Kein Platz für Rechts: Demo gegen „Pro Deutschland“ in Ulm

Mit einer Sitzblockade und Trillerpfeifen demonstrierten am Samstag rund hundert Menschen gegen eine Kundgebung der rechtsextremen Partei „Pro Deutschland“. Die Veranstaltung blieb friedlich.

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„Für solche menschenverachtende Propaganda ist in Ulm kein Platz.“ Ein Mitglied der Ulmer Falken bringt die Stimmung seiner Mitdemonstranten auf den Punkt. An die hundert Menschen hatten sich am Samstagvormittag ab etwa 9 Uhr in der Schillerstraße versammelt, um den Rechtsextremen von „Pro Deutschland“ Paroli zu bieten.

Das „Bündnis gegen Rechts“ hatte zur Gegendemo eingeladen, eigentlich am Ehinger Tor, wo auch OB Gönner deutliche Worte gegen die Rechtsradikalen fand. Die meisten Demonstranten – etwa Mitglieder von DGB, SPD, den Grünen, Linken, Falken, der deutsch-türkischen Freundschaft und des „Ulm Nazifrei – Kollektiv 26“ – zogen es aber vor, den fünf Pro-Deutschland-Mitgliedern, die zunächst vor dem Landratsamt sprachen, direkt gegenüber zu stehen.

Getrennt allerdings von einem großen Aufgebot an Polizisten, die den Platz vor der Kreisbehörde abgesperrt hatten. „Unsere Hauptaufgabe ist es, beide Seiten voreinander zu schützen“, sagte Markus Sauter, der als Pressesprecher der Polizei vor Ort war. Als Provokation empfanden die Gegendemonstranten indes die reine Gegenwart der „Pro Deutschland“-Mitglieder, die gezielt direkt neben der Osmangazi-Moschee sprachen – auch wenn sie per Gerichtsentscheid einige Meter weiter zum Landratsamt hatten ziehen müssen. „Sie wollen nur Krawall“, sagte Murat Karadeniz, der Vorsitzende des Moscheevereins, zumal außer der Moschee noch ein türkischer Gemüseladen und das Vereinsheim vor Ort seien. „Aber schön, dass so viele Menschen hier sind, die dagegen sind.“

Mit Schildern mit Sprüchen wie „Nazis essen heimlich Döner“ oder „Nazis nehmen uns die Arbeitsplätze weg“ demonstrierten etwa Mitglieder der Jusos und der Grünen Jugend. „Wir finden es richtig, dass die ihre Meinung sagen dürfen“, sagte Seija Knorr von den Jusos Neu-Ulm. „Aber wir sagen unsere auch! Sie sollen sehen, dass es Leute gibt, die dagegen sind.“ Das aktiv zu zeigen, ist für die Freundinnen Aileene Dietz (25) und Stefanie Steffen (23) selbstverständlich. Sie finden es aber schade, dass nicht mehr Menschen gekommen sind, die keiner Organisation angehören.

Die Anwesenden indes zeigten Präsenz. Nicht nur, dass sie die Reden der Rechtsradikalen mit Trillerpfeifen und Tröten übertönten. Als diese gegen 11.30 Uhr in Richtung Vereinsheim der Ulmer Falken im Donauturm ziehen wollten, bildeten die Demonstranten eine Sitzblockade auf Höhe des Roxys. Die Polizei forderte zwar auf, die Straße zu räumen, verzichtete aber in Absprache mit der Stadtverwaltung darauf, einen Platzverweis zu erteilen. „Das wäre unverhältnismäßig“, sagte Roland Häußler, der Leiter der Bürgerdienste, zumal „Pro Deutschland“ provokant und aggressiv aufgetreten sei. Um die Meinungsfreiheit zu wahren, habe man aber erlaubt, vor der Blockade auf der Schillerstraße zu sprechen. Dafür, dass davon nicht allzu viel zu hören war, sorgten die Demonstranten wiederum mit Trillerpfeifen. Zu Gewalt kam es bis zum Ende der „Pro Deutschland“-Kundgebung abgesehen von verbalen Provokationen nicht.

