Katharina Ritter ist die neue Ausstellungsleiterin des Kunstvereins Ulm

Die 35-Jährige kommt aus Saarbrücken nach Ulm. An ihrem Startwochenende gibt es angewandte Kunst.

|
Mit einer Ausstellung zur angewandten Kunst startet Ausstellungsleiterin Katharina Ritter in den neuen Job.  Foto: 

Das ist doch ein spannender Ansatz.“ Katharina Ritter führt den Gedanken gleich weiter: „In meinem Umfeld gibt es viele Leute, die sich weder im Museum noch auf dem Kunsthandwerkermarkt zuhause fühlen.“

Es geht um die Frage, wo Kunst und Handwerk sich treffen und damit um die neue Ausstellung im Kunstverein Ulm. Zwei der Beteiligten von „Kunst – Hand + Werk 2017“ erklären gerade die Besonderheit der Schau, die von heute bis Sonntag im Schuhhaussaal zu sehen sein wird. 17 Werkstätten präsentieren und verkaufen ihre Produkte, allesamt handgearbeitete Unikate aus Holz, Leder oder Textil.

Aus Saarbrücken nach Ulm

Man setze auf Qualität, man wolle dem Publikum die angewandte Kunst jenseits eines konventionellen Kunsthandwerkermarkts nahebringen, erklären die Organisatorinnen Clarissa Weinbeer und Gudrun Seyfert. Wahrscheinlich nicht das allernaheliegendste Thema für die 35-Jährige auf dem Stuhl neben ihnen. Doch Katharina Ritter hört interessiert zu – schließlich ist sie ja hier die Neue. Die neue Ausstellungsleiterin des Kunstvereins Ulm.  Als solche will sie erkennbar erstmal gucken, wo sie da überhaupt gelandet ist: Ritter kommt aus Saarbrücken, sie hat dort auch studiert, umziehen nach Ulm wird sie an diesem Wochenende, von da an läuft ihr Vertrag zunächst einmal zwei Jahre.

Das verspricht immerhin schon etwas mehr Stabilität als sie in den vergangenen Monaten gegeben war. Nachdem die langjährige Leiterin Monika Machnicki vergangenen September aufgehört hatte, ging ihre Nachfolgerin Gisela Brill bereits nach wenigen Monaten in Elternzeit, und so musste wiederum eine Neue gefunden werden für einen Posten, der nicht unbedingt für jeden attraktiv ist: Bezahlt wird lediglich eine Halbtagsstelle, mehr Geld sei nun einmal nicht da, sagt der stellvertretende Vorsitzende Max Stemshorn. Die Diskussion darum werde zwar geführt, doch die Kosten seien gedeckelt.

Sinnvoll ist so eine Stelle nur für jemanden, der noch etwas anderes zu tun hat, und just das ist bei Katharina Ritter der Fall. Nach einem Studium der Freien Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste Saar und einem Master of Arts in Kuratieren und Ausstellungswesen hat sie einen Lehrauftrag an der HbK und schreibt an einer Promotion zu der Frage, wie kuratorische Entscheidungen zustandekommen.

Getestet hat sie das in der Praxis bereits – als Gründungsmitglied des Neuen Saarbrücker Kunstvereins zum Beispiel, den sie zusammen mit Freunden initiiert hat. Mit minimaler Infrastruktur und Ausstattung habe man dort gearbeitet, erzählt Ritter. Die Kooperation mit unterschiedlichen Beteiligten,  das Einbeziehen des Umfelds sei ihr wichtig, sagt sie. In einer Stadt wie Saarbrücken kann das heißen, leerstehende Räume, öffentlichen Raum zu bespielen. In einer strukturstarken Gegend wie Ulm – in der alles da ist außer Platz – sind die Voraussetzungen natürlich ganz andere.

Tradition und Zeitgenossen

Wahrnehmung und Wirksamkeit, Arbeitsweisen und Zukunftsfragen – das sind die Themen, die Katharina Ritter theoretisch umtreiben. Wie das in der konkreten Umsetzung aussieht, wird man wohl erst im kommenden Jahr sehen, denn das Ausstellungsprogramm des Kunstvereins für das Jahr 2017 steht bereits. Klar, ein wenig jünger könnten die Künstler bei einer Ausstellungsleiterin dieser Generation schon werden, aber wenn man so im Schuhhaussaal sitzt, fällt eben zwangsläufig ein Begriff wie Tradition. Der Renaissance-Saal wird auch für Katharina Ritter ein ernstzunehmender Mitspieler bleiben.

Erst einmal aber gilt es anzukommen, Stadt, Land und Leute kennenzulernen, die ersten Namen ins Notizbuch einzutragen, gut zuzuhören und mitzumachen, wo es nötig ist. Katharina Ritter lacht ein bisschen und stellt sich dann bereitwillig neben die Schmuckbüste, um das Pressefoto etwas dekorativer zu gestalten. Kann losgehen.

Die nächste Ausstellung eröffnet heute Abend, 19 Uhr, im Schuhhaussaal des Kunstvereins Ulm: „Kunst – Hand + Werk“ präsentiert 17 Werkstätten aus den Bereichen Holz, Keramik, Leder, Schmuck und Textil, die wie bereits im vergangenen Jahr ihre Unikate aus der angewandten Kunst zeigen und auch verkaufen. Die Einführung hält der Leiter des HfG-Archivs, Martin Mäntele. Öffnungszeiten sind Freitag und Samstag, 11 bis 19 Uhr und Sonntag 11 bis 18 Uhr.

Im Programm 2017 geht es danach mit einer Schau des Künstlers und Regisseurs Julian Schnabel (ab 15. Juli) weiter. Im Herbst folgen Andreas Mühe (30. September) und Stephanie Gutheil (25. November). Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr.

Mehr Informationen unter: www.kunstverein-ulm.de

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Kripo-Beamter der Ulmer Polizei vor Gericht

Wegen Strafvereitelung und Unterschlagung von Geldbußen in zig Fällen muss sich ein Polizist vor der Justiz verantworten. Der Angeklagte bestreitet alles. weiter lesen