Feinstaubbelastung in Ulm: Keine Entwarnung bei der Luft

Die Feinstaubbelastung in Ulm ist deutlich gesunken. Stickstoffdioxid stellt weiter ein Problem dar. Schuld sind vor allem Dieselfahrzeuge.

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Der Verkehr, wie hier auf der Ludwig-Erhard-Brücke, ist einer der Hauptverursacher schädlicher Stickstoffdioxide.  Foto: 

Die Luft in Ulm ist gar nicht schlecht, aber eben auch nicht gut. So lässt sich die Botschaft zusammenfassen, die Volker Jescheck, der Leiter der Abteilung Stadtplanung, den Stadträten überbrachte. Vor allem zwei Luftschadstoffe stehen im Fokus: Feinstaub und Stickstoffdioxid. Die Feinstaubbelastung sinkt weiter, so dass die Grenzwerte seit Jahren deutlich unterschritten werden. „Die Umweltzonen haben geholfen, und die Fahrzeuge sind besser geworden“, sagte Jescheck. Keine Entwarnung gibt es dagegen bei Stickstoffdioxid. Hauptverursacher ist der Verkehr, speziell Dieselfahrzeuge.

Die Belastung mit Stickstoffdioxid bereitet Jescheck Sorgen, „das ist ein Riesenproblem“. Werden die Grenzwerte dauerhaft nicht eingehalten, können Bürger die Stadt verklagen. Der Luftreinhalteplan ist zwar Landesangelegenheit, für die Umsetzung sind aber die Kommunen zuständig.

Feinstaub An den Messstellen Zinglerstraße und Karlstraße wird seit Ende 2013 beziehungsweise Ende 2014 Feinstaub nicht mehr erfasst, weil in den drei Jahren zuvor der 35-Tage-Grenzwert nicht mehr überschritten wurde. Er besagt, dass die Feinstaubbelastung an maximal 35 Tagen im Jahr überschritten werden darf. Zuletzt lagen die Werte an beiden Messstellen im Jahr 2010 darüber.

Als wichtigen Grund für den Feinstaubrückgang nennt die Stadt die Einführung der Umweltzone. Allerdings schwankt die Feinstaubbelastung, wenngleich auf niedrigerem Niveau. Das liegt in erster Linie am Wetter. Wenn austauscharme Wetterlagen lange bestehen, es im Sommer wenig regnet, im Winter lange kalt bleibt und kräftig geheizt wird, steigen die Feinstaubwerte.

Was Feinstaub angeht, sei Ulm also „auf der sicheren Seite“, sagte Jescheck im Umweltausschuss. Durch die ergriffenen Maßnahmen konnte die Belastung „signifikant und dauerhaft unter die Grenzwerte gesenkt werden“.

Stickstoffdioxid Ganz anders sieht es dagegen bei Stickstoffdioxid aus. Zwar sei die Belastung in den vergangenen Jahren ebenfalls gesunken, allerdings von einem „hohen Ausgangsniveau“ aus. Wie die Werte in Ulm genau liegen, lässt sich zudem derzeit nur schätzen. Denn zwei von drei Messstellen waren oder sind baustellenbedingt außer Betrieb. In der Zinglerstraße wird  seit Januar 2016 nicht mehr gemessen. In der Karlstraße wurden die Messungen zwar zum Jahresbeginn wieder aufgenommen, belastbare Ergebnisse wie der Jahresmittelwert liegen aber noch nicht vor.