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Kommentare

09.09.2013 19:18 Uhr

Antwort auf „Schwäbischer Plural”

Und erst "königliche" Griffelspitzer :-)

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09.09.2013 18:00 Uhr

Schwäbischer Plural

Oh doch.
Im Schwäbischen gibt es Bauwägen!
Ebenso wie Bleistiftspitzer!

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09.09.2013 10:32 Uhr

ich war vor Ort

Ich war einer der Ulmer die im Roxy eingeschlossen waren, über Stunden. Deshalb habe ich mir ein Bild direkt vor Ort gemacht. Mich überkam das blanke entsetzen. In dem Kleinbus waren 6 Leute und ein Hund. Dem gegenüber standen etwa 100 Gegendemonstranten und geschätzt ebensoviele Polizisten. Jetzt frage ich mich wer diese Kosten tragen muß. Natürlich ist es richtig gegen Rechtsradikale, aber ebenso gegen Linksradikale einzutreten. Doch wo sind da die Relationen?

Hier hat man mit Hilfe der Gegendemonstrationen dieser kleinen Partei (ich hatte vorher nie von denen gehört) eine Plattform gegeben. Hätte man sie schlicht ingnoriert hätte das denen sicherlich weher getan. So hatten sie ihren Spaß. Das sie aggresiv waren, habe ich zu keinen Zeitpunkt gesehen. Ich war nur wenige Meter vom Bus entfernt.

Doch den Vogel hat der Ulmer Verantwortliche abgeschossen. Einer der sechs hatte ja nun genügend Zeit um etwas zu essen. Er setzte sich an den Strassenrand, der Ulmer Verantwortliche ging sofort zur Polizei damit diese das unterbinden. Erstens hat er selbst noch nicht einmal den Mut dies selbst zu tun (der Polizist musste auch lachen) und zweitens ist das Kindergarten pur.

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09.09.2013 10:07 Uhr

Jetzt zählen wir mal alle auf

die an der Demo und/oder Sitzblockade und/oder Pressemitteilung in welcher Anzahl und Aktivität teilgenommen haben. Das ist ja eine sehr wichtige Sache die hier nicht untergehen darf ;)

Und ja, ich habe schon die braunen Buntstifte aus den Farbpaletten meiner Kinder entfernt. Nun wurde ich aber aufmerksam gemacht, das auch blau sehr kritisch sei und ständig beobachtet werden müsse ;)

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09.09.2013 09:23 Uhr

Auch Piraten waren vor Ort

Ein gelungene Veranstaltung und ein schöner Bericht. Allerdings sollte man der Fairness wegen erwähnen, dass es schon im Vorfeld eine gemeinsame Presse-Erklärung von CDU, SPD, FDP, Grünen, Linken und Piraten gab, was ich schon bemerkenswert finde.

Und zumindest Piraten waren auch aktiv an der Blockade beteiligt.

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09.09.2013 09:00 Uhr

Antwort auf „Weiter so!”

Bauwägen gibt es aber nun nicht, auch Plural lautet Bauwagen.

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08.09.2013 22:32 Uhr

Peinliche Ausrutscher

Dass jetzt einige "Fans" von Pro Deutschland auf die Tränendrüse drücken, ist wohl mehr als peinlich.
Gerade diejenigen Hardliner, welche sonst mit Menschenrechten gar nichts anfangen können, meinen nun dumme Sprüche anderer verurteilen zu müssen.
Wie armselig ist das denn?

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08.09.2013 22:20 Uhr

das Problem an der Sache

Hat zwar nichts direkt mit pro Deutschland zu tun aber die Wahlwerbeplakate einer vergleichbaren Partei sprechen die klarste Sprache aller Plakate die ich sehe.
Die meisten von uns haben sich auch ohne rechte Denkweise bestimmt schon gefragt ob wir wirklich so viel an xy bezahlen müssen, ob wir wirklich nicht erst mal selber genug Probleme haben um die wir uns statt xy kümmern sollten usw. Dann noch so einen Wahlspruch und schon ist für einige klar was sie wählen.

