Keine zweite Wahl

Die Ulmer sparen sich einen zweiten Wahlgang und machen ihren Finanzbürgermeister zum Oberbürgermeister: Gunter Czisch hat am Sonntag 52,9 Prozent der Stimmen geholt. Wahlbeteiligung: 42,5 Prozent.

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Kuss für den Sieger - ein kurzer persönlicher Moment am Wahlabend. Sigrid Czisch gratuliert ihrem Mann Gunter zum überraschend deutlichen Erfolg.  Foto: 

"Das ist ein sehr bewegender Augenblick." Das war die erste öffentliche Reaktion von Gunter Czisch im Rathausfoyer auf seinen Wahlerfolg. Zuvor hatte schon Oberbürgermeister Ivo Gönner seinem Nachfolger gratuliert: "Die Bürgerschaft hat in eindeutiger Weise entschieden." 52,9 Prozent für Czisch. Absolute Mehrheit. Davor hatte ihm bereits Martin Rivoir die Hand gereicht, sein ärgster Widersacher in diesem Ulmer Oberbürgermeisterwahlkampf, er konnte am Ende nicht einmal 30 Prozent erreichen.

Die meisten Beobachter hatten ziemlich sicher mit einem zweiten Wahlgang gerechnet; dieser erübrigt sich jetzt, es bleibt dabei, dass die Ulmer nach dem Krieg überhaupt erst einmal zum zweiten Mal an die Urnen mussten: 1948.

Dabei hatte sich Czischs Erfolg schon mit der ersten Hochrechnung um 18.25 Uhr abgezeichnet, was bei der Ergebnispräsentation im Rathaus unter seinen CDU-Anhängern für rhythmisches Klatschen sorgte. Die Euphorie sollte nicht enttäuscht werden. Der amtierende Erste und Finanzbürgermeister die absolute Mehrheit nicht mehr ab. 52,9 Prozent sind mehr, als Gönner bei seiner ersten Wahl 1991 holte (51,7 Prozent), damals ebenso überraschend im ersten Wahlgang.

Um 18.45 Uhr kam Czisch aus seinem Büro, um sich unter den Leuten reihenweise Glückwünsche abzuholen. Sein Dank vom Podium herunter galt dann den Mitkandidaten. "Ich würde ihnen gerne die Hand reichen." Rivoir war da schon in den Hintergrund entschwunden. Der sichtlich gezeichnete SPD-Landtagsabgeordnete und Stadtrat lag schließlich bei 29,9 Prozent.

Die anderen Mitkandidaten rangierten unter ferner liefen. Stadträtin Birgit Schäfer-Oelmayer (Grüne) holte 7,8 Prozent und damit weniger als ihr Mann Thomas Oelmayer bei der OB-Wahl 1991 (10,5 Prozent) und ihr Parteikollege Markus Kienle zuletzt 2007 (12,3 Prozent). 2007 war auch schon Stadtrat Ralf Milde mit dabei, damals erreichte er 4,1 Prozent, diesmal noch 2,8. Anja Hirschel, ambitioniert für die "Piraten" ins Rennen gegangen, kam am Sonntag auf 4,8 Prozent. Lisa Collins (Die Partei) erhielt 1 Prozent der Stimmen, Sevda Caliskan 0,6.

Ein Trend setzt sich fort: Immer weniger gehen wählen, Beteiligung: 42,5 Prozent. Bei der vergangenen OB-Wahl waren es 43 Prozent, zuvor immer über 50. Für Czisch waren 20 248 Ulmerinnen und Ulmer, das reichte bei 90 313 Wahlberechtigten zur absoluten Mehrheit.

Gönners Nachfolger sprach von einem "großen Erfolg und einer großen Ehre, die mir zuteil geworden ist". Er sieht sich "in der Tradition von vielen Oberbürgermeistern" stehen und fasste sich kurz:. "Diener für die Stadt - das will ich sein."

Zum Feiern hatten es Czisch und seine Anhänger, Freunde und Parteikollegen, darunter Annette Schavan, Botschafterin im Vatikan, und Guido Wolf, CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl im März, am Sonntag nicht weit. Es ging eine Etage tiefer, zünftig in den Ratskeller.

Für Sie unterwegs

Das Team Fast die gesamte Lokalredaktion war am Sonntagabend unterwegs, um Stimmen und Stimmungen anlässlich der OB-Wahl einzufangen und die Tabellen mit Prozentzahlen zu füllen: Julia Kling, Chirin Kolb, Rudi Kübler, Christine Liebhardt, Christoph Mayer, Hans-Uli Mayer, Jakob Resch, Beate Rose, Edwin Ruschitzka, Igor Steinle, Ulrike Schleicher, Hans-Uli Thierer, Irmgard Zaccaro, Evi Sturm. Volkmar Könneke und Oliver Schulz haben fotografiert.

 

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