Eine Entwicklung deutet sich aber schon an. Es sieht so aus, als ginge die Stickstoffdioxid-Belastung deutlich zurück. Im Jahr 2014 lag sie mit 49 Mikrogramm pro Kubikmeter, also 49 Millionstel Gramm pro Kubikmeter, noch weit über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm. Jescheck sieht trotz des Rückgangs keinen Grund, sich beruhigt zurückzulehnen. Die Karlstraße ist stark befahren und von hohen Häusern gesäumt. „Wenn es so weitergeht, halten wir die Grenzwerte nicht ein.“

Stadt, Bürger, Unternehmen müssten also weiter alles versuchen, um die Luftqualität zu verbessern. Auch Fahrverbote stehen im Raum, wenngleich es dafür noch keine Rechtsgrundlage gibt. Die Stadt listet eine ganze Reihe von Maßnahmen auf, darunter:
- Bau der Straßenbahnlinie 2, „unsere größte Maßnahme für Luftreinhaltung überhaupt“.
- Förderung des Rad- und Fußgängerverkehrs. Gerade der Radverkehr habe sich enorm entwickelt, „es gibt aber noch viel Potenzial“.
- Staubminderung auf Baustellen. Die Stadt kontrolliert zwar, sei aber auf Hinweise von Bürgern angewiesen. Die Beschwerden seien aber „deutlich rückläufig“.
- Modernisierung der SWU-Busflotte und des städtischen Fuhrparks.

Elektrifizierung der Südbahn. Dass dort noch Dieselloks verkehren, bezeichnete Jescheck als „kafkaesk“.
- Ausbau der Fernwärme. So sollen beispielsweise die neuen Wohngebiete Safranberg (ehemalige Chirurgie), Egginger Weg und Weinberg (ehemalige Hindenburgkaserne) mit Fernwärme versorgt werden.
- Unterstützung von Pendlern. Es gibt bereits seit 2005 eine kostenlose Online-Vermittlung für Fahrgemeinschaften: mifaz.de/ulm/.

Grüne Plakette Seit April 2013 dürfen in der Umweltzone auch parkende Autos kontrolliert werden. Seither wurden in Ulm laut Stadtverwaltung fast 8200 Verstöße festgestellt. Die Stadt leitete Ordnungswidrigkeitenverfahren ein. Bei fast der Hälfte legte der Fahrzeughalter nachträglich eine grüne Plakette vor. In diesen Fällen wurde das Verfahren kulanzhalber eingestellt. Der Anteil ausländischer Fahrzeuge ohne grüne Plakette lag bei 47 Prozent.

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Kommentare

26.11.2017 18:49 Uhr

Antwort auf „Es ist wohl möglich”

Sie haben Recht. Asche auf mein Haupt.
Allerdings ist die Neuanschaffung eines Gasbetriebenen Busses deutlich wirtschaftlicher.
Warum man das macht oder nicht ist wohl eher der Philosophie des Betriebes geschuldet oder welche Rahmenkonditionen er mit dem jeweiligen Fahrzeughersteller vereinbart hat.

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26.11.2017 17:04 Uhr

Es ist wohl möglich

Auf der Seite Energiespar-Rechner.de steht folgendes

"Diesel ist dagegen ein Selbstzünder. Er wird im Zylinder solange komprimiert, bis er sich selbst entzündet und mit der Verpuffung den Kolben aus dem Zylinder stößt. Will man hier Gas entzünden, müsste man eine Zündkerze hinzufügen. Das macht die Umrüstung eines Diesels sehr teuer und umständlich (es wird aber gemacht z.B. bei Bussen im öffentlichen Nahverkehr)."

Man könnte natürlich auch schlicht ältere Busse durch neue Erdgasbusse ersetzen.

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26.11.2017 16:30 Uhr

Antwort auf „Umstellung der Busse auf Erdgas”

Herr Braun,
ist ihnen die Tatsache entgangen daß sich Dieselbusse (wie auch Dieselmotoren im allgemeinen) nicht auf Erdgas umrüsten lassen?
Sinnvoller wäre eine höhere Besteuerung der Diesel-PKW oder eben ab und zu mal das Auto stehen zu lassen und mit der Straßenbahn oder Bus zu fahren.

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26.11.2017 11:44 Uhr

Umstellung der Busse auf Erdgas

Solange die Emobilität bei Bussen noch nicht optimal funktioniert könnte man als Sofortmaßnahme die SWU Busflotte auf Erdgas umstellen. Erdgas haben die SWU zum günstigen Preis. Die Umrüstungen der Busse werden vom Bund gefördert, man muss das Geld nur abrufen.

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