Die regierenden Parteien sollten auch zu brisanten Themen ohne Scheu Stellung nehmen. Dann hätten die rechten keine Zuläufer mehr und das Problem mit den Tumulten wäre am effektivsten erledigt.

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08.09.2013 21:01 Uhr

Demokratieverständnis der Linksradikalen

„Wir finden es richtig, dass die ihre Meinung sagen dürfen“, sagte Seija Knorr ........,dass sie die Reden der Rechtsradikalen mit Trillerpfeifen und Tröten übertönten...

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08.09.2013 20:25 Uhr

verhalten mehr als gestört!

jetzt mal unabhängig von dem politischen:

das geht an die gegendemonstranten:

angetrunken und mit bierflaschen in der hand, waren nur einige der gegendemontranten.
zu demos sollte man so nicht gehen.bzw kann man ja alkoholisierte menschen bekanntlich nicht ganz ernst nehmen.
so eine ernste gegendemo als event zu besuchen ist nicht ok. nie wurden die männer und frauen aufgefordert ihr bier hier nicht zu trinken, bzw biere!... einer erzählte lautstark wie lustig es war in mit den bullen und das er zu spät gekommen ist, weil er in der ausnüchterungszelle war. echt cool.

jetzt aber das aller schlimmste!

einige demonstranten hatten "lustige" reime zu besten gegegeben, in denen sich die mitglieder von pro d. aufhängen sollen, in den kopf schießen sollen und von sich von der brücke stürzen sollen.
so etwas in anwesenheit von mehreren kindern zu schreihen, ist widerlich und das allerletzte.
und das hat nicht mit pro d zu tun.
und kein einziger der gegendemontranten, hat etwas gesagt.
also dieses verhalten, finde ich genauso menschenverachtent!

und die polizeit hat 3 mal aufgefordert, die demo aufzulösen. das die armen polizisten dann nichts machen durften, ist ein armutszeugniss für einen rechtsstaat.

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08.09.2013 20:18 Uhr

bring dich um! so gehts nicht.

ich bin weit davon entfernt rechts oder gar rechtsextrem zu sein. mit gefällt auch vieles nicht was pro d. alles von sich gibt, ABER:
"beide seiten von einnader zu schützen"?
zu keinen zeitpunkt war pro D. aggressiv. wie auch in vielen videos auf youtube( auch videos von gegendemonstranten) ist zu sehen wer hier aggressiv war/ist.
in ulm wurd bei der schiller höhe mehrere kurze reime zum besten gegeben, wo gereimt wurde, das die mitglieder von pro d. sich aufhängen sollen, von der brücke springen sollen usw. UND das vor allem in anwesenheit von einigen kindern. unglaublich widerlich. keiner der vielen gegendemonstranten hatte das etwas gegen gesagt. es wurde sogar gelacht und geklatscht.

noch schlimmer ist, dass die polizei 3 mal aufgefordert hatte, die sitzblockade zu räumen. das die armen polizisten dann nicht, handeln durften, obwohl das angekündigt wurde, ist ein armutzeugniss.
das macht mir angst.
dann kann ich wenn ich einige leute zusammen bekomme, nun auch gegen leute sein, die mir nicht passen und deren bewegeungsfreiheit einschränken.

inhalltlich: sicher ist einiges nicht ok und zu allgemein, aber es werden eben auch tabus angesprochen:

das problem mit rumänen, die hier in überteuerten wohnung leben müssen, ist in erster linie für die menschen selber sehr schlimm. das gibt es nicht viele ernstgemeinte lösungen von der so korrekten politik. pro meinte eu geld sollte gegen die korruption in rumänen selber ein gesetzt werden.

das werden ja schöne zeiten die uns bevorstehen.

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08.09.2013 18:59 Uhr

Weiter so!

Sehr schön, Ulm ist und bleibt antirassistisch!
Weltfremde Nazi-Bauern geht schnell zurück in eure Bauwägen, hopp hopp!! Und lasst euch in unserer Stadt nicht mehr blicken, denn wir brauchen keine rechten Hetzer hier!

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