Kinderarmut wird wieder ein Problem

Zurück auf Los: Trotz erkämpfter sozialer Errungenschaften hat die AWO wieder Aufgaben wie vor 90 Jahren. Alters- und Kinderarmut greifen um sich.

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"Vor 90 Jahren gab es nahezu keine sozialen Strukturen. Damals war die Arbeiterwohlfahrt eine bittere Notwendigkeit", sagte Thomas Bayer. Der Landesvorsitzende der AWO Bayern war aus München angereist, um seine Glückwünsche zum 90-jährigen Bestehen der Neu-Ulmer AWO zu übermitteln. Er machte einen Brückenschlag zur Jetztzeit: wieder Altersarmut, wieder Kinderarmut. Als seien die Errungenschaften der vergangenen 90 Jahre umsonst gewesen.

Viele Festredner gaben sich die Ehre in den Räumen der Seniorenbegegnungsstätte "Mitte" in der Eckstraße. Nach dem Festakt gingen die knapp 300 AWO-Mitglieder noch zum großen Fest in die Gaststätte Schlössle in Offenhausen.

Friederike Draesner ist seit einem Jahr Vorstandsvorsitzende. In ihrer Rede ließ sie die Vergangenheit Revue passieren. Die erste AWO wurde von der SPD-Reichstagsabgeordneten Marie Juchacz im Dezember 1919 in Berlin gegründet. Die Armut nach dem Ersten Weltkrieg war hoch, engagierte Menschen wollten helfen. In Neu-Ulm gründete der Sozialdemokrat Clemens Högg 1922 die AWO, die erste in Schwaben. Kindern wurden Erholungsreisen finanziert, eine Nähstube für Frauen wurde eingerichtet. Die Nationalsozialisten sahen die AWO als marxistische Organisation und verboten sie.

Nach dem Zeiten Weltkrieg hatte die Neu-Ulmer AWO zwangsläufig neue Aufgaben: Sie kümmerte sich um heimkehrende Kriegsgefangene und organisierte eine Schulspeisung. 1954 eröffnete sie ein Altenheim in der Eckstraße.

Siegbert Kollmann übernahm 1980 den Vereinsvorsitz und behielt ihn 31 Jahre lang bei, bis 2011. Viele Fortschritte machte der Wohlfahrtsverband unter seiner Ägide: So eröffnete Kollmann unter anderem 1984 in Neu-Ulm eines der ersten Frauenhäuser Bayerns, richtete in der Weststadtschule eine Hausaufgabenbetreuung ein und startete 1986 einen mobilen Pflegedienst. Weiter initiierte er eine Krebsberatungsstelle und einen Notruf für Frauen und setzte sich mit ein für die im vergangenen Jahr eingerichtete Seniorenbegegnungsstätte "Mitte", ein Treff.

Für Oberbürgermeister Gerold Noerenberg ist die AWO "ein wichtiges Standbein unserer Gesellschaft". Denn sie leiste professionelle Hilfe und sorge für sozialen Ausgleich.

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