslastung nimmt das Klärwerk Steinhäule auch zunehmend Fremdschlamm von außerhalb an. Die Verkehrsbelastung liege derzeit bei etwa zehn Fahrzeugen pro Werktag.

Rasch die Biologie erneuern

Eilentscheidung "Ich habe schon unterschrieben als Verbandsvorsitzender, weil die Zeit drängt", gab Oberbürgermeister Ivo Gönner bei der Versammlung des Zweckverbands Klärwerk Steinhäule bekannt. Gemeint ist die Eilentscheidung, in der biologischen Klärstufe die Belüftungsanlagen in den "Belebungsbecken" teilweise zu erneuern. Kosten: zwei Millionen Euro. So werden etwa neue Gebläse für die Sauerstoffzufuhr montiert. Denn bei der biologischen Reinigung verarbeiten Bakterien - wie in der Natur - die gelösten Schmutzstoffe im Wasser mit Hilfe von Sauerstoff zu "Schlammflocken". Die Bakterien wandeln den Kohlenstoff im Schlamm zu Kohlendioxid um.

 

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